Andreas-Kirche in Nienstedt verkleinert und zur Winterkirche umgebaut / Für 180 000 Euro „alles unter einem Dach“

„Die Atmosphäre ist viel wärmer“

Volker Klingebiel und Christa Wettberg vom Kirchenvorstand überreichen Pastor Ulrich Junak den großen Kirchenschlüssel, an den sie den neuen, wesentlich kleineren Schlüssel für die Winterkirche gebunden haben. Foto: Hüsing

NIENSTEDT Der Leuchter unter der Decke erstrahlt in neuem Glanz, und das Auge fällt im Eingangsbereich auf die Bordüre an der Wand: Ein gutes halbes Jahr hat es gedauert, nun ist die Andreas-Kirche in Nienstedt umgebaut – zu einer multifunktionalen Kirche. „Sie ist die erste ihrer Art im Kirchenkreis“, erzählt Pastor Ulrich Junak im Rahmen der Einweihung in Nienstedt.

Vor einiger Zeit musste die Kirchengemeinde das Pfarr- und Gemeindehaus in Nienstedt verkaufen, da die Mittel für den Unterhalt nicht zur Verfügung standen. Doch einen Raum, in dem sich die Konfirmanden, der Kirchenvorstand und der Frauenkreis treffen können, braucht es in einer aktiven Gemeinde trotzdem. Deshalb haben sich Pastor Ulrich Junak und die Mitglieder des Kirchenvorstandes die Aufgabe gestellt, eine Alternative zu finden. „Im Kreis Northeim haben wir uns eine multifunktionale Kirche angesehen und waren ganz begeistert, welche Möglichkeiten sie bietet“, berichtet Ulrich Junak. Schnell war man sich einig: In Nienstedt sollte ebenfalls eine Winterkirche mit Küchen- und Toilettenbereich entstehen.

Die Andreas-Kirche erstreckt sich vom mittelalterlichen Turm bis zum Altar. Unter der Orgelempore, die weit nach vorne gezogen ist, standen ebenfalls Bänke. Diese wurden weggenommen, so dass die Kirche nun etwas verkleinert wirkt. „Bei Festgottesdiensten, die gut besucht sind, können wir unter der Empore weitere Stühle aufstellen, so dass wie keinen Sitzplatz verlieren“, so Junak. Doch für die Sonntagsgottesdienste sei es gut, dass sich „jetzt keiner mehr in der hintersten Reihe verstecken“ könne. Im Bereich der Empore wurden vorgezogene Außenwände eingebaut, um die Fenster isolieren zu können. „Bei den Arbeiten wurden alte Bordüren an den Wänden gefunden, die wiederhergestellt wurden“, nennt Architekt Thido Saueressig eines der vielen Details. „Eigentlich bin ich im Bereich der Kircheninstandsetzungen tätig, so ein Umbau ist da schon ein größeres Projekt“, so der Architekt vom Amt für Bau- und Kunstpflege Hildesheim. „Es war sehr viel Arbeit, und eine genaue Koordination aller Gewerke notwendig“, erzählt der Fachmann. Zwei Monate musste das Bauprojekt pausieren: „Wir hatten statische Probleme, die Backsteinpfeiler im Turm standen in keinem festen Fundament, so dass wir uns eine Lösung einfallen lassen mussten, wie wir die Last des Dachstruhls und des Glockenturms verlagern.“ Thido Saueressig geht davon aus, dass diesem Bauvorhaben in Nienstedt noch weitere folgen werden. „Es gibt in der Gegend sehr viele Kirchengemeinden, die eigene Gemeindehäuser haben, die viel zu groß sind.“ Auch hier werden sich die Ortsansässigen Gedanken machen müssen, wie sie die Gebäude langfristig unterhalten können. „In Banteln gibt es ernsthafte Überlegungen“, weiß Saueressig. Jedoch müssen diese auch finanziert werden. In Nienstedt hat der Umbau rund 180 000 Euro gekostet, die durch den Verkauf des Pfarrhauses und aus Baurücklagen finanziert wurden.

Eine Umstellung ist es jedoch auch für die Gemeindeglieder. „Ich finde, es ist wunderschön geworden. Die Atmosphäre ist viel wärmer“, sagt Oda Falk. Und Helga Jörn aus Eitzum pflichtet ihr bei: „Der Umbau hat viel Ruhe hinein gebracht. Der Hohlraum, wenn nur vier Gottesdienstbesucher da sind, ist verschwunden.“ Im Januar soll dann der erste Gottesdienst in der Winterkirche stattfinden. „Ich denke, ich werde den Altartisch in Richtung der Glaswand ausrichten, so dass die Besucher den weiten Blick in die Kirche hinein haben“, stellt Junak bereits erste Überlegungen an, während die Besucher der Feierstunde die geräumige, behindertenfreundliche Toilette und die eingebaute Küchenzeile im Turmraum bestaunen.

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