Gronauer Wolfgang Bornemann organisiert fünften Parkinson-Kongress in Hildesheim mit

„Ermutigen, Neues zu probieren“

Wolfgang Bornemann organisiert gemeinsam mit seinem Neurologen, Bertold Klemperer, den Parkinson-Kongress. Foto: Hüsing

GRONAU „Ein positives Lebensumfeld schaffen“ – klingt simpel, ist jedoch gerade für an Parkinson Erkrankte nicht leicht. „Mir ist es wichtig, aufzuklären und Wege aufzuzeigen, mit dieser neurologischen Krankheit umzugehen“, beschreibt Wolfgang Bornemann seine Gründe, sich in einer Selbsthilfegruppe zu engagieren und einen Kongress in Hildesheim zu organisieren.

Am 27. September ist es soweit. Von 9.30 bis 13.10 Uhr laden Wolfgang Bornemann und Bertold Klemperer zum fünften Parkinson-Kongress ins Novotel nach Hildesheim ein. „Wir haben schon mehrfach Projekte zusammen gestaltet. Es ist schon etwas besonderes, dass Patient und behandelnder Neurologe so eine Beziehung miteinander pflegen“, beschreibt Parkinson-Patient Wolfgang Bornemann sein Verhältnis zum Neurologen Klemperer als „fast freundschaftlich“. „Wir arbeiten sehr vertrauensvoll zusammen. Er muss sich als Neurologe mit vielen Beschwerden auskennen. Ich hingegen bin als direkt Betroffener auf meine Krankheit fixiert und teile ihm neue Erkenntnisse oder Erfahrungen mit“, sagt Bornemann.

Der Gronauer ist ein positiv denkener Mensch, was ihm dabei hilft, mit der Diagnose besser umgehen zu können: „Ich lebe seit 23 Jahren mit Parkinson. Da hat man schon seinen Weg gefunden.“ Der Rückhalt in der eigenen Familie sei dabei sehr wichtig.

Etwa alle drei Jahre bietet Wolfgang Bornemann gemeinsam mit Bertold Klemperer den Parkinson-Kongress an. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Parkinson, begleitende Therapien“. Zwar sei die mit Medikamenten gestützte Therapie sicherlich der wichtigste Baustein bei der Behandlung eines Parkinson-Patienten, aber sie sei nicht die einzige. „In der modernen Medizin gewinnt zunehmend an Bedeutung, dass Fragen zur Ernährung und Bewegung sowie ein positives Lebensumfeld einen Einfluss auf den Verlauf der Krankheit haben“, schildert Wolfgang Bornemann den Ansatz. So soll bei diesem Kongress aufgezeigt werden, „dass neben dem Einsatz von Medikamenten weitere Bausteine in der Behandlung der Krankheit existieren, deren Einsatz und Erfolg allerdings von der Mitarbeit des Patienten abhängen“.

Als Referentin konnte Wolfgang Bornemann unter anderem eine Physiotherapeutin gewinnen, die zum Thema „Ernährung und Wirkung der Medikamente“ spricht. Auch der „Einfluss von Q 10 auf Parkinson“ wird untersucht. Außerdem sind Gäste der Universität Tübingen zu Gast, die über „neue Aspekte aus Forschung und Therapie beim fortgeschrittenen Morbus Parkinson“ sprechen werden. „Die genauen Inhalte kenne ich auch noch nicht, ich bin gespannt, welche neuen Aspekte sich ergeben“, ist auch Mitorganisator Wolfgang Bornemann gespannt auf die Vorträge. Er wird die Rolle des Moderators übernehmen. „Ich bin aber auch noch mit kleineren Arbeiten eingespannt. Zum Beispiel hole ich die Chormitglieder vom Bahnhof ab“, sagt der Gronauer.

Denn die Vorträge werden umrahmt von mehreren kurzen Darbietungen des „PAoL Chors“. „Der Chor hat sich aus den Mitgliedern der Selbsthilfegruppe Parkinsonline gebildet“, erzählt Bornemann. Er ist stellvertretender Vorsitzender dieser Selbsthilfegruppe, die sich fast ausschließlich im Internet organisiert. „Auch hier ist es unser Anspruch, aufzuklären und Erfahrungen weiterzugeben“, beschreibt Bornemannn. So ist es ein Anliegen des Vorstandes, die Internetpräsenz der Gruppe zu modernisieren. „Zu den Symptomen der fortgeschrittenen Krankheit gehören Seh-, Hör- oder auch Sprachschwierigkeiten. Der Intellekt der Erkrankten ist aber nicht betroffen, so dass wir ihnen ermöglichen möchten, am aktiven, sozialen Leben teilzuhaben“, sagt Bornemann. Ein Baustein der technisch aufgewerteten Homepage sei daher eine Vorlesefunktion.

Er empfiehlt den Erkrankten, nach Dingen zu suchen, die einem helfen, mit der veränderten Situation umzugehen. „Für mich waren das Schlimme nicht die Symptome, an die man sich gewöhnt, sondern die Frage, ob und wie meine Freunde und meine Familie mit einem Kranken umgehen können“, sagt der 61-Jährige. Er selbst hat einen Ausgleich im Schreiben von Gedichten, Fotografieren und Fahrradfahren gefunden. „Gerade sind wir von einer Radtour von Passau nach Wien zurückgekehrt“, erzählt er von einer etwa 320 Kilometer langen Tour. Denn: „Erfolgserlebnisse tragen und helfen. Man sollte die Sorgen von Morgen nicht schon vorweg leben.“

Der Kongress am 27. September ist offen für Patienten, Mediziner und Forscher. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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