Geschäftsführer Bernd Timmermann nennt Auswirkungen der „Russlandkrise“ auf „Funke“

„Geschäfte neu aufbauen“

Bernd Timmermann ist für „Funke“ viel im Ausland unterwegs. Seine Reisen führen den Geschäftsführer auch nach Russland. Foto: Hüsing

GRONAU „Ich habe gelernt, jeden Menschen als Menschen zu akzeptieren“, stellt Bernd Timmermann zunächst heraus. Der Geschäftsführer der „Funke Wärmeaustauscher Apparatebau GmbH“ ist für den Bereich Export und Vertrieb zuständig. Hierzu gehört auch die Korrespondenz mit den Tochtergesellschaften des Gronauer Unternehmens. Die LDZ hat sich bei ihm erkundigt, inwieweit der Konzern die „Russlandkrise“ zu spüren bekommt.

„Wir sind von Funke international aufgestellt“, nennt Bernd Timmermann Tochtergesellschaften in den USA, Südamerika und Asien. Die größte Tochter sitzt in China mit einem selbständigen lokalen Management. Doch auch in Russland hat „Funke“ einen Sitz in Moskau. „Wir sind seit zwölf Jahren in Russland. Die Gesellschaft gehört zu 51 Prozent Funke Deutschland, 49 Prozent hält ein lokaler Partner“, erklärt Timmermann den Grundaufbau des Unternehmens. Als schwierig in der derzeitigen politisch unsicheren Lage erweise sich, dass es sich bei dem Geschäftsführer in Moskau um einen gebürtigen Ukrainer mit russischem Pass handelt. Gleichzeitig ist er Beteilgungsunternehmer beim Werk in der Ukraine. „Er darf in der derzeitigen Lage nicht in die Ukraine einreisen“, weiß Timmermann.

„Funke Ukraine“ verliert zudem an Vertriebsgebiet: „Die Krim ist von Russland annektiert und für Funke erst einmal verloren, ebenso unsere Gebiete in der Ostukraine, die Funke Russland im Moment nicht beliefern darf“, so der Gronauer Geschäftsführer: „Jetzt ist zu überlegen, ob die Aktivitäten in diese Richtung eingestellt oder neu geordnet werden.“

So wird „Funke“ die Geschäfte auf der Krim neu aufbauen, darf aber nicht an die Ukraine liefern. Timmermann hat sich erst vor wenigen Wochen mit „Funke Ukraine“ in Frankfurt getroffen, um die Gesellschafter an einen Tisch zu holen. „Die Ukrainer können nach Moskau reisen, andersherum geht es nicht“, sagt Timmermann. Die GmbH sei nach russischem Recht gegründet, hätte aber ukrainische Mitgesellschafter und einen russischen Geschäftsführer: Das macht die Situation nicht leichter.

„Funke Deutschland“ bemerke von der „Russlandkrise“ insofern, dass „Funke Ukraine“ ein Kunde der Gronauer ist: „Die Gesellschaft kauft hier ein, genau wie Kasachstan. Die Pressen für die Plattenwärmetauscher stehen ausschließlich in Gronau“, erklärt Timmermann. Deshalb sei es wichtig, die aktuellen Sanktionen gegen Russland immer im Blick zu behalten. So können Plattenwärmetauscher als ganze Geräte ohne Probleme exportiert werden. Die einzelnen Platten dürfen allerdings nur eine bestimmte Größe haben. „Sie unterliegen einem Embargo, da sie sowohl zu militärischen als auch industriellen Zwecken eingesetzt werden könnten.“ „Funke“ hat eine Sondergenehmigung zur Ausfuhr, muss aber die Vorgaben, wie konkrete Größen, beachten. „Sollte hierbei etwas schief gehen, weil mein Personal nicht sorgfältig gearbeitet hätte, könnte ich persönlich haftbar gemacht werden“, muss sich Timmermann auf sein Team 100-prozentig verlassen können. Regelmäßig werden daher Schulungen für die Mitarbeiter angeboten, um die neuesten, rechtlichen Entwicklungen zu besprechen.

„Wir haben im Vergleich zu 2013 im ersten Halbjahr 2014 rund 1,6 Millionen Euro durch die Tochtergesellschaften im Osten verloren“, sagt Timmermann. Die finanziellen Auswirkungen hätte das Unternehmen aber weitgehend kompensiert: „Wir sind breit genug aufgestellt.“ Wirtschaftlich sei es auch eine Chance für Unternehmen, wenn als Aufbauhilfe relativ viel Geld, beispielsweise aus den USA und der EU, in die Urkaine fließe. „Wir können am Markt partizipieren und so weitere Arbeitsplätze hier in Gronau ansiedeln“, hofft der Geschäftsführer. „Unser Unternehmen ist nicht politisch. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass Isolation – beispielsweise die Ausladung Putins zum G20-Gipfel in Australien – keinem hilft.“

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