Mahnende Worte vom Kinderschutzbund

„Hier muss etwas getan werden“

KSB-Vorsitzende Elvira Reck (rechts) unterstützt Familie Langhammer aus Gronau, hier Mutter Jaqueline Langhammer mit ihren Töchtern Clara und Annabell und Nichte Lara.

GRONAU Bei hochsommerlichen Temperaturen lockt es Jung und Alt ins Freibad: Kinder und Jugendliche treffen sich in der Einrichtung, Familien verbringen dort ihren Tag und so mancher zieht in aller Ruhe seine Bahnen. Doch es gibt offenbar auch Familien in der Samtgemeinde Gronau, die dieses Angebot nicht nutzen können. Diese Situation mahnt Gronaus Kinderschutzbund (KSB) um seine Vorsitzende Elvira Reck an.

Familie Langhammer aus Gronau hat sich an den örtlichen Kinderschutzbund gewandt. Ihr Problem: Die neunjährige Clara und die siebenjährige Annabell Langhammer wollen Schwimmkurse belegen. Doch die geforderten 75 Euro pro Kind für den von den Schwimmmeistern angebotenen Kursus kann die Familie nicht aufbringen. „Der Eintritt ins Freibad ist in diesem Preis noch nicht inbegriffen“, informiert Elvira Reck: Ingesamt müsste die Familie demnach 235 Euro zahlen, für Schwimmkurse sowie eine Familienjahreskarte ins Freibad. „Wir haben nicht genug Geld hierfür“, bedauert Jaqueline Langhammer: „Eine Beschäftigung für die Kinder muss also ausfallen.“ Doch beim Kinderschutzbund findet die Familie Unterstützung: „Das ist eine Art von Diskriminierung“, ärgert sich Elvira Reck, die sofort versucht hat, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Kindern den Schwimmkursus zu ermöglichen.

Und ihren Aussagen zufolge ist das Schicksal der Familie Langhammer kein Einzelfall: Grob geschätzt gebe es rund 20 Familien, die sich das Angebot aus finanziellen Gründen nicht leisten könnten. „Ich habe mit den Schwimmmeistern gesprochen, welche Möglichkeiten es hier gibt“, informiert die KSB-Vorsitzende über ihr Vorgehen in dieser Angelegenheit: „Aber es gibt keine“, bedauert sie. Auf Nachfrage der LDZ äußert sich Schwimmmeister Meik Riemann: Er sieht den Preis keineswegs als zu hoch an. „Wo fängt das an, wo hört es auf?“, fragt sich der Schwimmmeister, der diese Kurse in Eigenregie, sprich: in seiner Freizeit, anbietet. Anders als in anderen Einrichtungen laufe das Angebot so lange bis das Kind sein Freischwimmer-Abzeichen bestanden hat. „Wir machen dies im Sinne der Kinder“, betont Meik Riemann, beschreibt zugleich aber auch verheerende Zustände in einigen Familien – nach dem Motto: Für Alkohol ist Geld da, für den Schwimmkursus aber nicht.

Auch die Samtgemeinde Gronau sieht hier keinen Handlungsspielraum, an den Eintrittspreisen zu drehen: „Wenn man sich die Preisstruktur anschaut, haben wir eine Staffelung“, verweist Verwaltungschef Rainer Mertens auf die Eintrittsgelder, mit deren Gestaltung man bereits etwa Familien, Kindern und Alleinerziehenden Rechnung getragen habe. Zudem sei die Samtgemeinde als kommunaler Träger des Freibades „nicht der richtige Ansprechpartner“, wie Rainer Mertens mitteilt und an den Landkreis verweist. Dort habe die Verwaltung Erkundigungen eingeholt, die auf Nachfrage der LDZ bestätigt wurden: Es gibt Möglichkeiten über das Bildungs- und Teilhabe-Paket.

Elvira Reck aber sieht dies kritisch: „Die Praxis sieht einfach anders aus.“ Ihr sei kein Fall bekannt, dass Eltern hier Leistungen in Anspruch genommen haben. Zu groß seien die Hemmschwellen der Betroffenen. „Wir wollen hier niemanden verurteilen, sondern nur auf diese Situation hinweisen“, betont Elvira Reck: „Hier muss etwas getan werden.“ Denn die Vorsitzende ist überzeugt: „Hier werden Kinder benachteiligt.“ Niemand solle ausgeschlossen werden, hofft sie auf Unterstützung. Inzwischen nämlich ermöglicht der KSB nicht nur der Familie Langhammer Schwimmkurse und Familienjahreskarte, sondern unterstützt auch fünf weitere Kinder. „Wir bemühen uns ehrenamtlich, Wege für die Kinder zu finden – ohne große Bürokratie“, betont Elvira Reck. Doch irgendwann geht auch dem Gronauer Kinderschutzbund das Geld aus – ans Aufgeben aber denkt die Vorsitzende nicht: „Wir schauen uns anderweitig nach Mitteln um.“

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