Wird Schaukasten-Plakatierung Thema für die Politik? Meinungen der Fraktionsvorsitzenden völlig unterschiedlich

„Hingucker“ oder „Fußtritt“?

Katja Hayek-Fischer (BfG): „Es ist strategisch gelungen platziert.“

GRONAU „Leben in Gronau ohne Fachmarktzentrum-West“ – weiße Buchstaben auf der typisch prägnanten Farbe der Gronauer Initiative. Schon von weitem ist das Signal der Bürgerinitiative „Zukunft-Gronau“ zu erkennen, das wie eine Mahnung auf der Rückseite des Schaukastens am Marktplatz prangt. Schon einen Tag nach der Plakatierung war aus dem Rathaus zu hören, dass es Beschwerden von Kommunalpolitikern gab. Die LDZ hat bei den Fraktionsvorsitzenden der Stadt Gronau nachgefragt: Werden sie ein politisches Thema aus der Schaukasten-Aktion machen?

Der Verein für Handel und Gewerbe (VHG) hält sich in dieser Diskussion zurück, wohl aber habe er der Initiative grünes Licht für die Plakatierung gegeben. „Es ist noch niemand auf uns zugekommen“, sagt VHG-Vorsitzender Dieter Meyer auf Nachfrage der LDZ. Dem Gewerbeverein sei dieser Schaukasten vor Jahren von der Stadt zur Verfügung gestellt worden. „Und wir haben ihn in Schuss gehalten“, berichtet der Vorsitzende, dass der Schaukasten erst kürzlich gereinigt worden ist. Und: Dessen Rückseite sehe nun besser als zuvor aus – „unabhängig davon, was darauf steht“, kommentiert Abbo Poppinga: „Es ist ein Hingucker.“ Uwe Felgendreher pflichtet bei. Denjenigen, die sensibel auf die Farbe reagieren, möchte er eines jedoch mit auf den Weg geben: „Ich reagiere auch sensibel auf das Thema Fachmarktzentrum.“

„Verfahrensfrage“

„Es ist strategisch gelungen platziert“, kommentiert Katja Hayek-Fischer, Fraktionsvorsitzende des Bündnisses für Gronau (BfG) die auffällige Plakatierung der Bürgerinitiative: Für sie sei es keineswegs ein politisches Thema, wenn überhaupt müsse sich die Verfahrensfrage gestellt werden. Wenn dem Gewerbeverein der Schaukasten mit allen Rechten und Pflichten überlassen worden sei, wäre für Katja Hayek-Fischer „das Thema vom Tisch“. Wenn aber die Verfügungsgewalt des Schaukastens bei der Stadt Gronau liege, hätte es ihrer Meinung nach zumindest eine Anfrage geben müssen. „Politisch aber steht es uns nicht zu, ein Thema daraus zu machen“, betont die BfG-Fraktionsvorsitzende: Immerhin habe in Sachen Plakatierung zum Thema Strohkraftwerk auch niemand etwas unternommen. Wenn die Angelegenheit tatsächlich von der Politik aufgenommen werden sollte, könne die Frage nur lauten: „Plakat ja oder nein?“ Das Bündnis aber sehe hier „keinen Handlungsbedarf“.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzender Hans-Gerhard Besser will kein großes Thema daraus machen: „Es ist die Meinung einiger weniger“, kommentiert er den Inhalt des Plakates. Wohl aber empfindet er die Aktion der Bürgerinitiative „ein bisschen übertrieben“. Zwar störe ihn die Optik, denn die Plakatierung „passt da einfach nicht hin“, doch „politische Schritte“ will er nicht einleiten. Dennoch ist Hans-Gerhard Besser überzeugt, dass das Thema im Rahmen einer nächsten politischen Sitzung durchaus auf den Tisch kommt, zumindest unter „Anfragen und Anregungen“.

„Gebimmel und Gebell“

Die CDU hält sich zurück, will die Plakatierung des Schaukastens vorerst nicht kommentieren: „Wir müssen uns erst mit den Einzelheiten beschäftigen“, weist CDU-Fraktionsvorsitzender Günter Schulze auf interfraktionelle Gespräche hin.

Hans-Peter Klose von der Wählergemeinschaft sieht die Plakatierung allerdings kritisch: „Ich bin ein Verfechter dafür, sich sachlich mit Themen auseinanderzusetzen.“ Ihm gehe diese Art der Einflussnahme eindeutig zu weit: Die Bürgerinitiative habe die sachliche Auseinandersetzung mittlerweile „mit Füßen getreten“. Immerhin sei ja gerade der Marktplatz Gronaus „gute Stube“, in der nun „eine Zerrissenheit“ in dieser Angelegenheit gespiegelt wird, die es eigentlich gar nicht gebe, weist er etwa auf die damals in Auftrag gegebene Befragung der Bevölkerung zum im Westen der Leinestadt geplanten Fachmarktzentrum hin. „Die Befürworter verhalten sich ganz ruhig, aber die Gegner machen ein Gebimmel und Gebell“, ärgert sich der WG-Ratsherr. „Wenn ich mir einen Mietwagen nehme, muss ich damit auch sorgsam umgehen – und kann diesen ja auch nicht einfach mit Aufklebern versehen“, zieht er einen Vergleich zum Schaukasten, der nach wie vor Eigentum der Stadt ist. Doch besonders enttäuscht hat ihn die Reaktion des Gewerbevereins, mit dessen Spitze er bereits Kontakt aufgenommen hat: „Dort habe ich kein Verständnis gefunden.“ Somit ist er überzeugt, dass dieses Thema auf den politischen Tisch gehört: „Das muss schon behandelt werden.“

Karsten Mentzendorff, Sprecher der Initiative „Zukunft-Gronau“, hätte nicht damit gerechnet, dass die Plakatierung so schnell solche Reaktionen auslöst. „Es zeigt mir aber, dass die Menschen dieses Thema noch beschäftigt“, hält er die Aktion nach wie vor für sinnvoll: „Rückblickend gesehen, war es ein gut gewählter Zeitpunkt.“ Die Plakatierung habe Wirkung gezeigt – und: „Mehr kann man von einer solchen Aktion kaum erwarten.“ Kritische Stimmen aber könne er nicht verstehen, es sei ja „bestenfalls eine Meinungsäußerung“. Und es gehe lediglich um einen Schaukasten, dessen Rückwand ohnehin „ziemlich unansehnlich“ gewesen ist.

Wie geht"s weiter?

Wie aber geht es nun weiter? „Ohne einen Auftrag aus der Politik sehe ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Anlass, aktiv zu werden“, nimmt Verwaltungschef Rainer Mertens Stellung. Er geht aber davon aus, dass das Thema in einer der nächsten Sitzungen des Verwaltungsausschusses angesprochen wird.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare