„Emotionale Schwerarbeit“: AWO-Kita startet mit elf Allerkleinsten ins Krippenjahr

„Wichtig, dass Drittkraft gesetzlich verankert ist“

Spielerisch entdecken die Ein- und Zweijährigen die Welt: Um die Krippen bei den Aufgaben der frühkindlichen Bildung zu unterstützen, hat das Land seit Jahresbeginn die Drittkraft in Krippen gesetzlich verankert. Fotos: Appel

ELZE „Die erste Woche war emotionale Schwerstarbeit – für die Kinder, die Eltern und auch die Erzieherinnen“, sagt Dagmar Kruska-Noack. Und schiebt schnell hinterher: „Aber wir haben einen tollen Start erlebt.“ Lange bevor die Schulkinder wieder ihre Rucksäcke und Ranzen packen müssen, sind in den Kindertagesstätten die deutlich kürzeren Sommerferien schon zu Ende. Doch wie in der Schule fängt auch dort das „neue Jahr“ stets mit einem Schwung Neuzugänge an. Besonders bei den Allerkleinsten, in den Krippengruppen, ist aller Anfang schwer.

Gleich elf Kinder hatten die Krippengruppe der AWO-Kindertagesstätte Elze in Richtung Kindergartengruppe verlassen. Entsprechend groß war nun die Rasselbande an Kleinkindern, die neu in die Kita an der Sedanstraße einzogen. Dass der Start für Ein- und Zweijährige, die erste Trennung von den Eltern, durchaus tränenreich sein kann, liegt auf der Hand. Aber auch für die Eltern ist dies ein großer Einschnitt, gilt es doch für beide Seiten nun Schritt für Schritt sich voneinander loszulösen. Nicht minder groß sind die Herausforderungen für die Krippen-Mitarbeiter. Zum einen körperlich, denn so manches Kind, das erst seinen ersten Geburtstag gefeiert hat, muss noch getragen und gehoben werden, weil es erst dabei ist, laufen zu lernen. Aber auch psychisch. „Jetzt auf einen Schlag ein Start mir elf Krippenkindern ist schon enorm“, betont Kruska-Noack voll des Lobes für ihre Mitarbeiterinnen.

Zudem verdeutlicht die Einrichtungs-Leiterin, welche Bedeutung der Betreuungsschlüssel gerade in der Krippe hat. „Dass der Schlüssel angehoben wurde war eine wichtige Voraussetzung, damit ein adäquate Betreuung zu leisten ist“, sieht Kruska-Noack den Gesetzgeber auf dem richtigen Weg. Das Land Niedersachsen hat zum Start des Jahres den Personalschlüssel in Krippengruppen verbessert und finanziert die so genannte „Dritte Kraft“.

Fünf Kinder pro Kraft

So finanziert das Land seit Januar eine dritte Fach- oder Betreuungskraft in Krippengruppen mit mindestens elf belegten Plätzen. Damit wandelt sich der gesetzliche Mindestpersonalschlüssel von zuvor einer Betreuungskraft auf rechnerisch 7,5 Kinder bei einer maximalen Gruppengröße von 15 Kindern unter drei Jahren auf eine Betreuung von fünf Kindern pro Betreuungskraft. Kritik gab es für die Landesregierung dennoch, denn die dritte Kraft wird nur bis zur Höhe des üblichen Gehaltes einer Sozialassistentin bezahlt und zunächst auch nur für 20 Betreuungsstunden in der Woche. Ab August 2016 werden jährlich aufsteigend weitere drei Stunden finanziert, bis die Einführung zum 1. August 2020 abgeschlossen ist.

Dass der Gesetzgeber aber einen Anfang zur besseren Personalausstattung gemacht hat, begrüßt Kruska-Noack. „Unabhängig davon, dass wir in Elze von der Kommune bereits unterstützt wurden, war es wichtig, dass dies vom Land gesetzlich festgezurrt wurde und finanziert wird und auch die Vertretungsregelung gegenfinanziert wird“, so die Kita-Leiterin. Nicht nur vor dem Hintergrundder zahlenmäßig großen Gruppe an Neuankömmlingen in der Einrichtung an der Sedanstraße, sondern auch aus Erfahrung weiß Kruska-Noack zu berichten, dass die Tendenz zur Krippenbetreuung weiter zunimmt.

Für 15 Kinder unter drei Jahren ist die Krippengruppe der AWO-Einrichtung in Elze ausgelegt. Bis auf einen Platz ist die Gruppe derzeit voll ausgeschöpft. Eine muntere und lebhafte Rasselbande, die teilweise ganztags betreut wird. „15 ist genau die richtige Anzahl, um einen hausinternen Übergang zu gewährleisten“, sagt Kruska-Noack mit Blick auf die zwei Kindergarten-Gruppen im Haus. Auch nach der Kindergarten-Laufbahn bleiben einige Kinder im Hort, in dem Schüler im Anschluss an die Schule ab 13 Uhr und auch in den Ferien eine verlässliche Betreuung finden, dem Haus treu. „Wir haben hier Kinder, die schon sieben Jahre hier sind. Wir sind hier auch ein Stück weit ein Zuhause.“

Doch auch an dieses Zuhause müssen sich die Allerkleinsten erst einmal gewöhnen. Schritt für Schritt geschieht dies während der Eingewöhnung, die an der Sedanstraße bereits mehrere Monate vor dem Krippenstart anlief. Peu à peu konnten sich die Kinder in Begleitung ihrer Eltern an die Bezugspersonen, das Haus und Abläufe in der Einrichtung gewöhnen. Nichtsdestotrotz: Die ersten Tagen ohne Mami oder Papi sind dennoch nochmal etwas anderes... „Da ist auch im Tagesablauf noch etwas Improvisation gefragt“, erläutert Kruska-Noack schmunzelnd, wie die ersten Tage im kleinen „Ausnahmezustand“ gemeistert werden.

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