Gronaus Feuerwehr bietet Bevölkerung Schau-Übung – doch diese Show hat auch ihre Schwächen

Großer Knall ist schnell verpufft

Der Arbeiter-Samariter-Bund versorgt die „Verletzten“: Dank der Realistischen Unfalldarstellung aus Osterode sehen sie aus wie echte Brandopfer.

GRONAU Ein lauter Knall, kurz auflodernde Flammen und dichter Nebel – effektreich begann die so genannte Schau-Übung der Feuerwehr Gronau auf dem Gelände des Überlandwerks. „Wir wollen der Bevölkerung unterschiedliche Arbeitsweisen der Feuerwehr und der Rettungskräfte darstellen“, beschreibt Pressesprecher Heinrich Heuer die Intention dieser groß angelegten Übung mit rund 80 Einsatzkräften. Was allerdings für die Bevölkerung so vielversprechend begonnen hatte, wurde durch so manches Manko überschattet.

Eine Explosion auf dem Gelände des Überlandwerks; das Lager des Unternehmens steht in Flammen. Der Brand breitet sich schnell aus, greift auf die angrenzende Werkstatt und die Zählerabteilung über. Acht Personen werden vermisst. Unter schwerem Atemschutz bahnen sich die Einsatzkräfte ihren Weg ins Halleninnere. Dann eine weitere Gasexplosion! Rauch dringt nun auch aus dem ÜWL-Verwaltungsgebäude. Auch dort befinden sich noch Verletzte. Das Problem jedoch: Das Treppenhaus ist nicht mehr zu benutzen. Die Personen müssen von der Höhenrettungsgruppe der Hildesheimer Berufsfeuerwehr über eine aufgebaute Seilbahn gerettet werden.

Es liegt auf der Hand: Eine Übung, zu der die Bevölkerung ausdrücklich eingeladen wird, soll mehr Show bieten als realistisch sein. Im Ernstfall würden ja keineswegs nur zwei Züge der Samtgemeinde, sondern sicher alle verfügbaren Einsatzkräfte, wenn nicht sogar die weiteren Wehren aus der Umgebung alarmiert. Beteiligt sind an diesem von Markus Hüffner und Cristian Kerner erdachten Szenario jedoch nur der vierte Zug mit der Feuerwehr Gronau sowie der dritte Zug mit den Wehren Brüggen, Heinum, Rheden und Wallenstedt sowie die Elzer Wehr. Unrealistisch auch die Alarmierung der Höhenrettungsgruppe, die laut Szenario über eine zum Dach des Verwaltungsgebäudes aufgebaute Seilbahn die Verletzten retten soll. Im Ernstfall wiederum würde hier sicher die schnellere Variante gewählt, nämlich den Einsatz der Drehleiter. Auch die Rettung der vermissten Personen zieht sich in die Länge. Heinrich Heuer aber betont, es sei „keine Hektikübung“. Um Zeit solle es an diesem Abend nicht gehen, vielmehr darum, dem Publikum eine Show zu bieten. Und hierfür hat sich die Gronauer Feuerwehr große Mühe gegeben. Sie bezieht das THW Elze ein, das für die Knalleffekte sorgt, die Realistische Unfalldarstellung Osterode, um die Wunden der vermeintlich Verletzten echt aussehen zu lassen, die Schnell-Einsatzgruppe des Arbeiter-Samariter-Bundes, die vor den Augen der Zuschauer die Personen versorgt... Eindrucksvoll haben sich auch die „Verletzten“ in ihre Rolle versetzt, zetteln immerhin zwei offensichtlich desorientierte Personen fast eine Rangelei an.

Doch diese Show der Einsatzkräfte hat auch große Schwächen: An Interesse mangelt es keineswegs, Publikum hat sich schon weit vor Übungsbeginn eingefunden. Um so ärgerlicher, dass bei einer Schau-Übung das interessierte Publikum ein Fahrzeug buchstäblich vor die Nase gestellt bekommt. Zum Ende der rund eineinhalbstündigen Übung ist die Bevölkerung somit weitgehend verschwunden. Hatte es ihr zu lange gedauert, war zu wenig passiert? Oder fehlte vielleicht nur ein Moderator, der die eine oder andere Situation erklärt und so etwa die endlos erscheinende Aufbau-Aktion der Seilbahn verkürzt hätte? Oder lag es schlichtweg daran, dass dem Publikum einfach die Sicht auf das Geschehen fehlte?

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