Welche Rolle haben örtliche Reservisten heute? LDZ-Gespräch mit der Bantelner Reservistenkameradschaft

„Wir stehen mitten in der Gesellschaft“

„Wir haben schon ein intaktes Vereinsleben“, sind sich Vorsitzender Holger Seida (2.v.l.) und sein Stellvertreter Peter Tolloch (links) einig. Neben geselligen Treffen aber – wie hier das gemeinsame Grillen, das zunächst erst einmal die Sommerpause einläutet – widmet sich die Bantelner Kameradschaft auch der Ausbildung sowie innen- und sicherheitspolitischen Themen.

BANTELN Die Reservisten sind ein integraler Bestandteil der Bundeswehr. Bei Bedarf können sie eingezogen werden, um die aktiven Soldaten zu unterstützen. Rund 6 300 Soldaten der Bundeswehr beteiligen sich aktuell an Einsätzen im Ausland – darunter über 400 Reservisten. Angesichts des Rückzuges der Bundeswehr aus der Fläche kommt ihnen heute eine weitere Rolle zu: Neben der Kameradschaftspflege und des Austausches von innen- und sozialpolitischen Themen zeigen sie stets Präsenz.

„Die meisten Menschen, die man hier zu bestimmten Anlässen in Uniform sieht, sind Reservisten“, spricht Hans-Heinrich Pachnicke von der Bantelner Reservistenkameradschaft den Rückzug der Bundeswehr aus der hiesigen Fläche an. Der zweite Vorsitzende Peter Tolloch pflichtet bei: „Die nächste Kaserne ist erst wieder in Holzminden zu finden.“ Die Bantelner Reservisten nehmen ihre Aufgabe somit ernst: Sie zeigen längst nicht nur Präsenz, sondern widmen sich auch nach wie vor der Ausbildung. „Die Kameradschaftspflege steht dabei an erster Stelle“, betont Vorsitzender Holger Seida. Derzeit zählt die am 8. August 1988 gegründete Kameradschaft 61 Mitglieder. Mit dieser Zahl ist die Kameradschaft laut des Vorsitzenden im Kreis Hildesheim gut aufgestellt. Die Altersstruktur liegt bei etwa 50 Jahren. „Wir haben schon ein intaktes Vereinsleben“, berichtet der Vorsitzende von regelmäßigen Treffen, Fahrten und vom sicherheits- und innenpolitischen Austausch. „Ausbildung ist nach wie vor ein Thema für uns – und das muss auch so sein“, bekräftigt er den Gedanken der Reservisten, entgegnet wohl aber auch bösen Zungen, die meinen, Reservisten seien regelrecht versessen darauf, Krieg zu spielen, das dem nicht so sei. „Wer wirklich aktiven Wehrdienst geleistet hat, wünscht sich keinen Krieg“, betont Peter Tolloch vor diesem Hintergrund. Doch angesichts der globalen Situation, etwa in Afghanistan oder im Kosovo, könne man sich davor nicht verschließen. Das Problem der Reservisten aber liegt auf der Hand: Durch den Wegfall der Wehrpflicht fehlt es überall an Nachwuchs. Deshalb sind die Bantelner zunächst offen für alle Interessierten, wenngleich man eigentlich gedient haben muss, um der Reservistenkameradschaft beitreten zu können. „Jeder kann zu unseren Treffen kommen“, lädt Holger Seida ein und verdeutlicht in diesem Zuge auch die Offenheit der Bantelner Reservisten, die sich als Bestandteil der Gemeinschaft sehen: „Wir beteiligen uns am örtlichen Leben.“ Hans-Heinrich Pachnicke bringt es auf den Punkt: „Wir stehen mitten in der Gesellschaft.“ Und dies wollen die Bantelner einmal mehr unter Beweis stellen: Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens laden sie die Bevölkerung sowie ihre Freunde im Rahmen der Partnerschaft mit Brécey nämlich zum zweitägigen Fest im September ein.

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