Chorgemeinschaft Marienberg verabschiedet sich mit einem Konzert am 1. Dezember / Erinnerungen bleiben

„Wir schaffen das alles nicht mehr“

Vor gut 30 Jahren gehörten durchschnittlich 80 Sänger der Chorgemeinschaft Wülfingen hat. Nun hat sich der Bestand stark reduziert.

WÜLFINGEN Wo man singt, da lass dich nieder: Das hatte sich vor vielen Jahren auch Fritz Schütz gedacht, als er gemeinsam mit seiner Familie nach Wülfingen zog und sich bald darauf der fleißigen Sängern anschloss, die bis heute unter dem Namen Chorgemeinschaft Marienberg mit zahlreichen Konzerten ein Lächeln auf die Gesichter der Menschen zaubern. Jetzt soll allerdings Schluss sein: „Der Vorstand tritt geschlossen zurück, und alle aktiven Sänger hören auf“, sagt Schütz.

Seit mehr als 40 Jahren ist er nun schon im Vorstand vertreten, zuletzt als Vorsitzender. Das jetzt plötzlich Schluss sein soll, mag für viele überraschend sein, doch sei eine Tendenz schon längere Zeit absehbar gewesen. „Die Sänger werden immer älter, und uns fehlt einfach der Nachwuchs“, erklärt Schütz. Noch vor 30 Jahren hätten mehr als 80 Sänger aus Wülfingen, Betheln und Groß Escherde der Chorgemeinschaft angehört, jetzt seien es nur noch rund 30. So gebe es aktuell noch sechs Sänger aus Betheln, elf aus Groß Escherde und 14 aus Wülfingen. „Bei vielen macht sich das Alter stark bemerkbar“, sagt Schütz, so falle es dem ein oder anderen schwer, über einen langen Zeitraum zu stehen. „Wir haben Sänger, die schon mehr als 80 Jahre alt sind“, betont Schütz. „Wir schaffen das alles nicht mehr.“

Hinzu kam außerdem die Tatsache, dass die Chorleiterin Bärbel Sackmann, die auch die Ith-Sänger betreut, von ihrem Amt zurücktrat: „Das ist sehr schade, aber man muss so eine Entscheidung akzeptieren“, sagt Schütz. Die sich lichtenden Reihen und der fehlende Sänger-Nachwuchs sprechen eine zu deutliche Sprache. „Es ist schade, dass sich jüngere Menschen nicht mehr für unsere Art von Musik begeistern können“, bedauert Schütz.

Gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls als Sängerin aktiv ist, und der Chorgemeinschaft hat er viel erlebt. Ein besonderer Höhepunkt sei dabei ein spontanes Konzert in der Klosterkirche Andechs gewesen: „Ich hatte wirklich Gänsehaut und freue mich noch heute über die Ehre, dort gesungen zu haben“, erinnert sich der Vorsitzende. Doch nicht nur in Süddeutschland haben die Sänger ihr Publikum begeistert. „Wir waren in ganz Deutschland unterwegs“, blickt Schütz auf die vergangenen Jahre zurück, die voller schöner Erinnerungen sind.

Und dennoch, müsse man wissen, wenn etwas zu ende ist: „Nach unserem letzten gemeinsamen Essen am 9. Dezember tritt der Vorstand geschlossen zurück“, sagt Schütz. Sein Hobby in einem anderen Chor weiterzuführen, komme für ihn derzeit nicht infrage. „Das ist auch nicht ganz einfach, weil viele Chöre nicht gerne alte Menschen aufnehmen.“ Auch die Tendenz in die Richtung von Projektchören entspreche nicht seiner Vorstellung. Schließlich gehe es auch um das Miteinander und den Zusammenhalt, der sich erst über die Jahre zeige.

Doch auch wenn für die Sänger der sprichwörtlich letzte Vorhang fällt, lassen sie es sich nicht nehmen, sich von ihrem Publikum mit einem letzten Konzert zu verabschieden. So präsentiert sich die Chorgemeinschaft Marienberg am Sonntag, 1. Dezember, zum letzten Mal in der Wülfinger Kirche. Zwar ohne Chorleiterin, dafür aber begleitet von der Wülfinger Akkordeongruppe werden die Sänger im Rahmen eines Gottesdienstes einige Stücke zu Gehör bringen. Beginn des Abschlusskonzertes ist um 16 Uhr. Zu hören gibt ein Potpourri aus Klassik, populärer und weihnachtlicher Musik.

„Wir verabschieden uns mit einem weinenden und einem lachenden Auge“, sagt Schütz. Schließlich aber bleiben ihm zahlreiche Erinnerungen an eine schöne und musikalische Zeit.

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