Sabine Hinst bietet Künstler Eugen Schulz beim Kunstwandeln am kommenden Wochenende ihren Hof an

Ein alter Kuhstall als Ausstellungsfläche

Sabine Hinst freut sich auf das Kunstwandeln am Wochenende. In dem alten Kuhstall ihres Hofes ist Platz für die Werke des Grafikers Eugen Schulz. Foto: Hüsing

WALLENSTEDT Was 2009 aus einer spontanen Idee geboren wurde, hat sich zu einem Kulturhighlight im Leinebergland entwickelt. Am 19. und 20. Juli sind Gäste zum dritten Mal eingeladen, durch die beiden Dörfer Wallenstedt und Rheden zu spazieren, lustzuwandeln, zu entdecken, zu fragen, zu staunen und Kunst zu genießen.

Eine ausgesuchte Gruppe von zehn renommierten, deutschen Künstlern stellt in den beiden Dörfern aus, einbezogen wird auch der ortsansässige Bildhauer Otto Almstadt. Die Ausstellungsorte sind bewusst in das ländliche Umfeld verlegt, ausgestellt wird in Scheunen, in Gärten, auf sonst unzugänglichen Höfen, einfach an ungewöhnlichen Orten. Dadurch entfällt die für viele Menschen bestehende Hürde, eine Galerie, ein Museum oder einen nur für Kunst geschaffenen Ausstellungsraum betreten zu müssen.

Einen dieser ungewöhnlichen Orte stellt Sabine Hinst. Zusammen mit ihrem Mann Stephan Leintz ist sie vor 18 Jahren nach Wallenstedt gezogen. „Ich bin auf einem Dorf bei Segeberg groß geworden und nach einiger Zeit im Süden Deutschlands sowie in Hildesheim hat es mich wieder auf das Land gezogen“, erzählt sie. „Wallenstedt lebt und hat eine gesunde Gemeinschaft, das liebe ich an diesem Dorf.“ Umso mehr freut es sie, Teil des Kunstwandelns in Wallenstedt und Rheden zu werden. „Vor fünf Jahren haben wir unseren Hof ebenso wie vor drei Jahren als Ausstellungsfläche zur Verfügung gestellt“, sagt Sabine Hinst. Die Wallenstedterin genießt selbst die Möglichkeit, durch Wallenstedt nach Rheden zu wandeln und sich hier und da in den Innenhöfen umzusehen. Zwar habe Wallenstedt nur knapp 400 Einwohner, aber die seien aktiv. „Unsere Jugendfeuerwehr unternimmt viel zusammen, organisiert einen Dorfflohmarkt und hält zusammen“, freut sie sich das dieses Zusammengehörigkeitsgefühl weitergegeben wird. Gerne trifft sie sich mit ihren Nachbarn auf einen kleinen Schnack.

Dies soll auch am kommenden Wochenende wieder möglich sein. „Morgens nehme ich den Künstler in Empfang und zeige ihm alles, aber dann werde ich selbst flanieren“, passt Sabine Hinst nicht die ganze Zeit auf ihren Hof auf, sondern nimmt teil an der außergewöhnlichen Veranstaltung.

Bisher sind die Künstler auf dem Hof Hinst/Leintz immer in der Remise untergekommen. Doch die steht mit einem der Hobbys des Ehepaars voll – alten Fahrzeugen. „Aber ich fege einfach den alten Kuhstall aus und hänge zum Schutz vor dem Wetter eine Plane auf, dann entsteht dort eine wunderbare Fläche zum Ausstellen“, sieht Sabine Hinst dem Wochenende gelassen entgegen. „Als Arbeit nehme ich die kleinen Vorbereitungen wie das Legen einer Kabeltrommel nicht wahr. Die Organisatoren haben ihre Sache im Griff“, spricht sie auch Sabine Zimmermann und ihrem Team vom Kulturkreis Gronau ein dickes Lob aus. Im alten Kuhstall wird Eugen Schulz aus Berlin sein „Quartier“ aufschlagen. „Er ist Grafiker und kann die Wände und alten Holzbalken sicherlich als Ausstellungsfläche nutzen“, kann sich Sabine Hinst schon vorstellen, wie ihr Hof am Wochenende aussehen wird, auch wenn sie die Arbeiten des Künstlers nicht kennt. „Die Organisatoren suchen die Künstler aus und teilen sie uns zu“, hat Hinst mit der Auswahl nichts zu tun. Bei ihren Nachbarn wird zum Beispiel Keramik ihren Platz finden. „Beim ersten Kunstwandeln waren es Skulpturen aus Kunststein, beim zweiten Mal ein Künstler der mit Filz und Holz arbeitet“, zeigt sich Sabine Hinst gespannt, welche besondere Form der Kunst ihr diesjähriger Gast für sich gewählt hat. „Es waren bislang alles Künstler, die ihren Beruf lieben und außergewöhnliche Ideen haben“, so Hinst. Damit das Kunstwandeln für die Besucher ein voller Genuss wird, ist die Straße zwischen den beiden Dörfern Wallenstedt und Rheden für den motorisierten Verkehr gesperrt. Rikscha und Kutsche stehen aber bereit, um den Weg zu verkürzen (Rikscha- und Kutsche sind kostenpflichtig). Entlang der Straße gibt es kulinarische Angebote, die Gastronomien der beiden Orte sind ebenfalls geöffnet. An diesem Wochenende wird die Cosmas- und Damian-Kirche in Rheden durchgängig zu besichtigen sein, der Brunottesche Hof ist täglich um 14 und 16 Uhr für Führungen zugänglich.

Auch in diesem Jahr gibt es einen gemeinsamen Ausstellungsort mit je einer Arbeit von jedem der teilnehmenden Künstler. Dort, in der ehemaligen Schule in Rheden, wird das Projekt am Sonnabend, 19. Juli, um 11 Uhr feierlich durch Samtgemeindebürgermeister Rainer Mertens und Bürgermeister Hartmut Leske eröffnet. Ab 12 Uhr sind dann alle Ausstellungsorte geöffnet, täglich bis 18 Uhr. Das Kunstwandeln ist kostenfrei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare