Gründung der Grünen vor 35 Jahren: Grünen-Ratsherr Werner Siemers im Gespräch mit der LDZ

Die Klischees sind Geschichte

„Uns fehlen in der Fläche die Mitglieder“: Werner Siemers von der Partei „Die Grünen“ wünscht sich mehr Mitstreiter.

GRONAU Heute vor 35 Jahren wurde eine Partei aus der Taufe gehoben, die in den kommenden Jahrzehnten die Parteienlandschaft in der Bundesrepublik mächtig durcheinander wirbeln sollte. Am 13. Januar 1980 gründeten Naturschützer, Umweltaktivisten und Pazifisten in Karlsruhe die Partei „Die Grünen“.

Atomkraftwerke, Wettrüsten, Waldsterben und Diskriminierung – diese und andere Probleme wurden in den späten 1970er Jahren von den etablierten Parteien weitgehend ignoriert. Politisch Interessierte und Engagierte aus Umweltverbänden, der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung, Dritte-Welt-Gruppen und Fraueninitiativen traten an, um diese Lücke zu füllen. Nach einem zweitägigen Sitzungsmarathon war es dann 1980 so weit: Die Grünen konstituieren sich auf ihrem Gründungsparteitag in Karlsruhe als Bundespartei.

Aber was heißt hier Partei? „Die Grünen sind die grundlegende Alternative zu den herkömmlichen Parteien“, steht in der Gründungssatzung. Das erste Programm bündelt die grünen Grundsätze im Vierklang „ökologisch, basisdemokratisch, sozial und gewaltfrei“.

„Die Partei wird noch interessant“, soll damals Werner Siemers, der heute im Rat der Samtgemeinde Gronau und der Gemeinde Despetal sowie im Vorstand des Grünen-Ortsverbands Süd sitzt, zu seinen Kommilitonen gesagt haben. Denn die Inhalte der Grünen, allen voran der Umweltschutz und die Friedensbewegung, seien Themen gewesen, die in den frühen 80er Jahren im studentischen Umfeld aktuell waren und diskutiert wurden. „Ich war als Student durchaus Sympathisant der grünen Ideen“, sagt Siemers. Mitglied bei den Grünen wurde er allerdings erst viele Jahre später im Zuge seines kommunalpolitischen Engagements ab 2011. „Als ich dann bei den Grünen eingetreten war und dies meinen alten Studienfreunden erzählte, sagten diese: ,Du warst ja immer schon ein Grüner’“, schildert Siemers lachend. Wohl auch, weil Siemers bereits seit dem Ende seines Studiums beruflich im Themenfeld der erneuerbaren Energien beheimatet ist. Denn als „ideologischen“ Grünen sieht er sich nicht. „Auch mein Lebensstil ist nicht so extrem“, sagt er. Nichtsdestotrotz: Die Klischees zur einstigen „Birkenstock-Fraktion“ kennt auch er noch. „Das Bild von Joschka Fischer in seinen Turnschuhen hat sich vielen eingeprägt.“

Nur noch Scherze

Doch 35 Jahre nach der Parteigründung gehören die Grünen längst zum Establishment der Politik. „Das Bild hat sich geändert“, sagt Siemers und ergänzt, dass es im politischen Alltag, erst recht im kommunalpolitischen, vor allem um Sachthemen gehe. Wenn, dann werden Klischees oder einstige Vorurteile allenfalls noch als Scherz oder freundschaftlicher Seitenhieb ausgegraben. „Da wird man dann beim Grillen auf dem Bauhof schon mal scherzend gefragt, ob man ein Tofuwürstchen möchte“, sagt Siemers und lacht.

Genauso wie sich das Bild und der Auftritt der Grünen im Laufe der dreieinhalb Jahrzehnte geändert hat, veränderten sich die Partei und das gesellschaftliche Umfeld. „Die Grünen sind raus aus den Extremen, sind Kompromisse eingegangen“, sagt Siemers. Zudemtaugt das Thema Umwelt schon lange nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal der einstigen „Öko“-Partei. Die Grünen seien im Prozess, sich noch mehr auf anderen politischen Feldern anzusiedeln, findet Siemers. „Ich finde es gut, dass versucht wird, wirtschaftliche Kompetenzen oder Themen wie den sozialen Wandel auf den Tisch zu bringen“, so Siemers.

Doch der Despetaler sieht seine Handlungsfelder selbstverständlich eher im kommunalpolitischen Feld und bei Fragen in der hiesigen Region. Denn so richtig angekommen in der ländlichen Region um Gronau sind die Grünen auch 35 Jahre nach ihrer Gründung noch nicht. „Uns fehlen in der Fläche die Mitglieder“, weiß Siemers. Der Ortsverband Süd, der sich von Alfeld über Lamspringe bis Gronau erstreckt, wird von einigen wenigen „versprengten“ Leuten getragen. „Wir sind daher vergleichsweise wenig schlagkräftig und sichtbar“, sagt Siemers. Entsprechend gelte es, daran zu arbeiten, die Präsenz und vor allem die Zahl der Mitstreiter zu erhöhen. „Uns fehlen generell Leute, aber insbesondere junge Mitglieder“, so Siemers. Denn: 35 Jahre nach Gründung der Partei „Die Grünen“ sind die tragenden Säulen der hiesigen Vertretung zumeist in die Jahre gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare