Duingen und Gronau – Auftakt mit knapp 150 Ratsmitgliedern

Ein früher „Polterabend“

Die Verwaltungschefs Rainer Mertens (rechts) und Wolfgang Schulz stellen den Fahrplan für den Fusionsprozess vor. Fotos: Klein

Gronau / Duingen Die „Hochzeit“ von Gronau und Duingen rückt in greifbare Nähe: Der Auftakt, vielleicht gar ein früher „Polterabend“, erfolgte am Donnerstagabend in Duingen, wo knapp 150 Ratsmitglieder beider Kommunen den Ausführungen zum Thema Fusion lauschten. Weshalb ist der Zusammenschluss nötig? Was wird sich verändern? Und wie geht es weiter?

Die Gymnastikhalle im Duinger Hallenbad ist mit Menschen gefüllt, vorwiegend mit Ratsmitgliedern. „Ich bin ein Kind dieser Region“, betont Duingens Verwaltungschef Wolfgang Schulz: „Ich möchte hier weiterhin vernünftig leben. Deshalb stehe ich mit dem Herzen dahinter.“ Duingen ist seinen Angaben zufolge längst nicht mehr „gesetzeskonform“. Immerhin sehen die Bestimmungen Mitgliedsgemeinden mit mindestens 400, Samtgemeinden mit mindestens 7 000 Einwohnern vor. „Dies erfüllen wir schon lange nicht mehr“, blickt er auf kontinuierlich sinkende Zahlen. Zwar ist die Lage in der Samtgemeinde Gronau nicht ganz so dramatisch, doch auch hier schrumpfen die Einwohnerzahlen.

Die Spirale spitzt sich zu: Die Einwohner sinken, das Anspruchsdenken der Menschen aber wächst. Die Folge: Die Kosten steigen. Demnach sei seit weit über einem Jahrzehnt die Konsolidierung der Haushalte eine Standardaufgabe, teilt Gronaus Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens mit. Weitere Möglichkeiten, Kosten einzusparen, wären die Einschränkung von Leistungen und die Erhöhung von Einnahmen. Beides jedoch biete nur begrenzt Möglichkeiten, ohne die Bevölkerung zu sehr zu belasten. „Das Zauberwort ist zweifelsfrei Fusion“, hebt Rainer Mertens hervor. Diese sorge für Synergieeffekte, bringe Einsparpotenzial – ganz zu schweigen von der Einwohnerveredelung, die Geld in die Kasse der Kommune spült. Derzeit leistet sich Gronau 114 Mandatsträger und Duingen 63 Ratsvertreter.

Ziel der beiden Verwaltungschefs aber sei: „Wir wollen, dass keine Veränderungen für die Bevölkerung zu spüren ist.“ So erinnert sich Wolfgang Schulz an die Gebietsreform im Jahr 1974, die er schlichtweg gar nicht gemerkt habe. Wichtig sei vor allem, dass dieser Fusionsprozess „von unten“ gestaltet werde, verdeutlicht Maiko Kubiak vom Innenministerium, das den Kommunen beratend zur Seite steht und sie rechtlich begleitet. „Sie sind auf einem guten Weg“, ermutigt er. Auch Karin Beckmann wolle als Landesbeauftragte für regionale Entwicklung Leine-Weser mit den Menschen ins Gespräch kommen, um Probleme zu erfahren. Denn rund um die Bevölkerungsentwicklung gelte: „Wir wollen, dass auch eine Region mit schrumpfenden Einwohnerzahlen lebenswert bleibt.“ Auch dem Landkreis Hildesheim sei daran gelegen, zukunftsfähige Strukturen zu bilden, verdeutlicht Ingrid Mellin von der Kommunalaufsicht des Landkreises Hildesheim. Doch: „Die Entscheidung liegt bei Ihnen“, weist sie darauf hin, dass der Landkreis hier nur moderierend zur Seite steht.

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