Johanniter suchen Partner für Krankenhaus

„Es geht nicht um die Existenz“

Die Zukunft des Johanniter-Krankenhauses ist ungewiss: Derzeit sammeln die Johanniter Angebote von möglichen Partnern. Zumindest für die Ameos-Gruppe, die offenbar als Favorit gehandelt wird, ist im Rahmen einer Zusammenarbeit „alles denkbar“.

GRONAU Eine Stadt sorgt sich um ihr Krankenhaus: Vor rund einem Monat ist die Leitung des Gronauer Johanniter-Krankenhauses an die Öffentlichkeit getreten – ihr Ziel ist, einen starken Partner für das Haus in der Leinestadt zu finden. Eine Entscheidung gibt"s vorerst nicht, noch werden Angebote gesammelt.

„Derzeit treffen Angebote bei uns ein“, teilt Regina Villavicencio, Pressesprecherin der Johanniter GmbH, mit – Angebote von möglichen Partnern, die dem Johanniter-Krankenhaus, das seit einigen Jahren bereits rote Zahlen schreibt, unter die Arme greifen soll.

„Dinge im Fluss“

Es ist längst kein Geheimnis mehr: Die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage hat bereits zu Personalabbau und Maßnahmen innerhalb des medizinischen Leistungsprofils geführt. Dies habe zwar geholfen, aber nicht ausgereicht – so hieß es bereits vor einem Monat, als die neuen Pläne öffentlich wurden. „Wir brauchen einen starken Partner, der ins Krankenhaus investiert und neue Ideen einbringt“, betont die Pressesprecherin. Keineswegs aber gehe es um die Existenz der Gronauer Einrichtung, betont Regina Villavicencio. Und „die Dinge sind im Fluss“; Angebote würden zunächst erst einmal gesammelt und sollen Ende Mai, Anfang Juni schließlich ausgewertet werden.

Ameos als Favorit?

Favorit soll die Schweizer Unternehmens-Gruppe Ameos mit Hauptsitz in Zürich sein – so munkelt man zumindest. Weder dazu noch zur Anzahl an Angeboten von möglichen Partnern wollte die Pressesprecherin Stellung nehmen. Dass die Ameos-Gruppe in der Branche gleich als Favorit gehandelt werde, überrascht Michael Dieckmann, Mitglied des Vorstandes der Ameos-Gruppe, keineswegs. Immerhin sei das Unternehmen in Niedersachsen, ja in der Region mit vielen Standorten „sehr präsent“. Grundsätzlich habe die Ameos-Gruppe ein Interesse daran, mit dem Gronauer Krankenhaus, das keine 20 Kilometer vom Standort in Alfeld entfernt ist, zusammenzuarbeiten. „Wir schauen sehr genau, was in Gronau passiert“, betont Michael Dieckmann, der allerdings auch auf die damalige Zusammenarbeit beider Krankenhäuser hinweist, die letztlich gescheitert ist. „Aus heutiger Sicht ist das unglücklich gelaufen“, bedauert das Vorstandsmitglied, das offenbar weiter Chancen sieht: „Aus unserer Sicht ist eine Zusammenarbeit gut, um sich zu ergänzen, um gemeinsam und behutsam Leistungsportfolios zu entwickeln.“ Generell sei eine Vernetzung von regionalen Krankenhäusern wichtig. Immerhin hätten alle Einrichtungen in der Region Probleme, die gelöst werden müssten. Ein wesentlicher Punkt im Rahmen der Veränderungen der Krankenhaus-Landschaft sei für ihn: „Die Häuser brauchen mehr Flexibilität.“

Doch wie könnte eine Zusammenarbeit mit dem Johanniter-Krankenhaus aussehen? „Alles ist denkbar“, sagt Michael Dieckmann, der allerdings keine Position zu laufenden Verfahren beziehen will: Allerdings favorisiere die Ameos-Gruppe, „den maximalen Einfluss“ zu erhalten, gerade wenn sich ein Krankenhaus in einer kritischen Situation befindet. Sollte das Unternehmen tatsächlich neuer Partner werden, bedeutet dies angesichts des Standortes in Alfeld nicht zwangsläufig das Aus für Gronau: „Das ist eine unverantwortliche Aussage.“ Gerade in der Fläche nämlich seien im Notfall kurze Wege wichtig, betont Michael Dieckmann, der vielmehr eine Neuordnung des Hauses und eine Erweiterung des Leistungsspektrums in Erwägung ziehen würde.

Die Samtgemeinde Gronau jedenfalls kann keine finanzielle Unterstützung bieten; ist sie doch lediglich Standortgemeinde. Auch Verwaltungschef Rainer Mertens will keine Stellung beziehen: „Der Stellenwert dieses Krankenhauses ist allseits bekannt“, betont er: „Im Interesse des Krankenhauses aber werde ich mich an Spekulationen nicht beteiligen.“

„Großer Verlust“

Große Sorgen um das Gronauer Krankenhaus macht sich sein Förderverein, der dem Haus bisher stets finanziell unter die Arme gegriffen hat. „Wir hoffen natürlich, dass das Krankenhaus erhalten bleibt – wenn möglich unter der Regie der Johanniter“, betont Vorsitzender Dr. Bernd Köhler. „Wir kämpfen weiterhin für das Krankenhaus“, hebt er die Bedeutung der Einrichtung hervor. Es wäre nämlich „ein großer Verlust für Gronau“, wenn das Haus geschlossen werden würde. Die medizinische Versorgung vor Ort sei „unwahrscheinlich wichtig“ für die Menschen; auch ist das Krankenhaus ein großer Arbeitgeber. Wie Dr. Köhler verspricht, wird der Förderverein in jedem Fall weiter für die Einrichtung da sein – auch wenn es Veränderungen gibt, vorausgesetzt er werde weiter gebraucht. Im Rahmen seiner Versammlung am kommenden Dienstag – Beginn ist um 19 Uhr im Lachszentrum – will sich der Förderverein diesem Thema widmen.

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