Interessenten für „leine-air“ an einer Hand abzuzählen / ÜWL aber will vorerst am Projekt festhalten – Antennen sind bestellt

„Aufklärung tut in jedem Fall Not“

Seit über zwei Jahren hat Despetals Politik darauf hingewirkt, dass die Breitbandversorgung nicht mehr einer Baustelle gleicht. Nun will das ÜWL eine Funklösung anbieten. Das große Interesse aber bleibt bisher aus. Foto: Klein

DESPETAL Die Nachfrage ist verhalten: Die Anzahl an Interessenten für das neue ÜWL-Projekt „leine-air“ sind an zwei Händen abzuzählen. Rund zehn Personen meldeten beim Überlandwerk in Gronau bisher Interesse an, eine Person unterzeichnete einen Vorvertrag. Ist die Internetverbindung im Despetal doch nicht so schlecht, wie die Bevölkerung stets angemahnt hat?

Despetals Bürgermeister Andreas Zastrow ist überrascht: „Wir haben über zwei Jahre darauf hingewirkt, dass hier etwas passiert.“ Sollte das Interesse weiter so gering bleiben, scheint das Despetal offenbar doch nicht „das Tal der Ahnungslosen“ zu sein, blickt der Bürgermeister auf die bisher ausgebliebene Resonanz. Für ihn sei nun entscheidend, Aufklärungsarbeit zu leisten: „Viele wissen vielleicht gar nicht, was sie jetzt tun müssen“, spricht er die im Despetal verteilten Flyer des Überlandwerks an. Viele Bürger würden der Datenübertragung per Funk, wie es das ÜWL vorsieht, zudem skeptisch gegenüberstehen. „Mit entsprechender Aufklärung könnte diesen Menschen die Angst genommen werden“, ist Andreas Zastrow überzeugt. Insgesamt sieht er den Vorstoß des Gronauer Energieversorgers als überaus positiv an: „Es ist wirklich toll, dass sich das ÜWL neuen Techniken widmet.“ Da jeder andere Provider abgelehnt habe, wird es seiner Meinung nach wohl kaum eine andere Lösung für das Despetal geben. „Es wäre bedauerlich, wenn das Angebot von der Bevölkerung nicht angenommen wird“, sagt Andreas Zastrow, der eine Vielzahl an Gründen für das zurückhaltende Interesse nennt: Immerhin sei viel Zeit ins Land gegangen, so dass sich so mancher bereits nach Alternativen umgeschaut hätte. Hinzu komme, dass sich viele Menschen sicher ein Komplettpaket, das auch den Telefonanschluss beinhaltet, wünschen würden. „Aufklärung tut in jedem Fall Not“, betont Andreas Zastrow, der sich hier eine Informationsveranstaltung wünscht: „Dann werden wir sehen, wie die Resonanz ist.“

Auch Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens hat mit „einem deutlich höheren Interesse“ für das ÜWL-Projekt gerechnet. Immerhin sei fast keine Ratssitzung vergangen, in der die „absolut unzureichende Internetverbindung“ nicht angemahnt worden sei. Deshalb sei man dem Überlandwerk dankbar für seinen Vorstoß. Der Verwaltungschef geht davon aus, dass bei einer erneuten Bewerbung des Vorhabens das Interesse noch steigen wird.

Das Überlandwerk wird jedenfalls noch am „leine-air“ festhalten: „Wir haben das Projekt noch nicht totgesagt“, teilt der technische Geschäftsführer Markus Königshofen auf Nachfrage der LDZ mit. Derzeit wartet das Unternehmen auf die für das Vorhaben nötigen Antennen. Diese sollen in etwa zwei Monaten geliefert und dann installiert werden. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung sollen der Bevölkerung die technischen Möglichkeiten aufgezeigt werden. Im ersten Schritt werden den Bürgern zwei Megabit pro Sekunde über eine Funkverbindung vorgehalten. Schritt zwei könnte dann eine sechs Megabit pro Sekunde schnelle Verbindung sein, vorausgesetzt das ÜWL gewinnt genügend Kunden. Laut Markus Königshofen wären um die 200 nötig. „Es zeichnet sich schon ab, dass bestimmte Orte Probleme haben“, informiert er. Teile von Barfelde sind ebenso betroffen wie Bereiche von Eitzum, so die bisherigen Erkenntnisse. Sollte jedoch auch bei einer Informationsveranstaltung das Interesse gering bleiben, stößt auch das ÜWL irgendwann an seine Grenzen: „Niemand wird in ein Produkt investieren, das keiner haben will.“

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