Rettungskräfte sammeln Erfahrung bei Großübung / 25 „Verletzte“ in täuschend echtem Szenario geborgen und versorgt

Bus verursacht Massenkarambolage

Blick über einen Teilabschnitt der Einsatzstelle: Der umgekippte Bus sowie der Lastwagen und die Autos in der näheren Umgebung sind bereits „abgearbeitet“.

ELZE Markerschütternd schreien die Verletzten um Hilfe. „Der verblutet hier. Hilf uns doch mal jemand“, so ein sichtlich verzweifelter Mann. Doch sein Klagen geht zunächst im Durcheinander aus Stöhnen, Schreien, zerborstenem Glas und zersplittertem Metall unter. Von Fahrzeug zu Fahrzeug eilt derweil ein Feuerwehrmann aus Elze: Thomas Heise, stellvertretender Ortsbrandmeister, versucht sich, einen Überblick zu verschaffen und als erste Führungskraft am Ort zu ordnen, was zu ordnen ist.

Doch das ist gar nicht so einfach. Ein Linienbus liegt auf der Seite, gerammt von einem Lastwagen. Gleich mehrere Autos im näheren Umfeld liegen schwer beschädigt auf der Seite oder auf dem Dach. Unter den schweren Rädern eines Lastwagens klemmt ein gestürztes Motorrad. Und überall schreien Verletzte, Eingeklemmte und überforderte Ersthelfer.

Nur wenige Minuten zuvor hatten die Sirenen und Alarmempfänger Heise und seine Kameraden aus ganz Elze alarmiert. Nun sind sie mitten im Chaos eines Massenunfalls auf der alten B 3 zwischen Gronau und Elze.

„Das Szenario der Großübung ist, dass ein Linienbus bei hoher Geschwindigkeit mit anderen Fahrzeugen kollidiert und umgestürzt ist. Infolge des ursächlichen Unfalls kommt es durch Kettenreaktionen und Unachtsamkeit zu weiteren Unfällen“, so die Beschreibung von Heiko Buschmann, stellvertretender Stadtbrandmeister Elzes und Übungsverantwortlicher. Insgesamt sind in den Unfall zwei Busse, sechs Autos, mehrere Lkw und ein Motorrad verwickelt. Angesichts von mehr als zwei Dutzend verletzten Personen, davon zwölf Schwerverletzte, und der Länge der Einsatzstelle von mehreren hundert Metern ist die Großübung mit dem Spitznamen „Das große Ding“ für die Beteiligten kein Alltag.

Täuschend echt

Ausgearbeitet und koordiniert wurde sie von Buschmann sowie Torben Brunotte aus Elze und Christian Kerner aus Gronau. Die Unfalldarstellung Bad Münder organisierte und schminkte die täuschend echt wirkenden Verletzten. Wie im „echten Leben“ ist auch bei einer so großen Übung nicht alles vorhersehbar. Punkt 12.45 Uhr am Sonnabend gibt Buschmann an die Leitstelle durch, zu alarmieren. „Die ersten dürften in etwa zehn Minuten hier sein. Nur der Bahnübergang könnte Probleme machen. Das ist dann eben wie im Realeinsatz“, so Kerner. Und wie im „Realeinsatz“ verkompliziert der Bahnübergang tatsächlich die Anfahrt. Anstatt aus Richtung Elze stoßen so die ersten Feuerwehrkräfte aus Richtung Gronau zur Unfallstelle. Der Richtung, aus der auch die Rettungskräfte des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) erwartet werden.

Zugang von zwei Seiten

Bis zu sieben Fahrzeuge des ASB rasen zur Unglücksstelle. „Die Größe der Einsatzstelle und der Zugang von zwei Seiten, das ist eine echte Herausforderung“, weiß Buschmann.

Insgesamt werden alle Wehren der Stadt Elze herbeigerufen. Doch da die eigenen Gerätschaften nicht ausreichen, werden Kameraden aus Gronau, Banteln und Eime zusätzlich nachalarmiert, so dass fünf Rüstsätze an der Einsatzstelle zur Verfügung stehen. Insgesamt sind schließlich rund 140 Retter vor Ort. „Die Kräfte werden so eingeteilt, wie sie eintreffen“, erläutert Einsatzleiter Manfred Preuß, Ortsbrandmeister in Elze. So kümmern sich beispielsweise die Eimer Wehr um den Gefahrgutunfall während die Kollegen aus Elze den umgestürzten Linienbus bearbeiten. Dieser ist mit dem komplizierten Zugang zu den Verunglückten und dem verkeilten Lastwagen eine echte Herausforderung. Rund eineinhalb Stunden nach der Alarmierung werden die letzten Verletzten versorgt.

„Bei einer so riesigen Einsatzstelle ist die Zeit normal“, beruhigt Buschmann. Zumal im Ernstfall noch mehr Wehren, mehr Personal, gerufen worden wären. So sieht Buschmann in einem ersten Fazit nur wenig Anlass zur Kritik: „Es ist alles fach- und sachgerecht abgearbeitet worden“, verdeutlicht er seinen „positiven Eindruck“. Auch wenn in der Chaosphase zunächst der eine oder andere Kamerad überfordert wirkte. „Eine Überforderung, die erst einmal jeder gehabt hätte. Und genau deswegen machen wir die Übung“, so Buschmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare