Hochwasserschutz: Welche Maßnahmen können die Situation entschärfen?

Flurbereinigung als Chance für das Despetal

Bauamtsleiter Hans Kirsch begutachtet auf dem Plan den Barfelder Hauptkanal, der in der kommenden Woche infolge der Starkegenereignisse mit Hilfe einer Kamera überprüft werden soll. Foto: Klein

GRONAU / BARFELDE Für so manchen Einwohner des Despetals mag es vielleicht spöttisch klingen, doch angesichts der Hochwasser-Ereignisse entlang der Elbe ist die Gemeinde in der vergangenen Woche doch noch mit einem blauen Auge davongekommen. Für die LDZ aber Grund genug, bei Bauamtsleiter Hans Kirsch nachzuhaken: Welche Maßnahmen können die Situation im Despetal bei solchem Starkregen entschärfen?

„Es war eine anstrengende Woche“, lässt Hans Kirsch die regenreichen Tage Revue passieren: Sowohl die Bauabteilung, die Abwassermeister als auch der Baubetriebshof und die Feuerwehren waren nahezu im Dauereinsatz in Barfelde, Eitzum sowie im Gewerbegebiet „Zur Deßel“. 270 Sandsäcke wurden im Despetal benötigt. Inzwischen aber sei „alles wieder im grünen Bereich“.

Problem: Zuflüsse

Hauptproblem im Despetal war aber nicht etwa die Despe, sondern vielmehr kleinere Zuflüsse wie die Specke und der Hambach. „Das Regenrückhaltebecken bei Hönze hat schon seine Berechtigung“, betont Hans Kirsch vor diesem Hintergrund – allerdings soll es vielmehr bei einem HQ 100, einem Jahrhundert-Hochwasser, schützen.

Doch wie könne bei kleineren Hochwasser-Ereignissen dem Despetal geholfen werden? Das Stichwort lautet hier Flurbereinigung, denn nur in diesem Rahmen könnte die verschuldete Gemeinde gewinnen. Laut Hans Kirsch nämlich werden in diesem Rahmen kleinere Maßnahmen, etwa die Erweiterung von Brückendurchlässen oder auch die Verbesserung von Abflussstrecken, vom Amt für Landentwicklung bis zu 75 Prozent gefördert. Der Eigenanteil würde dann aber nicht beim Despetal, sondern der Samtgemeinde Gronau liegen. Allerdings stehe das Verfahren der Flurbereinigung noch ganz am Anfang und könne durchaus einige Jahre in Anspruch nehmen, gibt Hans Kirsch zu bedenken. Doch für das Despetal sei es die „einzige Chance“, um zumindest die Auswirkungen kleinerer Hochwasser-Ereignisse zu verringern.

Kanalsystem

Ein weiteres Problem im Despetal ist das Abwasserkanalsystem: Dort wird das Schmutzwasser bis nach Gronau geleitet, auch das Abwasser aus Sibbesse fließt dort entlang. Der Kanal ist für die anfallende Schmutzwassermenge „völlig ausreichend ausgelegt“, er ist sogar für eine Fremdwassermenge in gleicher Höhe bemessen. „Doch bei solchen Regenfällen ist der Anteil an Fremdwasser über die Maßen hoch“, erklärt der Bauamtsleiter. Die Folge: Das Wasser staut sich – und angesichts der Lage ist zunächst Barfelde betroffen. Auch das Gewerbegebiet „Zur Deßel“ hat die Auswirkungen zu spüren bekommen: Gemeinsam galt es hier, nach Lösungen zu suchen, um das Produktionswasser der dort ansässigen Unternehmen trotz der Überlastung des Kanals ableiten zu können.

Zumindest im öffentlichen Kanalnetz beseitigt die Samtgemeinde Schäden, damit sich Grundwasser als Fremdwasser nicht seinen Weg ins System bahnen kann. So ist der Schmutzwasserkanal in Barfelde bereits saniert worden, doch noch immer gebe es offenbar Fremdeinleiter, etwa durch falsch angeschlossene Drainagen, die dafür sorgen, dass Grundwasser in den Kanal dringt. Glücklicherweise – so Hans Kirsch – haben die meisten Anwohner ihre Kellerentwässerung mit einer ohnehin vorgeschriebenen Rückstausicherung ergänzt, so dass solche Schäden im Schmutzwasserkanal kaum noch vorkommen.

Überprüfung

Die Verwaltung wird in der kommenden Woche den Hauptkanal mit einer Kamerafahrt überprüfen, um sicherzustellen, dass keine Fremdkörper den Abfluss behindern. Zudem wird die Suche nach Fehlanschlüssen von Drainagen und Regenwasserleitungen auch künftig fortgesetzt, um „das massive Fremdwasserproblem“ zu reduzieren.

Zur weiteren Verbesserung der Situation soll die Sanierung des öffentlichen Kanalnetzes in Nienstedt und Eitzum beitragen. Die Arbeiten werden im Herbst beginnen und im Laufe des kommenden Jahres abgeschlossen sein. Eine Million Euro nimmt die Samtgemeinde hierfür in die Hand.

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