„Die Kaktusblüte“ – Federleichte wie dialogstarke Komödie in der KGS-Aula

Beste Unterhaltung mit dem TfN-Ensemble

Beim Publikum im nahezu ausverkauften Gronauer Theatersaal kommt der temporeiche und an Pointen übervolle Theaterabend bestens an. Fotos: Oelkers

Gronau J Die Liebe ist ein seltsames Spiel – und ein ausgesprochen lustiges, wie das Theater für Niedersachsen mit Karl-Heinz Ahlers kurzweiliger Inszenierung des durch die Verfilmung mit Ingrid Bergmann und Walter Matthau (1969) berühmt gewordenen Boulevardklassikers „Die Kaktusblüte“ bewiesen hat.

Mehr als zwei Stunden lang lieferte das Ensemble beste Unterhaltung rund um eine kleine Notlüge, die ein turbulentes Liebeskarussell in Gang setzt. Seit der Pariser Erstaufführung 1964 haben sich die Moralvorstellungen und Geschlechterrollen gehörig geändert. Gleichwohl hat die so federleichte wie dialogstarke Komödie in all den Jahren nichts von ihrem Esprit eingebüßt. Auch die absehbare Schlusspointe minderte den von einem gut aufgelegten Ensemble temperamentvoll gespielten Spaß, den der Sound der 1960er begleitete, nicht im Geringsten.

Der Stoff, aus dem das französische Autorenduo Pierre Barillet und Jean-Pierre Grédy seine Erfolgskomödie gewebt hat, ist rasch erzählt. Die junge Toni (Julia Gebhardt) liebt den älteren Zahnarzt Julian (André Vetters), einen notorischen Junggesellen und Schwerenöter. Um seine Geliebte nicht heiraten zu müssen, hat er Ehefrau und drei Kinder erfunden. Das Mädchen sieht keine Zukunft für die Beziehung, dreht den Gashahn auf und wird von Nachbar Igor (Marek Egert) gerade noch gerettet. Der Heiratsantrag von Julian folgt sofort – doch wo die scheidungswillige Ehefrau auftreiben, die Toni unbedingt kennenlernen möchte? Als letzte Rettung erscheint die ihrem Chef treu ergebene Sprechstundenhilfe Stephanie (Simone Mende). Doch Julians Idee zieht nur weitere Lügen und aberwitzige Komplikationen nach sich.

Simone Mende gab die fürsorgliche Assistentin mit dem charakteristischen Beinamen „Sergeant“ resolut. Hübsch anzusehen, war ihre Wandlung vom stacheligen Praxisdrachen zur lebensfrohen Frau, die witzige Tanzszene mit Gotthard Hauschild alias Harvey Greenfield ein Vergnügen. Gleiches gilt für die große komödiantische Leistung von Gotthard Hauschild, der Julians Patienten und Freund wunderbar überdreht anlegte.

Große Lustspielkunst bewies auch Michaela Allendorf. Sie brillierte als klatschsüchtige Patientin Mrs. Durant und schoss als liebestoller Macho Senor Sanchez den Vogel ab. Marek Egerts Igor war ein sympathischer, feiner Kerl wie er im Buche steht. Julia Gebhardt zeichnete ihre Toni mit der rechten Mischung aus Naivität, Gutmenschen-Betulichkeit und jugendlichem Schwung – kein Wunder, dass sich Womanizer Julian in sie verliebt hat. Ein wenig mehr Farbe verdient hätte die Rolle des Julian. André Vetters als Heiratsmuffel spielte den Leichtfuß zwar charmant, letztlich hätte etwas mehr Charisma aber durchaus sein dürfen.

Beim Publikum im nahezu ausverkauften Gronauer Theatersaal kam der temporeiche und an Pointen übervolle Theaterabend bestens an. Es wurde viel gelacht und gab großen Applaus. J oel

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