Familie Lange aus Barfelde mahnt Internetversorgung im Despetal an / „Leine-air“ keine Lösung

„Leben ist darauf ausgerichtet“

Für sie spielt das Internet eine wichtige Rolle: Angeregt durch die Berichterstattung der LDZ sprechen Annet und Hartmut Lange und ihr 17-jähriger Sohn Steffen über die Probleme mit der Bandbreite. Foto: Klein

BARFELDE Das Internet ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken: Online werden Bücher bestellt, Musik und Filme heruntergeladen. Per Mausklick werden Überweisungen vorgenommen, E-Mails verschickt und Daten übermittelt. „Das Leben hier ist einfach darauf ausgerichtet“, beschreibt Annet Lange aus Barfelde, welche Bedeutung das Internet im ländlichen Bereich einnimmt: „Selbst meine Arzttermine muss ich online vereinbaren.“ Aber ist dies denn „im Tal der Ahnungslosen“, wie das Despetal angesichts der Internetversorgung stets bezeichnet wird, überhaupt möglich?

Die Familie Lange bezieht eine 6 000er-Leitung: „Verluste hat man immer“, ist sich Hartmut Lange bewusst. In der Regel würden demnach drei Megabit pro Sekunde bei der vierköpfigen Familie in Barfelde ankommen. Das Despetal sei seinen Angaben zufolge „ein Flickenteppich“, weil innerhalb der Gemeinde ganz unterschiedliche Übertragungsraten möglich seien. Aber: „Der Grundbedarf im Despetal ist vorhanden“, ist Hartmut Lange überzeugt, der sich mit dem Thema beschäftigt und auch einige Gespräche mit Bürgern geführt hat.

Doch zufrieden ist die Familie keineswegs: In der Theorie können die Barfelder zwar den Fernseher einschalten und über das Internet Filme empfangen, doch

dann ist die Bandbreite auch schon ausgeschöpft. „Wenn ich dies nutze, brechen die Leitungen zusammen“, bedauert Annet Lange. Online Fotos zu übertragen, dauere schon einmal 45 Minuten und die für das Betriebssystem Windows nötigen Updates herunterzuladen, nehmen gute zehn Minuten in Anspruch.

Dabei entwickele sich die Zukunft immer weiter, ist die Familie aus Barfelde überzeugt. „Kleine Gemeinden haben keine Läden mehr und zudem noch eine schlechte Busverbindung“, mahnt Hartmut Lange an: Da sei das Internet unerlässlich – und doch kümmere sich niemand um eine Verbesserung. Für ihn nämlich spitze sich die Spirale immer weiter zu: „Wohnungen können nicht vermietet werden, weil die Internetverbindung zu schlecht ist.“ Ganz zu schweigen von der Jugend, die über kurz oder lang den Ort verlassen werde – wegen fehlender Möglichkeiten. Der 17-jährige Steffen Lange pflichtet bei: Er möchte in den IT-Bereich einsteigen, doch schon jetzt gebe es Probleme: Derzeit absolviert der Barfelder eine Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten. Der Austausch mit seinen Mitschülern sei unerlässlich, angesichts der Internetverbindung aber gerade beim Datentransfer nicht immer möglich.

Auch die Lösung des Überlandwerks, das über eine Funkverbindung im ersten Schritt zwei Megabit pro Sekunde anbieten will, sei keine Alternative: „Wollen wir uns etwa verschlecht-bessern?“, fragt Hartmut Lange, der davon überzeugt ist, dass das Angebot des Gronauer Energieversorgers am Bedarf vorbeigehe. Denn die Grundversorgung sei nicht das Problem, vielmehr gehe es um eine schnelle Internetverbindung. „Eine 16 000er-Leitung sollte zumindest Standard sein“, fordert der 57-Jährige. Zudem hätte er sich längst Aufklärung über das ÜWL-Vorhaben mit dem Namen „leine-air“ gewünscht: „Die Antennen können ja auch nicht das gesamte Despetal versorgen“, bedauert er. Vielen Einwohnern aber habe dies ohnehin zu lange gedauert: Sie haben sich Alternativen gesucht, etwa die Funkvariante LTE. Dies jedoch sei nicht in allen Bereichen des Despetals verfügbar, so Hartmut Lange. Sein Wunsch ist die Verlegung eines Glasfaserkabels, um eine zukunftsfähige Verbindung zu schaffen. „Ist hier wirklich alles getan worden?“, fragt sich der Barfelder, für dessen Familie das World Wide Web ein wichtiger Bestandteil im Alltag ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare