Politik will Krippenplatz-Gebühren um zehn Prozent anheben – einige Eltern sind empört

„Ich sehe hier keine Gerechtigkeit“

Verwaltungschef Rainer Mertens: „Es haben viele Lasten zu tragen. Diesen Menschen greifen wir damit unter die Arme.“

GRONAU Die Samtgemeinde Gronau muss sparen. Dies zeigt sich an allen Ecken und Enden – und wurde somit auch im Rahmen der Sitzung des Jugendausschusses wieder einmal deutlich. Diesmal ging es um die Erhöhung der Benutzungsentgelte für Krippenplätze, die um zehn Prozent angehoben werden sollen – so lautet die Beschlussempfehlung. Einen Rüffel hierfür gab’s von einigen aufgebrachten Eltern.

Im Juni vergangenen Jahres hat der Samtgemeinderat die Benutzungsentgelte für Kindergartenplätze um 25 Prozent angehoben. Die Gebühren galten bisher sowohl für den Besuch von Kindergärten als auch von Krippen. Der Rat der Samtgemeinde Gronau gab den Arbeitsauftrag an die Verwaltung, eine differenzierte Entgeltstaffelung für die Krippenbetreuung zu erarbeiten. Die Verwaltung, die im Vorfeld die aktuelle Kindergarten-Bedarfsplanung des Landkreises Hildesheim herangezogen hat, hat nun zwei mögliche Varianten für die künftige Entgelterhöhung von Krippenplätzen vorgestellt: eine zehnprozentige Steigerung der Kosten, die dem Haushalt Mehreinnahmen von 4 800 Euro bescheren, oder eine 25-prozentige Erhöhung der Preise, die für 10 700 Euro Mehreinnahmen sorgen würde. Wie Nadine Winnefeld, stellvertretende Fachbereichsleiterin, informierte, kann jede Kommune die Gebühren individuell festlegen. Etwa 50 Prozent der Kommunen im Landkreis sehen laut Ermittlung der Verwaltung „die analoge Anwendung der Beiträge und Gebühren“ für beide Betreuungsarten vor. Die restlichen Kommunen haben eine Anhebung der Beiträge für Krippenbetreuung vorgenommen.

Sozialdemokrat Hans-Gerhard Besser räumte im Rahmen der Diskussion durchaus ein, dass es gerade, wenn es um Kinder geht, „ein bisschen schwierig ist“. Zwar würde sich bei einer 25-prozentigen Erhöhung sicher der Kämmerer freuen, doch für die Eltern sei diese Anhebung nach Meinung der SPD-Fraktion zu hoch. Somit plädierte er für eine zehnprozentige Anhebung der Gebühren für einen Krippenplatz.

„Mittelweg“

Wie Antonia Delz von der CDU informierte, sind sich die Christdemokraten in dieser Angelegenheit uneinig. So mancher befürwortete eine 25-prozentige Anhebung. „Das wäre der Hammer“, kommentierte Elternvertreter Klaus Trojok, der zudem darauf hinwies, dass viele Eltern es mit dieser Kostensteigerung sicher schwer hätten. Letztlich aber hat sich die CDU laut Antonia Delz für „einen Mittelweg“, also für eine 15-prozentige Erhöhung der Entgelte, entschieden. Hans-Gerhard Besser, der sonst ja gerne zum Kompromiss bereit sei, blieb aber bei zehn Prozent. „Das ist noch moderat“, begründete er die Entscheidung der SPD.

Doch würden diese neuen Preise dann auch für alle Krippenplätze gelten, auch für altersgemischte Gruppen? Laut vorliegendem Beschluss nicht – Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens sah Handlungsbedarf, um eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ zu vermeiden und um „ein vernünftiges Gleichgewicht“ herzustellen. Somit gilt die zehnprozentige Erhöhung der Krippenentgelte für alle Plätze gleichermaßen – einstimmig gab der Ausschuss diese Empfehlung. Offenbar aber zum Unverständnis so mancher Eltern, wie im Rahmen der Brügerfragestunde deutlich wurde. Thomas Kelm aus Deinsen, dessen eineinhalbjähriges Kind in einer altersgemischten Gruppe in Deinsen betreut wird, äußerte seinen Unmut in dieser Angelegenheit: Immerhin müssten Eltern für unterschiedliche Betreuungsformen die gleichen Gebühren zahlen. „Ich sehe hier keine Gerechtigkeit“, betonte der Familienvater, der durchaus Verständnis für eine Preiserhöhung hat – nicht aber für die Plätze in altersgemischten Gruppen, in denen die Krippenkinder ja ohnehin nur „mitlaufen“.

Sozialstaffelung

Verwaltungschef Rainer Mertens aber wollte dies so nicht stehen lassen. Immerhin sei die Samtgemeinde stolz, in allen Einrichtungen eine qualitativ hochwertige Betreuung vorhalten zu können. Und er entgegnete auch der Äußerung, die Samtgemeinde sei im Vergleich zu anderen Kommunen in dieser Angelegenheit zu teuer: Der Jahreswert eines Kindergartenplatzes mit Ganztagsbetreuung liegt bei 7 000 Euro, für einen Krippenplatz bei 11 000 Euro. Der Kostendeckungsgrad der Eltern beträgt elf Prozent, während die Samtgemeinde 40 Prozent beisteuert. Zudem wies er auf die Sozialstaffelung in der Samtgemeinde hin, die 13 Stufen vorsieht. „Es haben viele Lasten zu tragen. Diesen Menschen greifen wir damit unter die Arme“, betonte Rainer Mertens. Wer aber besser verdiene, wird höher belastet. Den neuen Höchstsatz von 432 Euro für einen Krippenplatz hätten in der Samtgemeinde Gronau aktuell lediglich fünf Familien zu tragen.

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