1950 verlässt Klaus Zschocke Mehle in Richtung Argentinien / Im Dorfarchiv trifft er jetzt auf ehemalige Schulfreunde

Ein Wiedersehen nach 65 Jahren

Das gemeinsame Einschulungsfoto von 1949 in der Hand: Nach mehr als 65 Jahren sehen sich die einstigen Schulkameraden Renate Heering, Klaus Zschocke und Werner Staats (von links) wieder.

MEHLE „Auf der Straße hätten wir uns nicht erkannt“, sagt Renate Heering und lacht. „Wir“, damit meint die Mehlerin sich und den neben ihr stehenden Klaus Zschocke. Dass sie sich nicht wiedererkannt hätten, ist kein Wunder. Das letzte Mal, dass sich die beiden gesehen hatten, liegt immerhin schon mehr als sechs Jahrzehnte zurück.

Damals waren beide noch Grundschüler in Mehle. Dann, 1950, zog es die Familie von Klaus Zschocke in die Ferne. Sie verließen ihr Mehler Zuhause an der damaligen Dorfstraße – heute Wiedfeldstraße – und zogen nicht etwa in eine andere Straße oder eine andere Gemeinde, sondern auf einen ganz anderen Kontinent. „Das war eine völlig andere Welt. Ich kannte dort nichts und niemanden“, erinnert sich Klaus Zschocke an seine ersten Eindrücke in der neuen Heimat Argentinien.

Dort war bereits sein Onkel sesshaft geworden, fortan war Buenos Aires auch die neue Heimat der Familie aus Mehle. Zunächst bleibt der damals achtjährige Klaus mit seinen Spiel- und Schulkameraden in Mehle in Kontakt. Briefe schreibt er ihnen, adressiert an die Schule. Irgendwann, wie das nun mal so ist im Laufe der Zeit ist, riss der Faden in die ehemalige Heimat in Niedersachsen ab. Rund 65 Jahrte später entdecken die Hobbyhistoriker vom Dorfarchiv Mehle einen vergilbten Brief in ihrer Sammlung. Es ist jener, den Zschocke direkt nach seiner Ankunft in Buenos Aires gen Mehle schickte. Der Mehler Manfred Neumann machte sich an die Recherche (die LDZ berichtete). Und tatsächlich konnte er Klaus Zschocke ausfindig machen.

Doch nicht etwa im fernen Südamerika, sondern im hannoverschen Marienwerder. Dort lebt der heute 73-Jährige. Argentinien nämlich hat er bereits 1963 wieder den Rücken gekehrt. In einer mehrmonatigen Heimreise: „Ich hatte die Gelegenheit, auf dem Schiff zu arbeiten“, zog es ihn als jungen Erwachsenen wieder zurück nach Deutschland. Die Erinnerungen an die Zeit in Buenos Aires sind jedoch geblieben. In Erzählungen und anhand von alten Schwarz-Weiß-Fotos kann er daher seinen ehemaligen Grundschulkameraden ausführlich über seine Erfahrungen und Erlebnisse während der Schulzeit in Südamerika berichten.

Aber auch Erinnerungen an die gemeinsame Zeit in Mehle werden aus dem Gedächtnis gekramt, Namen auf dem Einschulungsfoto von 1949 zugeordnet und Anekdoten aus längst vergangenen Zeiten zum Besten gegeben. „Ich war sehr gespannt, mal wieder nach Mehle zu kommen“, sagt Klaus Zschocke. Seit seine Familie die Ortschaft verlassen hatte, war er bisher nur ein-, zweimal wieder in Mehle. Doch nachdem nun der Kontakt wieder hergestellt ist, wird er jetzt bestimmt nicht das letzte Mal in seiner „alten“ Heimat gewesen sein.

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