Kirchengemeindeverband Elze-Eime hilft 33 Familien beim Kauf von Schulmaterial

Wenn das Geld für Bleistift und Co. knapp ist

Pastor Thomas Guddat und Katharina Körbes, Diakoniebeauftragte des Kirchengemeindeverbands Elze-Eime, wissen, dass der Schulstart für finanzschwache Familien zur Belastung werden kann. Mit dem Projekt „Lisa und Jan - gemeinsam gegen Kinderarmut“ unterstützt der Kirchengemeindeverband. Foto: Appel

Elze / Eime Die Halbzeit der Ferien ist überschritten, in großen Schritten geht es nun auf den Schulstart zu. Doch so sehr gerade angehende ABC-Schützen dem Beginn ihrer „Schulkarriere“ auch entgegenfiebern – bei manchen Eltern sorgt der Schulbeginn auch für Sorgenfalten. Vom Ranzen bis zum Malkasten, vom Turnbeutel bis zur Bastelschere – bevor die Erstklässler ihre ersten Schreibübungen angehen, gilt es für die Eltern eine lange Einkaufsliste abzuarbeiten, damit der Nachwuchs für das Lernen gerüstet ist. Was aber machen Eltern mit einem geringen Einkommen, die sich den teuren Schulstart der Kinder gar nicht leisten können?

Für die komplette Grundausstattung eines Erstklässlers hat die Gesellschaft für Konsumforschung einen durchschnittlichen Betrag von 238 Euro pro Kind errechnet. Dafür haben die Eltern unter anderem Blei- und Buntstifte, Etui, Hefte und Radiergummi im Einkaufswagen. Katharina Körbes schätzt die Summe, die für die Ausstattung eines Schulstarters fällig ist, sogar noch deutlich höher ein: „Wir hatten mal an die 400 Euro errechnet“, nennt die Diakoniebeauftragte des Kirchengemeindeverbands Elze-Eime.

Gutscheine

Seit 2012 unterstützt der Kirchengemeindeverband im Rahmen des Projektes „Lisa und Jan - gemeinsam gegen Kinderarmut“ finanziell bedürftige Familien bei der Beschaffung von Schulmaterial. 33 Gutscheine à 100 Euro, die bei Sandra Schmidt in Elze beziehungsweise im Schreibwarenfachgeschäft Thöne in Gronau eingelöst werden können, sind es vor Beginn des anstehenden Schuljahres, die einen Beitrag dazu leisten werden, dass Schulanfänger oder angehende Fünftklässler die notwendige Ausstattung erhalten. Wenngleich sicher auch Unterstützungsbedarf in anderen Altersklassen vorhanden ist, konzentriert sich die Aktion auf Erst- und Fünftklässler. „Wir müssen Einschränkungen machen. Beim Schulstart und dem Wechsel in die fünfte Klasse ist der Bedarf einfach am größten“, verdeutlicht Körbes.

„Die Summe für die Gutscheine dieses Jahr ist finanziert“, freut sich Pastor Thomas Guddat über die eingegangenen Spenden, die das Projekt finanzieren. „Wir sind stolz darauf, dass so viele Menschen zusammengelegt haben“, so der Geistliche aus Eime. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch gewesen, das Thema im Rahmen von Gottesdiensten und der Kollekte anzusprechen, um gleichsam über die Hintergründe und Notwendigkeit der Unterstützung zu informieren.

„Versteckte Armut“

„Es zeigt sich hierbei eben auch die ,versteckte Armut’, die im Alltag in den kleinen Ortschaften meist nicht sichtbar ist“, so Guddat. Entstanden sei das Projekt auch, weil erkannt wurde, dass von staatlicher Seite aus Lücken entstanden sind. „Bildung ist immens wichtig“, verdeutlicht Körbes. „Es ist auch unsere Aufgabe geworden, dort Menschen zu unterstützen.“

Sicher, es gibt für finanziell schwächere Familien die staatliche Förderung der Schulausstattung aus dem Paket „Bildung und Teilhabe“. 70 Euro erhalten Eltern zum August und 30 Euro zum Februar eines Jahres, um die Schulmaterialien gerade zu Beginn des Schuljahres und auch des zweiten Halbjahres abdecken zu können. Notwendig ist hierfür ein schriftlicher Antrag bei der zuständigen Behörde. Diese kann bestimmte Nachweise verlangen. Nicht jede Familie traut sich, die Hemmschwellen zu überwinden.

Kein Papierkrieg

Anders als beim staatlichen Förderangebot kommt das „Lisa und Jan“-Projekt ohne Papierkrieg aus. „Es wird nicht geschaut, ob jemand bestimmte Leistungen oder ähnliches bezieht. Die Familien müssen auch nicht selbst tätig werden und bleiben anonym“, verdeutlicht Körbes. Im Frühjahr fragt sie bei den Kita-Leitungen und den Klassenlehrern der Grundschulen in Elze, Eime und Mehle ab, wo Bedarf besteht. Unbürokratisch, anonym und eine Hilfe, die speziell und ausschließlich den Kindern zu Gute kommt.

Wie wichtig diese Anschubfinanzierung sein kann, verdeutlicht Pastor Guddat: „Es ist auch für das Selbstwertgefühl der Kinder wichtig, dass sie vernünftige Dinge haben“, verweist er auf die emotionale Belastung und Ausgrenzung, die Kinder aus einkommensschwache Familien in der Schule erfahren können. Entsprechend positive Rückmeldungen erhalten die Verantwortlichen von Familien, die über die Unterstützung dankbar sind.

Wenngleich dank der Spenden von Privatpersonen, Firmen und im Rahmen der Kollekten in den Gotteshäusern des Gemeindeverbands in diesem Sommer der anvisierte Betrag erreicht wurde, so ist jede weitere Hilfe gern gesehen. „Die Situation wird jedes Jahr da sein“, sagt Körbes. Wer die Aktion „Lisa und Jan“ unterstützen will, kann eine Einzahlung auf das Konto 12790600 bei der Volksbank Leinetal, (Bankleitzahl 25069168) IBAN: DE34 2506 9168 0012 7906 00, vornehmen.

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