Priesteranwärter des Bistums Hildesheim besuchen Bahnhofsmission in Elze

Unterstützung trotz knapper Umsteigezeit

Volles Haus bei Silvia Franke und Helma Thiele: Angehende Priester aus der Ausbildung des Bistums Hildesheim besuchen die Bahnhofsmission in Elze, um mehr über die Arbeit der Ehrenamtlichen zu erfahren. Foto: Hüsing

ELZE Helma Thiele und Silvia Franke stehen am Bahnsteig. Wie immer nehmen sie die Fahrgäste in Elze in Empfang. Doch diesmal schauen sie nicht nur, ob ein Reisender beim Aussteigen oder Gleiswechseln Hilfe benötigt, sondern sie nehmen ihre Besucher in Empfang. Eine Gruppe von 15 Männern steigt in Elze aus dem Zug. Es handelt sich um Theologiestudenten und angehende Priester in verschiedenen Stadien der Ausbildung.

„Wir treffen uns jedes Jahr an einem Wochenende im Januar mit allen, die Priester im Bistum Hildesheim werden möchten. Es sind Studenten aus dem ersten Semester, aber auch bereits geweihte Diakone dabei“, erzählt Peter Nagel. Er gehört als Vertreter des Caritasverbandes des Bistums Hildesheim der munteren Gruppe an. „In diesem Jahr haben sich die Teilnehmer als Thema Ehrenamt und Caritas ausgewählt“, sagt er.

Erste Station am Sonnabend ist der Bahnhof in Elze. Nur wenige der Anwärter haben hier schon einmal Halt gemacht. „Wie viele Einwohner hat Elze?“, lautet daher auch eine der Fragen, die die Männer an die beiden Damen der Bahnhofsmission stellen. „Sechs bis neun“, antwortet Helma Thiele. Und Gregor Schneider-Blanc vom Bistum Hildesheim ergänzt: „Tausend.“

Fünf dieser 6 000 Einwohner sind ehrenamtlich für die Bahnhofsmission in Elze tätig. „Wir sind montags bis freitags von 8.30 bis 15 Uhr vor Ort“, plaudert Helma Thiele mit den Gästen. Angefangen habe in Elze alles vor etwa 30 Jahren. „Da kamen viele Menschen aus Friedland, die alle in Elze umsteigen mussten“, erzählt die 74-Jährige: „Da hatten die Helfer früher viel zu tun.“ Aber auch in diesen Tagen ist es keinesfalls ruhig oder langweilig.

Immer gut zu tun

„Wir dachten, dass wir durch den Fahrstuhl weniger zu tun bekommen. Stattdessen helfen wir jetzt vielen Reisenden, die unsicher sind, beim Fahrstuhlfahren“, sagt Thiele. Während die Reisenden dann mit ihrem Gepäck bequem den Fahrstuhl nutzen können, laufen die „Blauen Engel“, wie die Mitarbeiter der Bahnhofsmission liebevoll genannt werden, die Treppen zum anderen Gleis, um die Zugtür aufzuhalten. „Die Umsteigezeit beträgt nur knapp drei Minuten, das ist ganz schön knapp“, weiß auch Silvia Franke.

Die Elzerin ist früher selbst oft von Osterwald bis Laatzen gependelt, um ihre Mutter zu pflegen. „Als sie ins Altenheim kam, saß ich drei Monate zuhause. Dann habe ich die Leiterin der Bahnhofsmission angesprochen, ob sie mich nicht gebrauchen kann“, erzählt Silvia Franke ihre Geschichte. Bezahlt werden die Frauen für ihre Arbeit nicht, sie erhalten lediglich einen kleinen Obolus, „um sich die Schuhe neu besohlen zu lassen“, wie Helma Thiele schmunzelnd einwirft. Durch das wiedereröffnete Lokal hätten sie aber Konkurrenz bekommen. „Jetzt fragen viele dort nach einer Toilette“, sagt Franke. Die Damen von der Bahnhofsmission sind ein eingespieltes Team, wie auch die Besucher erfahren. So hatte ein Mann, der zwischenzeitlich aushelfen wollte, es schwer. „Er wollte uns befehlen, was wir machen sollen“, hielt er sich nicht sehr lange.

Um sich weiterzubilden und auszutauschen, nehmen die Ehrenamtlichen an Schulungen teil. Hier hat Silvia Franke auch gelernt, in schwierigen Situationen ruhig zu bleiben. „Wir hatten einmal eine Dame mit psychischen Problemen bei uns in der Küche sitzen“, erzählt sie. Die Reisende hätte nicht gehen wollen, das Frühstück der Ehrenamtlichen verdrückt, sei immer wieder eingeschlafen und habe Silvia Franke letztendlich so geschubst, dass sie mit dem Rücken an den Schrank gekracht ist. „Wir haben dann die Polizei gerufen“, erzählt Franke von einer eher beängstigenden Situation, die allerdings nur sehr selten vorkomme: „Die meisten Erlebnisse sind positiv. Ein kleines Lächeln oder ein leises Dankeschön reicht mir schon, um zu wissen, warum ich in der Kälte stehe“, macht die Arbeit Silvia Franke und ihren Kollegen viel Spaß. Hiervon können sich auch die Studenten aus Hildesheim überzeugen, bevor sie weiter nach Göttingen fahren. „Wir werden dort noch einen Mittagstisch und ein Altenheim besuchen. Mit diesem Teil der karitativen Arbeit kommen die angehenden Priester auch später immer wieder in Kontakt“, ist es Gregor Schneider-Blanc wichtig, auch praktische Einblicke zu gewähren. kim

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