Zehntägige Visitation: Superintendent blickt hinter die Kulissen der St. Matthäi-Kirchengemeinde

Castel: „Eine große, stabile Gemeinde“

Superintendent Christian Castel besucht den evangelischen Kindergarten im Rahmen seiner Visitation: Er lässt es sich nicht nehmen, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Foto: Klein

GRONAU Visitation – ein Begriff, der zurück in die Reformation reicht und demnach heutzutage schon ein bisschen „verstaubt“ klingt, wie Pastor Wolfgang Richter einräumt. Doch im Laufe der Zeit hat sich die Visitation gewandelt, ist vielmehr auch als Austausch zu sehen. Auf welchem Weg ist eine Kirchengemeinde? Welche Probleme gibt es? Und wie kann Kirche nach wie vor attraktiv gestaltet werden? Diesen Fragen geht derzeit Superintendent Christian Castel nach, der für zehn Tage in der St. Matthäi-Kirchengemeinde visitiert. Die LDZ darf ihm dabei über die Schulter schauen.

Im Abstand von sechs Jahren blickt Superintendet Christian Castel hinter die Kulissen „seiner“ Kirchengemeinden. Angesichts der neuen Visitationsordnung ist es für die Gemeinden nicht mehr nötig, umfangreiche Formblätter im Vorfeld auszufüllen. Ein Bericht, verfasst vom Kirchenvorstand und Pfarramt, reicht aus. „Papier ist geduldig“, sagt Christian Castel, der sich vor Ort gern selbst ein Bild verschafft, wie die einzelnen Bereiche der Kirchengemeinde mit Leben gefüllt werden. Somit ist er seit Mitte vergangener Woche täglich zu Gast in der St. Matthäi-Kirchengemeinde: Er besucht die Krippenspiel-Probe, den sonntäglichen Gottesdienst, den evangelischen Kindergarten, den Gospelchor „Joy“, Diakonin Anne Basedau... „Das Wahrnehmen ist ganz wichtig“, schildert der Superintendent. Heutzutage liege der Fokus weniger auf dem Vergleich zur vergangenen Visitation. Dies sei angesichts verschiedener Gegebenheiten wie dem demografischen Wandel auch nicht mehr möglich. Andere Fragen stehen nun im Blickpunkt, hauptsächlich die Weiterentwicklung der Gemeinden. Und damals wie heute gelte natürlich: „Wie können wir uns gegenseitig helfen, Menschen das Evangelium näher zu bringen?“

Die Rahmenbedingungen für Kirchengemeinden haben sich verändert. Es gelte, diese möglichst optimal zu gestalten. Der Blick über den Tellerrand hinaus gehöre für den Superintendenten dazu. Und natürlich gebe es durchaus auch mal Spannungen innerhalb der Kirchengemeinden – nicht aber in Gronau. „Hier wird an einem Strang gezogen“, lobt Christian Castel die St. Matthäi-Kirchengemeinde. Diese zählt 3 400 Gemeindeglieder, sei „eine große, stabile Gemeinde“, die im Ort fest vernetzt ist. Mehr aber möchte er noch nicht preisgeben, erste Eindrücke wird er im Rahmen des für kommenden Sonntag, 10. November, vorgesehenen Visitationsgottesdienstes schildern. Dieser beginnt um 10 Uhr in der St. Matthäi-Kirche. Zudem ist ein abschließendes Gespräch mit dem Kirchenvorstand vorgesehen. Im Rahmen der Visitation geht es auch darum, Trends zu entdecken. Allgemein gesprochen bereite der Kirche der fehlende Nachwuchs an Pastoren sorgen. „Die Situation wird sich in den kommenden sechs, sieben Jahren deutlich verschärfen“, teilt Christian Castel mit. Dies sei zum einen auf den damaligen Überschuss an Pastoren zurückzuführen, der wiederum zu Kürzungen der Ausbildungskapazitäten geführt habe, zum anderen seien Pfarrstellen mit vielen Predigtstätten nicht sehr beliebt. „Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, wie wir diese Stellen attraktiver gestalten können“, kündigt der Superintendent an, der auch Mitglied in der Landessynode ist.

Die Visitation aber ist laut Christian Castel keine „One-Man-Show“, vielmehr blickt ein Team aus Experten des Kirchenkreises in die Bereiche der Gemeinden. Doch Aufregung ist in St. Matthäi deshalb nicht zu spüren. „Trotzdem will man natürlich das Beste, was man hat, auch zeigen“, räumt Gronaus Pastor Wolfgang Richter ein. Christian Castel pflichtet bei: „Und dies ist für mich auch schön zu sehen.“

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