Zweimal im Jahr werden Fledermäuse gezählt / Witterung hat für schlechte Bedingungen gesorgt

Großes Mausohr ist Besonderheit

Fledermausbetreuer Karsten Passior hat seinen Fledermaus-Detektor eingeschaltet und verschafft sich einen Überblick über die Tiere in der Kirche. Es handelt sich hier aber nur um einen Teil der Wochenstuben-Kolonie des Großen Mausohrs. Zu wenig Quartiere der Tiere sind bekannt, um genaue Auskünfte über Bestände geben zu können. 

GRONAU Die Gronauer St. Matthäi-Kirche ist längst nicht nur eine Anlaufstelle für die Gemeindeglieder – in ihren Gemäuern haust auch eine Fledermausart, das Große Mausohr. Zweimal im Jahr werden sie von Fledermausbetreuer Karsten Passior gezählt. Die LDZ durfte ihn sowie Manfred Weinhold vom Ornithologischen Verein zu Hildesheim begleiten.

Völlig unscheinbar, hinter einer Tür gelegen, geht es ins europäische Naturschutzgebiet mitten in der St. Matthäi-Kirche. Dort lebt, wie Karsten Passior berichtet, eine Wochenstuben-Kolonie des Großen Mausohrs, die größte deutsche Fledermausart. Seit 1936 steht sie europaweit unter Schutz. Beim Betreten des Raums wird anhand der Menge an Fledermauskot deutlich, dass hier unzählige Tiere leben. „Wir erwarten 250 Exemplare“, sagt Karsten Passior, der jedes Frühjahr vor der Geburt der Jungtiere und schließlich danach die Fledermäuse zählt. Doch in diesem Jahr haben die Tiere schlechte Bedingungen, weist der Fledermausbetreuer auf den langen Winter und das verregnete Frühjahr hin. Die Tiere ernähren sich vom schwarzen Laufkäfer, die durch die Witterung rar geworden sind. Und trotzdem sind es diesmal mehr Große Mausohren als bei der zweiten Zählung im vergangenen Jahr: Waren es 2012 unter 50 Tiere, sind es diesmal vorläufigen Schätzungen zufolge knapp 100 Fledermäuse, überwiegend Mütter mit ihren Jungtieren. Ihre Kommunikation untereinander ist ständig zu hören. Als Karsten Passior dann noch den Fledermaus-Detektor einschaltet, wird der volle Geräuschpegel der Tiere deutlich. „Das sind die lautesten Tiere im Tierreich“, kommentiert Karsten Passior: Sie können über 140 Dezibel Schalldruck erzeugen – mehr als ein startendes Düsenflugzeug.

Ob es aber weniger Fledermäuse werden oder ob die Zahl konstant bleibt, darüber kann der Fledermausbetreuer keine Auskünfte geben. Wie Manfred Weinhold aus Gronau mitteilt, hat er zu Beginn seiner Tätigkeit im Jahr 1984, 1985 in der Gronauer Kirche 55 Fledermäuse gezählt. Vor drei Jahren waren es weit über 200 Große Mausohren. „Der Wirkungsbereich der Fledermäuse liegt bei 25 Kilometern und mehr“, erklärt Karsten Passior, dass es sich bei dieser Zählung lediglich um einen Teil der Kolonie handelt. Zudem seien den Experten zu wenige Verstecke bekannt: „Wir kennen nur einen kleinen Teil.“ Ein weiteres Quartier in der Samtgemeinde ist das Schloss Brüggen, in dem allerdings diesmal viele tote Tiere gefunden wurden. „Das ist bedauerlich“, meint der Fledermausbetreuer, der einige Exemplare einsammelt, um sie untersuchen zu lassen. In der Gronauer Kirche finden Manfred Weinhold und Karsten Passior lediglich ein verendetes Tier – glücklicherweise, sind beide erleichtert.

„Die Großen Mausohren sind schon etwas Besonderes“, betont der Fledermausbetreuer, während er sich einen Überblick über die Tiere verschafft. Seine gesammelten Zahlen gibt er an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz weiter, der die Daten dem Bundesamt für Naturschutz übermittelt. Letztlich landen die Zahlen dann bei der Europäischen Union in Brüssel.

Vor 30 Jahren ist Karsten Passior „infiziert“ worden: Zwei tote Fledermäuse entdeckte er im eigenen Garten. „Die haben mich sofort fasziniert“, erinnert er sich: „Es waren eine Bechsteinfledermaus und ein braunes Langohr.“ Heute ist Karsten Passior Fledermausbetreuer im Landkreis Hildesheim, Schaumburg sowie in der Region Hannover – vom Steinhuder Meer bis kurz vor den Harz. Jeder, der eine Fledermaus-Entdeckung macht, kann sich an ihn wenden. Telefonisch ist der ehrenamtliche Fledermausbetreuer unter 05069/8060999 zu erreichen. In der Leinestadt hat er im vergangenen Jahr die Mückenfledermaus entdeckt. Sie lebt in einem Haus am Kampweg. Die Hauseigentümerin kümmere sich rührend um ihre tierischen Bewohner. Gezählt hat er dort vor wenigen Tagen um die 70 Fledermäuse. „Wir kennen nur dieses eine Quartier in der Gegend“, nennt er eine weitere Besonderheit in der Samtgemeinde Gronau. Und seit kurzem hat sich nahe der Fledermäuse auch ein Hornissen-Nest angesiedelt. Doch das Zusammenleben gestalte sich „konfliktfrei“.

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