Ehrenamtliche des Besuchsdiensts des Johanniter-Stifts führen Selbsttest zum Thema Essen durch

Wie fühlt es sich eigentlich an?

Die Ehrenamtlichen vom Besuchsdienst (von links) Joachim von Blanckenburg, Martina Bothmann, Bernd Kühn, Gabriele Blenkle und Birgit Schurmann unterziehen sich dem Erfahrungstest.

GRONAU Seit Frühjahr 2014 verfügt das Johanniter-Stift Gronau über einen eigenen ehrenamtlichen Besuchsdienst. Die Bewohner freuen sich immer über die Besuche und sind froh, jemanden etwas erzählen zu können. Um sich über Erfahrungen und mögliche Probleme auszutauschen, trifft sich die kleine Gruppe der Freiwilligen regelmäßig.

„Die Treffen haben schon einen Fortbildungscharakter“, so Martina Bothmann, die zusammen mit Birgit Schumann die Leitung der Besuchergruppe übernommen hat. Beim jüngsten Treffen des Besuchsdiensts ging es vor allem darum, sich noch besser in die Bewohner des Johanniter-Stifts hineinzuversetzen. Dazu führte die Gruppe einen Selbsttest zum Thema „Wie fühlt es sich an, das Essen angereicht zu bekommen?“ durch. Essen ist für viele Menschen ein Highlight und etwas Besonderes. Viele ältere Menschen haben aber kein Hunger- und Durstgefühl mehr, manchmal ist die Motorik eingeschränkt oder das Geschmacksempfinden verändert. Bei Demenz kommen noch weitere Probleme hinzu. „Erst vor kurzem habe ich mit einigen Bewohnern Pizza gebacken. Das war für viele etwas ganz Besonderes, einige der Teilnehmer hatten noch nie Pizza gegessen. Der Stellenwert vom Essen sollte daher nicht unterschätzt werden“, so Bothmann.

Die meisten Menschen können selbstständig entscheiden, was und wieviel sie essen. Kommt es jedoch zu einem Kontrollverlust, wodurch dies nicht mehr möglich ist, spielt das Vertrauen eine große Rolle, da es eine sehr intime Sache ist, jemandem die Mahlzeiten anzureichen. Im Rahmen des Erfahrungstests begann die Gruppe zuerst mit einer vermeintlich leichten Aufgabe: Das einhändige Aufdrehen einer Wasserflasche. So sollte man sich besser in einen Menschen mit halbseitiger Lähmung hineinversetzen können. Im Anschluss wurde das Anreichen getestet. Dies sollen im „Real-Fall“ nur Pflegekräfte ausführen, da es beispielsweise bei einer Schluckstörung viel zu beachten gibt. Hierzu wurden kleine Brot-Häppchen gereicht. Geduld ist wichtig. Jeder Mensch hat beim Kauen und Schlucken eine andere Geschwindigkeit und vor allem im Krankenhaus sind die Pflegekräfte unter Zeitdruck.

Rollentausch

Eine weitere Schwierigkeit besteht zudem beim Anreichen von Getränken: Dabei schwingt die Gefahr mit, dass sich ein Mensch verschluckt. Gerade beim Einsatz der Schnabeltasse wird oft erst gewartet bis überhaupt Flüssigkeit heraustritt und dann gelangt plötzlich sehr viel in den Mund. „Man lässt dabei viel zu und gibt viel auf. Aber die Menschen gewöhnen sich mit der Zeit auch daran. Auch als Privatperson kann man mit solchen Dingen konfrontiert werden, wenn man selbst zum Beispiel dem Ehepartner oder den Eltern das Essen anreichen muss. Dann findet oft ein Rollentausch statt, denn früher wurde man selbst von den Eltern gefüttert“, so Bothmann. Birgit Schurmann ergänzt dazu: „Es ist schön, dass sich die Begriffe so gewandelt haben und man heutzutage vom Anreichen und Kleiderschutz und nicht mehr vom Füttern und einem Lätzchen spricht. Damit wird den Menschen Respekt erwiesen“. Das Anreichen bedeutet auch für das Personal eine gewisse Überwindung, da es immer wieder ein Eingriff in die Persönlichkeit ist. Dennoch kann es auch eine angenehme Nähe darstellen. Martina Bothmann zieht ein Fazit des Erfahrungstests: „Man kann sich jetzt viel besser in die Bewohner hineinversetzen und weiß auch, wo Probleme entstehen können“. Im Herbst plant der Besucherdienst einen weiteren Selbsttest, indem es darum geht, wie es sich anfühlt im Bett zu liegen und immer nach oben auf andere Menschen blicken zu müssen.

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