Grundschul-Debatte hat begonnen

Kein „Cut von heute auf morgen“

GRONAU Der demografische Wandel schlägt spürbar zu: Die Samtgemeinde Gronau leidet unter sinkenden Schülerzahlen – waren es im Jahr 1998/1999 noch 811 Grundschüler, ist die Zahl im Schuljahr 2012/2013 auf 508 Kinder gesunken. Und die Prognosen bleiben düster: Für das Schuljahr 2018/2019 prognostiziert die Verwaltung eine Schülerzahl von nur noch 329 Kindern. Was ist zu tun, wenn Kinder fehlen? Muss nach Rheden eine weitere Grundschule in der Samtgemeinde schließen?

Die Eltern zeigten im Rahmen der Sitzung des Schulausschusses Flagge: Ihre Sorgen wurden deutlich, wenn auch der gewohnte kritische Ton in solchen Angelegenheiten weitgehend ausblieb. Zwischendurch aber folgte dann doch die eine oder andere Spitze, etwa mit der Frage, ob es eine sachliche Schul-Debatte gebe oder ob die Entscheidung letztlich auf politischen Befindlichkeiten basiere. Zudem mahnte Lars Leopold aus Eime „die Zentralisierung auf die Kernstadt“ an. Verwaltungschef Rainer Mertens aber entgegnete zum Grundschul-Neubau: „Wir haben nichts Neues geschaffen“, sondern lediglich das alte Schulgebäude ersetzt, das angesichts des Starts der Kooperativen Gesamtschule in Gronau an den Landkreis verkauft wurde. Rainer Mertens versuchte im Rahmen der Sitzung, mehrfach zu verdeutlichen, weshalb dieses Thema auf den politischen Tisch muss. „Es wäre nur eine Unterrichtungsvorlage, wenn die Verwaltung hier keinen Handlungsbedarf sieht“, gab er zu bedenken. Wohl aber sei es ein Themenkreis, der es verdient habe, sich ausreichend Zeit für eine Entscheidung zu nehmen und nicht etwa „von heute auf morgen einen Cut zu machen“, betonte der Samtgemeindebürgermeister, der als „zentrales Thema“ vor diesem Hintergrund dann auch die Schulbezirke sieht.

„Bezahlbar“

Ein Zeitfenster aber konnte er den Eltern noch nicht geben, schon aber sicherte er zu: „Wir planen keine Schulschließung zum Sommer.“ Ab Sommer 2014 aber erachte er diese durchaus für möglich. Die Samtgemeinde hat „gut ausgestattete Schulen“, lobte der Verwaltungschef. Doch das Zahlenwerk spreche eben für sich, sei geradezu dramatisch, kommentierte er die sinkenden Schülerzahlen. Laut Prognose der Verwaltung wird die Samtgemeinde immerhin etwa 60 Prozent ihrer Schülerzahlen bis zum Schuljahr 2018/2019 verlieren. „Wir müssen Strukturen vorhalten, die auch bezahlbar sind“, verdeutlichte er die Notwendigkeit, hier handeln zu müssen. Doch wie sah es die Politik? Sollte schon an diesem Abend die Entscheidung fallen, welche Schule aufgegeben werden soll?

Sozialdemokrat Christoph Neuber bezeichnete die Zahlen als „bittere Erkenntnis“. Doch wer Politik ernst nehme, sollte sich seinen Ausführungen zufolge auch der Verantwortung bewusst sein, sagte er mit Blick auf die vergangenen Haushaltsberatungen. Angesichts der Zahlen war auch er überzeugt, dass ein Schulstandort aufgegeben werden muss – „alles andere wäre unverantwortlich“. Doch wen es trifft, könne sowohl er als auch seine gesamte Fraktion nicht beantworten. Deshalb schlug er im Namen der SPD-Fraktion vor, eine Kommission einzuberufen – mit Vertretern der Fraktionen, der Verwaltung, der Schule und der Eltern. Diese soll einen Kriterienkatalog entwickeln, in dem etwa die Bausubstanz der Schulgebäude, der Sanierungsbedarf, die jährlichen Betriebskosten, die Standortsituation, das pädagogische Konzept sowie ein mögliches Nachnutzungskonzept berücksichtigt werden. Objektiv sollen die Faktoren gewichtet werden, so dass die Kommission der Politik schließlich einen Entscheidungsvorschlag unterbreiten kann. Bis Ende des Jahres – so stellen es sich die Sozialdemokraten vor – könnte ein Vorschlag der Kommission vorliegen. Zudem gab er zu bedenken: „Es ist kniffelig, dass zwei Orte betroffen sind.“ Deshalb sollte der Arbeitskreis dann auch fair besetzt werden. Auch schlug er vor, dass sich sowohl die Kommission als auch der Schulausschuss ein Bild von beiden Schulen machen sollte.

Einstimmig

Mit diesem Vorstoß der SPD konnten sich alle Fraktionen anfreunden: „Es ist gut, wenn die Eltern das Gefühl erhalten, dass nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden wird“, betonte die stellvertretende Ausschussvorsitzende Sabine Hermes (CDU). Und Hartmut Leske von der WG könne es nur befürworten, wenn die Situation besser planbar sei als in Rheden, in der die Schule „wohl in drei Monaten“ geschlossen wurde. Einstimmig entschloss sich der Ausschuss, eine solche Arbeitsgruppe einzuberufen. Dieser Empfehlung folgte auch der Samtgemeindeausschuss, der noch am selben Abend tagte. Laut Verwaltungschef Rainer Mertens werden somit nun die Einladungen für den Arbeitskreis vorbereitet. Sein Ziel sei, dass der Schulausschuss bereits in seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause die Ergebnisse des Arbeitskreises erhält.

Infolgedessen entschied sich der Schulausschuss zudem dafür, die weitere Planung für die Um- und Neugestaltung der Außenanlagen der Eimer Grundschule nicht weiter zu verfolgen, angesichts von bereits erbrachten Leistungen jedoch zumindest den Grunderwerb zu tätigen.

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