Schuldebatte: „Emotionen kochen über“

Lohnt sich der Kampf?

Schulleiter Uwe Boscheinen stellt in aller Ausführlichkeit die Sonnenbergschule vor, die fest im Ort verwurzelt ist.

BANTELN / EIME Informationsabende, Flyer, Unterschriftensammlung, Protestmarsch... Die beiden Schulgemeinschaften in Banteln und Eime zeigen sich kampfbereit. Das ist keine Überraschung, geht es doch um die Existenz zweier in der Dorfgemeinschaft fest verwurzelter Einrichtungen. Interessant aber ist, wie sich diese Auseinandersetzung zuspitzt: Während in Eime betont wird, dass sich dieser Kampf um den eigenen Schulerhalt keineswegs gegen die Bantelner Kollegen richtet, fühlen sich diese längst provoziert.

Donnerstagabend, 19.30 Uhr, in der Mehrzweckhalle in Eime: 200 Stühle stehen bereit, nur einige Plätze bleiben leer. Schulelternratsvorsitzender Lars Reckstadt ist mit der Resonanz vor Beginn des großen Informationsabends schon einmal zufrieden. „Unser Ziel ist heute Abend nicht, die Matrix der Kommission zu thematisieren, wobei wir auch von unserer Seite her dort Fehler gefunden haben“, teilt er den Anwesenden mit. Vielmehr wolle man sich darauf konzentrieren, die Bevölkerung zu sensibilisieren und die Vorteile der Eimer Sonnenbergschule herauszustellen. So stellt Schulleiter Uwe Boscheinen in aller Ausführlichkeit das Kollegium der Einrichtung vor – vom Schulleiter bis hin zum Raumpflegepersonal.

„Zahnrad“

Dass die Eimer Grundschule fest im Ort integriert ist, bleibt an diesem Abend nicht unerwähnt, ist aber ohnehin längst bekannt. Besonders hebt der Schulleiter die Kooperation mit dem Heimat- und Kulturverein hervor, mit dem die Schulgemeinschaft „ganz viele Aktionen“ unternimmt. Auch in Sachen „Grünes Klassenzimmer“ wird zusammengearbeitet. Die entsprechende Fläche ist gekauft, „nun stehen wir in den Startlöchern“. Uwe Boscheinen fasst zusammen: „Diese Schule ist ein ganz großes Zahnrad dieser Gemeinde.“

„Fester Bestandteil“

Es geht an diesem Abend um Inklusion, die nicht groß-, sondern „selbstverständlich geschrieben“ wird, um den Schulförderverein, der im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde und seitdem fast ein Viertel der Eltern als Mitglieder gewonnen hat, und um „KidS“ als „festen Bestandteil der Schule“. Der Verein bietet eine Betreuung nach der Schulzeit sowie in den Ferien an. Die neue Vorsitzende Petra Brandes mahnt: „Wenn die Grundschule in Eime geschlossen wird, dann gibt es auch KidS nicht mehr.“

Zur gleichen Zeit schwört sich die Bantelner Schulgemeinschaft auf die bevorstehende Schulausschusssitzung ein: Über 180 Menschen haben sich zum Informationsabend eingefunden. Auch hier werden die Vorteile des Schulstandortes in aller Ausführlichkeit vorgestellt – mit Blick auf die Schülerzahlen, auf „vier Jahre inklusive Schule Banteln“ und vor allem auf die Matrix. Laut Olaf Marthiens und Michael Grohn, der beiden Vorsitzenden der „Gemeinschaft Pro GS Banteln“, sind so manche Gegebenheiten nicht entsprechend berücksichtigt worden: Beispielsweise müsste in Eime in jedem Fall sowohl der Schulhof als auch die Bushaltestellen-Situation in Angriff genommen werden. Hier würden Kosten entstehen, die in der Matrix bisher keine Berücksichtigung gefunden hätten. Auch würde die Bantelner Schule im Bezug auf die Sanierung der Heizungsanlage besser wegkommen als in der Matrix bewertet. Laut Dr.-Ing. Olaf Marthiens könnte nämlich von der vor drei Jahren erneuerten Heizungsanlage in der Turnhalle profitiert werden. Mit Kritik wurde in Banteln jedenfalls nicht gespart: „Irgendwo kochen die Emotionen über“, ärgert sich Olaf Marthiens etwa über den Flyer, den die Sonnenbergschule nun herausgegeben hat und der der Bantelner Vorlage „frappierend“ ähnlich sehe: „Ich fühle mich schon persönlich angegriffen.“ Wohl aber betonen beide Vorsitzende, „nicht nachtreten“ zu wollen. Letztlich gehe es um die Kinder. Dann aber doch wieder ein Seitenhieb: „Die Eimer können sich gerne noch eine Anleitung für unsere Tapetenrolle holen“, teilt Michael Grohn aus: Laut Schulleiterin Karin Weidemann werden nämlich Kinder dem Schulausschuss am Montag ein mit den Handabdrücken der Kinder gestaltetes Banner überreichen.

Solidarisch

Solidarisch erklären sich aber nicht nur Bantelner mit der Grundschule: So hat etwa der einstige Förderverein der Rhedener Schule, der sich angesichts der Schulschließung im Jahr 2010 auflöst, erklärt, sein Vermögen der Bantelner Einrichtung zukommen lassen zu wollen. „Es ist schon erstaunlich, was Eltern hier leisten“, freut sich Olaf Marthiens über die Einsatzbereitschaft.

Es ist deutlich zu spüren: Der Kampf um den Schulerhalt spitzt sich zu. Ob es in dieser Angelegenheit förderlich ist, bleibt unbeantwortet. Am Ende stellt sich wohl nur eine Frage: Lohnt sich ein Kampf mit all seinen Konsequenzen, wenn angesichts dramatisch sinkender Schülerzahlen wenig Hoffnungen besteht, als „Gewinner auf Dauer“ hervorzugehen?

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