Nachfahrin Katrin Lembke-Schlaaff veranschaulicht das Leben und Wirken von Warnerus Oporinus

Belagert, geplündert und zerstört

Pastor Rudolf Friemelt, Katrin Lembke-Schlaaff, Heimatpfleger Joachim Werner (von links) gestalten die interessante Veranstaltung. Foto: Corcilius

RHEDEN Vor 370 Jahren fand er in der Cosmas- und Damian-Kirche zu Rheden seine letzte Ruhestätte am Ort seines Wirkens: Warnerus Oporinus, Pastor in Rheden von 1607 bis zu seinem Tod am 8. April 1643. Über sein Leben und Wirken referierte Katrin Lembke-Schlaaff in der Rhedener Kirche an der Stelle, an der Oporinus seine Predigten gehalten haben mag. Begrüßt wurde die Interessentengemeinde durch zeitgenössische Musik, gespielt von Organistin Gudrun Splitt auf der regenerierten Furtwängler-Orgel und durch einführende Worte von Pastor Friemelt und Heimatpfleger Joachim Werner.

Bei Aufenthalten auf der Insel Fehmarn stieß Katrin Lembke-Schlaaff in der St. Nikolai-Kirche auf das Epitaph des Pastors Johann Conrad Oporinus (1603 bis 1684). Da ihr Großvater von der Insel stammte und ein Nachfahre dieses Pastors war, begann sie nach der Herkunft des Johann Conrad zu forschen. Denn aus dessen Daten ging hervor, dass er nicht von dort stammte. Die Suche führte sie unter anderem nach Wolfenbüttel, wo sie in den Archiven schließlich einen ersten Hinweis auf Rheden fand. Das war vor fünf Jahren. Seitdem hat sie durch umfangreiche Recherche in Staats- und Kirchenarchiven und Bibliotheken Steinchen für Steinchen aus dem Leben des Urahnen zusammengesetzt. Das Ergebnis stellte sie in einer sehr anschaulich ausgearbeiteten Präsentation dar. Ihre Ausführungen verknüpfte sie mit den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges und es gelang ihr, dieses komplexe Thema der Geschichte begreifbar zusammenzufassen. Sie berichtete mit regionalem Bezug auf Gronau, Rheden und die nähere Region. Ihr Vortrag war aufgelockert durch Abbildungen alter Gemälde, die veranschaulichten wie das Leben damals ausgesehen haben könnte.

Warnerus Oporinus (1551 bis 1643) wurde als erstes Kind des ehemaligen Kartäusermönchs und späteren protestantischen Pastors Nicolaus Oporinus und der aus Eime stammenden Pastorentocher Margaretha in Lühnde geboren. Vermutlich besuchte er nach der Übersiedlung der Familie nach Hildesheim das Gymnasium Andreanum, erhielt aufgrund seiner Begabung und den mangelnden finanziellen Mitteln des Vaters ein Stipendium des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig-Lüneburg zum Studium der Theologie an der Universität Helmstedt. Auf diese Weise wollte der dem Protestantismus anhängende Herzog eine bessere Ausbildung seiner Pastoren sicherstellen. Seine erste Stelle trat Oporinus im Jahr 1600 in Brüggen an. Er heiratete Anna Peine, Tochter eines Alfelder Diakons. 1607 kommt es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen mit Mette von Steinberg, seiner Arbeitgeberin. Er wechselte in die Pfarrstelle nach Rheden, wurde besser besoldet und blieb dort bis zu seinem Tode. In der romanischen Kirche befindet sich sein Grab und die von ihm schon zu Lebzeiten in Auftrag gegebene Grabplatte, auf der sein Abbild eingemeißelt ist.

Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 brachte Seuchen und Not auch in diese Region. In den Jahren 1625, 1630 bis 34 und 1640 bis 1647 wurden Gronau, Rheden, Elze, Holzminden, Hameln und weitere Orte immer wieder Schauplatz der Kriegshandlungen der feindlichen Truppen. Sie wurden belagert, geplündert und zerstört. General Tilly, Wallenstein, der dänische König Christian IV und General Pappenheim waren hier vor Ort. Nur einmal verließ der Protestant Oporinus seine Gemeinde. In der Zeit der Gegenreformation 1630 bis 34 suchte er Zuflucht im damals schwedisch besetzten Hildesheim. Bei seiner Rückkehr fand er Rheden zerstört vor. Im Jahr 1637 wandte er sich in einem lateinisch abgefassten Text an seinen Landesherren und appellierte darin an ihn, sich für Frieden einzusetzen. Dieser Text beinhaltete ein so genanntes Palindrom, einen Vers, zu dem ein Sohn des Oporinus Noten komponiert hatte. Fasziniert konnten die Zuhörer diesem Gesang im Stil der Renaissance lauschen, den Lembke-Schlaaff in einer CD-Aufnahme in der Kirche abspielte. Dass sie die Zuhörer neugierig gemacht hatte, zeigte sich am Sonntag beim Besuch der Ausstellung im Gronauer Stadtmuseum, wo sich etliche von ihnen zur Besichtigung wiederfanden. uc

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