Gronauer Maien ertrinkt im Regen: Nur Hartgesottene in der Stadt unterwegs

Einmal hoch hinaus

Nur einige Hartgesottene trauen sich am Sonntag beim Dauerregen auf die Straße: Mit Regenschirmen ausgestattet laufen sie über die Hauptstraße und genehmigen sich ein Mittagessen unter dem Pavillon.

GRONAU „Es sollte eigentlich ein Publikumsmagnet werden“, sagt Inge Just-Landau. Die Mitglieder des Fördervereins der KGS haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: Auf dem Marktplatz steht ein etwa sechs Meter hoher Kletterturm.

Mia Sackmann lässt sich vom Dauerregen nicht abhalten, sondern erklimmt Stück für Stück den Turm. „Es macht Spaß, ist aber gar nicht so einfach“, erzählt die Achtjährige. Der Förderverein der Kooperativen Gesamtschule Gronau (KGS) hatte sich erhofft, mit einer Menschenschlange auf sich aufmerksam machen zu können. Doch aufgrund des Dauerregens verirren sich nur Wenige in die Stadt. Eigentlich versprechen die Plakate des Gronauer Maiens Sommer, Sonne und neue Trends – doch von Sommer und Sonne ist am Sonntagnachmittag nichts zu spüren. „Ich bin überrascht, dass doch erstaunlich viele Leute unterwegs sind“, sagt Uwe Felgendreher vom Gronauer Verein für Handel und Gewerbe (VHG). Er begrüßt die Kunden bei „Schlichtmann“ und schenkt ein besonderes Getränk aus. „Mir geht es heute nicht darum, Umsatz zu machen, sondern die Kunden freundlich zu begrüßen und ihnen einen Platz zum Aufwärmen zu bieten“, nimmt er das Wetter mit Humor. „Es stand eigentlich nie zur Diskussion, den Gronauer Maien abzusagen“, so Felgendreher. Dies bestätigt auch Dieter Meyer: „Wir haben vom Landkreis speziell für dieses Wochenende eine Genehmigung, deshalb können wir die Veranstaltung nicht so einfach verschieben“, berichtet der Vorsitzende des VHG.

Sascha und Tanja Körner gehören an diesem Mittag zu den „Hartgesottenen“. Geschützt unter einem Pavillon genießen die beiden Elzer ihr Mittagessen. Auch Heinz Kerner nimmt das Wetter mit Humor: „Wir machen heute Geschäfte für die Miesen“, so Kerner vom „Eichsfelder Hof“. Einzelne Steaks und Bratwürste kommen auf seinen selbstgebauten Grill, während seine Helfer die Pommes fritieren. „Ich rechne es den Geschäftsleuten hoch an, dass sie trotz der schlechten Aussichten nicht abgesagt haben, sondern ihre Stammkunden bedienen“, freut sich Uwe Felgendreher über das Engagement. Und die Erdbeer-Bowle schmeckt schließlich auch im Regen gut. Silke Bausmerth nutzt den verkaufsoffenen Sonntag, um durch die Geschäfte zu bummeln. Bei Elena Ahrens probiert sie verschiedene Düfte aus: „Ich habe noch einen Gutschein, den ich heute einlösen möchte“, so die Gronauerin.

Gisela und Friedel Schechtig haben sich extra aus Burgstemmen auf den Weg nach Gronau gemacht: „Meine Frau wollte gerne ein Zitronenbäumchen kaufen, aber der Baumarkt hat nicht auf“, bedauert Friedel Schechtig. So haben sich die beiden sogar noch ein zweites Mal ins Auto gesetzt, um die Stände rund um das Rathaus zu erkunden: „Es ist traurig, dass wegen des Wetters nichts los ist“, sind sich die beiden Burgstemmer einig. Gunda Bütow hält währenddessen zusammen mit ihrem Mann und ihrer Tochter am Stand der Backwaren die Stellung: „Meinem Personal habe ich heute Vormittag gleich gesagt, dass sie lieber zu Hause bleiben sollen“, so die Geschäftsfrau: „So einen Maien, den wir im Regen aufbauen mussten, hatten wir noch nie.“ Doch Familie Bütow hält eisern durch und serviert den Besuchern selbstgebackenen Kuchen.

Geschützer geht es in der Gronauer St. Matthäi-Kirche zu, in der Dieter Schütte 50 Fotos der Furtwängler-Orgel präsentiert. Das Mitglied des Orgelkommitees hat die Orgel von außen und innen fotografiert und die Bilder auf Kunststofffolie aufziehen lassen. Beim Betrachten erinnert sich Dieter Hoppe an seine Zeit als „Kirchenjunge“: Kaum ist der Strom ausgefallen, hat ihn der Pastor zur Orgel hochgejagt, um die Blasebalge zu bewegen. „Ich kenne mich hier in der Kirche ganz gut aus“, erzählt Dieter Hoppe von seinen Erinnerungen. Die Ausstellung ist jetzt noch etwa einen Monat in der Kirche zu sehen.

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