Buchmesse in Frankfurt: Was lesen die Menschen in Gronau gerade? / Preisträger kaum gefragt / Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Ein Buch ist so lebendig wie seine Leser

Ulrike Haase von der Gronauer Buchhandlung weiß genau, was die Kunden lesen wollen: Bücher von Swetlana Alexijewitsch als Friedenspreisträgerin sind nachgefragt, in diesem Herbst werden aber vor allem Krimis gelesen. Fotos: Vogelbein

GRONAU Seit dieser Woche dreht sich in Frankfurt am Main alles um das geschriebene Wort. Zur Frankfurter Buchmesse stellen Verleger und Autoren ihre neuesten Werke vor. Interessierte Leser begeben sich auf die Suche nach neuen literarischen Herausforderungen. Doch was steckt dann in der Schatztruhe? Die LDZ hat sich einmal in Gronau umgehört, von welchem Buch im Moment niemand die Finger lassen kann.

Dabei beweist der Gronauer Leser Geschmack in der vollen Bandbreite des Angebots, weiß Ulrike Haase von der Gronauer Buchhandlung. Vor allem ausländische, meist nordeuropäische Krimiautoren seien besonders nachgefragt. „Das ist in diesem Jahr sicherlich der Trend“, so Haase. Die internationale Buchmesse habe aber nur einen geringen Einfluss auf die Entscheidung der Leser, welches Buch als nächstes auf den Nachtschrank wandern soll. Gleichwohl würde aber das Interesse für neue und bekannte Autoren gesteigert: „Wir merken es erst in ein paar Wochen nach der Buchmesse, dass der ein oder andere Autor nachgefragt wird.“

Gesteigerte Aufmerksamkeit erhält dabei auch die weißrussische Autorin Swetlana Alexijewitsch, die am morgigen Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen bekommt. Der Börsenverein als Dachverband der Verlage und Buchhandlungen in Deutschland ehrt damit eine Autorin, „die die Lebenswelten ihrer Mitmenschen aus Weißrussland, Russland und der Ukraine nachgezeichnet und Demut und Großzügigkeit und deren Leid und Leidenschaft Ausdruck verliehen hat“. Ihr neues Buch „Secondhand-Zeit“ wechselt seit der Bekanntgabe auch in der Gronauer Buchhandlung vermehrt den Besitzer und liegt bei Ulrike Haase schnell griffbereit. Im vergangenen Jahr erhielt der Chinese Liao Yiwu den Friedenspreis. „Wir merken bei unseren Kunden, dass in diesem Jahr viele Bücher mit Spannung erwartet werden“, verrät sie. Dazu gehören Fortsetzungen bekannter Autoren genauso wie neue, junge „Hoffnungsträger“.

Für Katrin Gawron und ihre beiden Töchter Thea und Anna sind beide Preisträger jedoch unbekannt. „Die sind an mir vorbeigegangen“, bemerkt Katrin Gawron und erzählt, dass sie gerade einen spannenden Roman rund um Katharina die Große mit dem Namen „Windpalast“ lese. „Ich bin der klassische Zu-Bett-Geh-Leser und schlafe manchmal auch beim Lesen ein“, erzählt sie. Meistens habe sie aber nur im Urlaub Zeit, sich intensiv mit dem Lesestoff auseinanderzusetzen. Ihre Tochter Anna ist da schon etwas flexibler und versinkt aktuell im Krimi „The Final Cut“ von Veit Etzold um eine vertuschte Mordgeschichte: „Ich lese lieber das richtige Buch als ein E-Book“, widersetzt sie sich dem modernen „Trend“, wonach so mancher schon den Tod des gedruckten Wortes vorausgesagt hat. Ihre jüngere Schwester Thea liest ebenfalls fleißig. Aktuell „Ella und der Superstar“, eine humorvoll geschriebene Geschichte um einen Lehrer, der ein neues Zuhause sucht und einen sehr eitlen Jungen, der eins und eins nicht zusammenzählen kann.

Und so lesen insbesondere junge Menschen lieber Bücher aus Papier, statt auf die elektronische „Zukunft“ zu setzen. Einen Beweis dafür liefert Ulrike Haase, denn: Der Raum mit den Büchern für Fantasy- und Kindergeschichten ist einer der größten in der Buchhandlung.

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