1992 gibt es bundesweit 139 Biogasanlagen, 2011 ist die Zahl auf 7 000 gestiegen

Sie sprießen aus dem Boden

Mais bleibt wichtig, die Zuckerrübe holt auf: Jörg Friehe (rechts) spricht vor dem Arbeitskreis junger Landwirte.

„Geht es auch mit weniger Mais?“ Unter dieser Fragestellung befasste sich der Arbeitskreis junger Landwirte mit Alternativfrüchten für die Biogasanlage. Im „Kronprinzen“ in Barfelde begrüßte Vorsitzender Cord Tenne als Referenten Jörg Friehe. Nach dem Agrarstudium in Göttingen forschte er einige Jahre in Braunschweig zum Thema Biogasanlagen und betreut jetzt für die Firma Agravis entsprechende Kunden im südlichen Niedersachsen.

Der Mais erfüllt in besonderem Maße die Anforderungen der Biogaserzeugung wie hohe Erträge und hohe Gasausbeute, wenig Schmutzanteil, geringe Transportkosten und gute Lagerfähigkeit. Pilzkrankheiten, Unkrautdruck und Schadinsekten wie der Maiszünsler verlangen aber auch sorgfältige Pflanzenschutzmaßnahmen. Einige gute Ergänzung stellt die Zuckerrübe dar. Ihr Zuckergehalt fördert den Umsatz in der Anlage, vielseitigeres „Futterangebot“ sorgt dort für größere Stabilität, und der gegenüber Mais höhere Wasseranteil verbessert die Handhabung der Gärmasse. Anhaftende Steine können allerdings zum Problem werden. Technisch gut durchführbar und bei vertretbaren Kosten schneidet die Lagerung im Hochsilo am besten ab, von einer Mischsilage mit Mais wird dagegen abgeraten.

„Nicht aus den Augen verlieren“ sollte man nach Friehes Worten die Futterrübe, die auf Grenzstandorten ihre Berechtigung haben kann. Grünschnittroggen bringt bei zeitiger Saat und nicht zu frühem Schnitt ansprechende Erträge, bei Ganzpflanzensilage kann der Landwirt noch eine Zweitfrucht einplanen, und er bleibt durch die Option einer Körnernutzung flexibel. Das Zweitfruchtsystem mit Mais nach Grünroggen birgt bei doppeltem Arbeitsaufwand einige Risiken, vor allem bei unzureichenden Niederschlägen. Bekannte Zwischenfrüchte wie Senf und Ölrettich scheiden wegen ihres hohen Wassergehalts als Gärfutter aus, während „Exoten“ wie Sudangras oder Zuckerhirse sich für Trockenstandorte eignen, aber äußerst windempfindlich reagieren können. Dauerkulturen, unter anderem die Durchwachsende Silphie, erfordern hohem Startaufwand, bevor sie zehn oder auch 20 Jahre lang beerntet werden. Offen bleibt , wie während dieser langen Zeit Bodenverdichtungen behoben werden sollen, oder wie eine Rekultivierung nach der Nutzungsphase vorzunehmen ist. Nach angeregter Diskussion, in der auch die Mitglieder des Arbeitskreises vielseitige Erfahrungen einbrachten, lautete das Fazit: Mais bleibt wichtigste Kuur zur Biogaserzeugung, die Zuckerrübe wird an Bedeutung gewinnen.

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