Krimi-Autor Wolfgang Burger lockt Interessierte in den Gewölbekeller des Bürgermeisterhauses

„Hinter der Tür liegt eine Leiche“

Rund 40 Krimi-Fans im Gewölbekeller: Rasch gelingt es Autor Wolfgang Burger, die Zuhörer in den Bann seiner an Lokalkolorit reichen Geschichte zu ziehen. Fotos: Oelkers

Gronau Die Angst vor dem Vorverkauf war unberechtigt. Zum ersten Mal hatte der Kulturkreis Gronau mit Wolfgang Burger einen Krimiautor zu Gast, und fast 40 Fans des Genres ließen sich die Lesung im Gewölbekeller des Bürgermeisterhauses nicht entgehen. Der sympathische Südbadener, der am Vorabend bei Rostock vor nur vier Interessierten gelesen hatte, freute sich sichtlich über das große Interesse an Werk und Person.

Bevor er aus seinem 2014 erschienenen elften Heidelberg-Krimi „Tödliche Geliebte“ zu lesen begann, gab es für das Publikum noch einige für sein literarisches Schaffen nicht unwesentliche biographische Informationen. „Wenn man Bücher schreibt, sollte man über etwas schreiben, mit dem man sich auskennt“, lautet eine Überzeugung des Autors, der nach dem Studium der Elektrotechnik und Promotion 35 Jahre lang in leitender Stellung an der Universität Karlsruhe und dem aus dem Zusammenschluss mit dem (Kern-)Forschungszentrum Karlsruhe hervorgegangenen Karlsruher Institut für Technologie (KIT) tätig gewesen ist. Im vergangenen Jahr hat der Ingenieur, der vom Schreiben mittlerweile leben kann und dessen Krimis verfilmt werden sollen, die Wissenschaft an den Nagel gehängt. Die geheimniskrämerische Aura der Anlage, wo an „Isotopen jenseits des Urans“ geforscht werde, hat den Krimiautor allerdings so sehr gereizt, dass er seinem alten Arbeitgeber „quasi posthum“ noch einmal die Ehre erwiesen hat. Lebenserfahrung des Autors ist auch in das Personal seiner Krimireihe eingeflossen. Wie der Autor ist sein Ermittler Alexander Gerlach in leitender Funktion tätig. Er ist Chef der Heidelberger Kripo und zugleich Vater. Während Burger drei Töchter hat, gesteht er seinem Kommissar ein Zwillingspärchen zu.

Rasch gelang es dem Autor, der mit angenehm süddeutscher Sprachmelodie und recht zügig las, die Zuhörer in den Bann seiner an Lokalkolorit reichen Geschichte zu ziehen. Die Buchstellen hatte er überzeugend ausgewählt. „Als gewiefter Krimileser wissen Sie schon: Hinter der Tür liegt eine Leiche“, überbrückte Burger Handlungssprünge frei zusammenfassend. Diese Leiche hat am KIT promoviert, war „wissenschaftlich erste Sahne, aber kein Teamplayer“. Und der Tote ist nicht das einzige Problem, mit dem Kommissar Gerlach zu kämpfen hatte. Während die geschickt konstruierte Krimihandlung für Spannung sorgte, sorgten die privaten Probleme des sympathischen Ermittlers mit dem „winterträgen Körper“ für Heiterkeit. Als wäre es mit pubertierenden Töchtern nicht schon schwer genug, gab es „Oma-Alarm“ im Haushalt von Vater und Töchtern. Nach der Trennung vom Ehemann ließ Burger im elften Band seiner Krimireihe die Mutter des Kommissars beim Sohnemann einziehen. Die Verwicklungen, die sich aus dem Zusammenleben von drei Generationen ergaben, waren gut für manch skurrile Szene und brachten das Publikum immer wieder zum Schmunzeln. So hielten sich an diesem gelungenen Abend die spannenden und humorvollen Momente gekonnt die Waage – und wohldosierte Kritik am Wissenschaftsbetrieb gab es auch.

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