Schuhmacher über die Schulter geschaut

Geschick, Geduld und Sorgsamkeit

Vieles wird in der Werkstatt von Schuhmacher Klaus Kasten noch per Hand erledigt: So wird das Messer gezückt, um die neue Sohle ans Schuhwerk anzupassen.

GRONAU Schuhe stehen auf dem Fußboden, füllen ebenso das Wandregal: Damen-Stiefeletten mit abgenutztem Absatz, modische Turnschuhe mit beschädigten Nähten und Herrenschuhe mit abgewetzter Sohle... Werkzeuge liegen auf dem Tisch, fein säuberlich in Reihe und Glied. Der Kleber ist stets in greifbarer Nähe. Es duftet förmlich nach altem Handwerk, nach Klebstoff und Sohlen, nach Leder und Kunststoff... Schuhmacher Klaus Kasten gewährt der LDZ Einblicke in sein Handwerk, das er im Jahr 1964 erlernt hat.

„Man muss schon handwerkliches Geschick mitbringen“, erläutert Klaus Kasten die Voraussetzungen für den Beruf des Schuhmachers. Und eine große Portion Geduld gehört ebenso dazu. Dies wird spätestens deutlich, als der Schuhmacher die Nähte eines modischen Turnschuhs klebt. Die Arbeiten sind filigran, erfordern einen genauen Blick und sorgsames Vorgehen.

Die Routine ist Klaus Kasten deutlich anzusehen: Die Sohle des Herrenschuhs wird mit Hilfe einer Maschine gerade geschliffen, die neue Sohle mit der Schuhpresse „festgeklopft“. Was früher Handarbeit war, erledigt heute die Technik. Doch für alle weiteren Schritte greift er auf das gute alte Werkzeug zurück. Schon ist das Messer gezückt, um die Kanten der Sohle in Form zu schneiden. Dann geht es wieder zur Schleif- und Ausputzmaschine. Und zu guter Letzt erfolgt der Feinschliff, berichtet Klaus Kasten, der zwischendurch immer wieder seine Arbeit unterbricht, repariertes Schuhwerk seinen Kunden aushändigt und neue Aufträge entgegennimmt. Seine Kundschaft aber stammt keineswegs nur aus der Leinestadt, sondern unter anderem aus Nordstemmen, Hemmendorf und Alfeld.

„Das wird eine Herausforderung“, zeigt er einen Wanderstiefel, der angesichts eines defekten Harkens nicht mehr vernünftig geschnürt werden kann. Hier muss sich der Schuhmacher etwas einfallen lassen, damit der Kunde seine „Lieblingstreter“ wieder tragen kann. Dann kommen noch Damen-Stiefeletten herein: Der hohe schmale Absatz ist Angaben der Kundin zufolge vom Tanzen völlig in Mitleidenschaft gezogen worden. Auch diese Fußbekleidung bringt Klaus Kasten wieder auf Vordermann. „Jeder Schuh ist individuell“, beschreibt der 64-jährige Gronauer das Besondere an seinem Handwerk. Die Materialien seien ganz unterschiedlich, und würden es ihm so manches Mal nicht leicht machen. Doch: „Alles, was machbar ist, machen wir auch“, betont Klaus Kasten – eben so wie früher, zu Zeiten, in denen nicht gleich alles im Müll landete. Die Arbeit des Schuhmachers hat sich vielleicht auch gerade deshalb verändert: Modische Sommerschuhe würden oft nur eine Saison getragen, finden kaum noch den Weg in die Werkstatt von Klaus Kasten, der im April 1964 seine Lehre begonnen hat.

Im Jahr 1931 eröffnete sein Großvater das Geschäft an der Burgstraße, später zog der Betrieb an die Ecke der Hauptstraße und seit 1957 dann an seinen heutigen Platz in der Hauptstraße 30. Im Jahr 1984 übernahm Klaus Kasten das Geschäft schließlich von seinem Vater.

Der Wandel ist deutlich zu spüren: Im Vergleich zu den 90er Jahren habe sich der Umsatz etwa halbiert, verdeutlicht der Gronauer. „Zu dieser Zeit hatten wir fast nur Absatz-Schuhe“, beschreibt er. Heute jedoch ist die Schuhsohle meist durchgehend, ohne Absatz. „Ein bisschen auf den Preis sollte man beim Schuhkauf generell schon achten“, rät der Schuhmacher. Oftmals seien die „Billig-Treter“ nämlich angesichts ihrer Qualität schwer zu reparieren.

Die Hauptsaison für den Schuhmacher ist meist zu Beginn des Herbstes und des Frühjahrs, eben dann, wenn der Schuhschrank ausgemistet wird.

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