Krankenhaus: Einblicke in die Probleme

Kann Politik unter die Arme greifen?

Im Gespräch (von links): Oberin Bärbel König, Pflegedirektorin Martina Theuner, CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzender Günter Schulze, CDU-Bundestagskandidatin Ute Bertram und CDU-Landtagsabgeordneter Klaus Krumfuß. Foto: Klein

GRONAU Die geballte Politik zu Gast im Gronauer Krankenhaus: Landtagsabgeordneter Klaus Krumfuß, Bundestagskandidatin Ute Bertram, beide sitzen zudem im Kreistag, und CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzender Günter Schulze erkundigen sich über die Sorgen und Nöte der Einrichtung, die laut Oberin Bärbel König „sehr gebeutelt“ ist. Doch die Johanniter wollen ihre Arbeit in der Leinestadt fortsetzen – wie aber kann Politik hier unterstützend unter die Arme greifen?

Mit „großer Sorge“ blickt Ute Bertram auf die beiden Krankenhäuser in Gronau und Alfeld: „Es ist mir ein wichtiges Anliegen, beide Häuser zu unterstützen“, betont die CDU-Bundestagskandidatin, die die jüngsten Entwicklungen aufmerksam verfolgt hat. „Es ist unglaublich, dass Mitarbeiter auf Lohn verzichten“, zeigt sich Ute Bertram von der Unterstützung der Belegschaft begeistert: „Man kann nur wünschen, dass dies dann auch von Erfolg getragen wird.“ Oberin Bärbel König pflichtet bei: „Das kann nicht hoch genug geschätzt werden“, freut sie sich, dass die Mitarbeiter zum Johanniter-Krankenhaus stehen und angesichts schwieriger Zeiten auf fast 14 Prozent Lohn verzichten. Doch Unterstützung wird auch von der Politik benötigt, wie im Gespräch deutlich wird: „Wenn es Krankenhäusern schlecht geht, wo wird dann gedreht?“, fragt die Oberin und gibt gleich die Antwort: „An der Personalschraube.“ Doch dies sei gänzlich der falsche Weg; besonders das Pflegepersonal in der Gronauer Einrichtung habe einen hohen Anspruch an sich selbst, verdeutlicht Pflegedirektorin Martina Theuner. Doch Abstriche müssten einfach gemacht werden.

Dabei müssten ganz andere Bereiche genauer unter die Lupe genommen werden: Die Oberin nennt hier den Landesbasisfallwert, der zunächst erst einmal pauschal pro Patient zugrunde gelegt wird: Dieser lag im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz bei knapp 3 200 Euro, in Niedersachsen bei rund 2 970 Euro. Damit hat Niedersachsen den zweitschlechtesten Wert. „Das sind eine Million Euro, die wir nicht haben“, vergleicht Bärbel König die beiden Werte: „Unsere Personalkosten aber sind gleich.“ Und die bilden den größten Brocken, wie die Zahlen verraten: Das Gronauer Johanniter-Krankenhaus mit seinen 117 Betten erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von etwa 16 Millionen Euro. Etwa elf Millionen Euro schluckt allein das Personal. Einfach sei es für ein kleines Krankenhaus nicht, Schwerpunkte aber, etwa mit der vor etwa zweieinhalb Jahren aufgebauten Geriatrie, seien bereits gesetzt worden. Auch was in der Endoprothetik geleistet wird, sei für eine kleine Einrichtung wie Gronau „erstaunlich“, betont Bärbel König, die allerdings auch von generellen bürokratischen Hürden spricht. „Es ist furchtbar“, dass die Gesundheit so ein Wirtschaftsfaktor geworden ist“, bedauert Ute Bertram im Rahmen des Gesprächs. Ihr Ziel sei, alles zu tun, um sowohl das Alfelder als auch das Gronauer Krankenhaus erhalten zu können. Vor diesem Hintergrund verleiht sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass beide Häuser zusammenfinden, um sich in der Fläche zu positionieren. Auch aus Sicht der Oberin würde eine Kooperation beider Einrichtungen durchaus Sinn machen. Sie bezeichnet sogar die damalige Fusion als „richtigen Schritt“, auch wenn diese aus vielerlei Gründen gescheitert ist. Auch Klaus Krumfuß sichert Unterstützung zu: „Es ist schon ein bisschen was im Umbruch“, sagt der Landtagsabgeordnete, der im Oktober das Gespräch mit der Oberin suchen will, um mögliche Ansätze finden zu können: „Wo können wir einen Rahmen geben, um das Überleben der Häuser im ländlich strukturierten Bereich zu sichern?“

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