Elzer Stadtgeschichte: Werner Beermann stellt sein neues Buch „Industrie, Manufaktur, Handwerk“ vor

„Unternehmen prägen eine Stadt“

Werner Beermann (hinten) ist den Nachkommen der Elzer Unternehmer für die reichlichen Informationen zu den einstigen Elzer Unternehmen dankbar. Foto: Hoffmann

ELZE Fast zwei Jahre lang recherchierte Werner Beermann, um alle Informationen über längst vergangene Elzer Betriebe zusammenzutragen. Nachdem der Berufsschullehrer viel Zeit und Herzblut in das umfangreiche Projekt gesteckt hatte, konnte er sein Buch „Industrie, Manufaktur, Handwerk“ nun schließlich am vergangenen Montagabend offiziell vorstellen.

„Entstanden ist die Idee zu diesem Buch vor etwa vier oder fünf Jahren nachdem das Buch Elzer Waggon über die Geschichte der Fabrik von Heine und Holländer bis Waggonbau Graaff und VTG AG fertiggestellt war. Von anfänglich 600 Ausgaben, gibt es heute nur noch sechs zu erwerben. In Elze gab es aber noch viel mehr interessante Firmen, deshalb wollte ich weitermachen und die Geschichte fortführen“, berichtete Werner Beermann. Unternehmen prägen eine Stadt, so identifizierte sich Elze auch durch die ehemaligen Betriebe. Viele Bürger arbeiteten in den Unternehmen und sorgten so für ein festes Einkommen in den Familien. Noch heute werden einige Areale der ehemaligen Firmen anderweitig genutzt.

Um Informationen zu erhalten, sprach Beermann mit den Nachfahren der Unternehmensgründer. „Ich bin zu den Nachkommen gefahren und habe gefragt, ob sie noch Unterlagen über die ehemaligen Betriebe besitzen. Anschließend habe ich Urkunden und Fotos eingescannt und das Material chronologisch geordnet. Dabei standen mir die Nachfahren bei Fragen immer wieder zur Verfügung. Dies war ganz besonders wichtig für die Entstehung des Buchs. Daher möchte ich mich ganz besonders bei Veronika Büschgens, Dieter und Hannelore Richers, Dieter und Christa Kaufhold, Sigrun Overesch und Michael Bokemeyer für die reichlichen Informationen bedanken“, so Beermann zu seinem Vorgehen.

Fast 100 Jahre

Eine der damaligen Unternehmen war die Firma Kösel an der Löwentorstraße, die Anfang 1900 von Fritz Kösel gegründet wurde. Die Firma war ein Dampf- und Motorwalzenbetrieb und vermietete Maschinen im Raum Hildesheim, Hannover und sogar bis vor die Tore Hamburgs. So waren die Arbeiter bei einer Geschwindigkeit der Walze von fünf km/h oft sehr lange unterwegs. Ein Projekt der Firma Kösel war zum Beispiel der Belastungstest mit einer Dampfmaschine auf der Leinebrücke vor der Marienburg. Die spätere Firma Kösel Richers bestand bis zur Jahrtausendwende fast 100 Jahre lang in Elze. Die Scheune der Firma am Heilswannenweg ist kaum umgebaut worden und existiert noch heute. Dort wurden früher Geräte gelagert und gewartet. Außerdem gab es darin eine Schmiede um Ersatzteile herzustellen.

Interessant ist auch die Geschichte der damaligen Firma Gramann und Co. GmbH an der Bahnhofstraße gegenüber dem Amtsgericht. Auf dem Gelände war damals eine Sägemühle installiert. 1896 baute der Unternehmer Heinrich-Konrad-Bernhard Gramann außerdem ein Elektrizitätswerk auf, das dafür sorgte, dass in Elze Zug um Zug Elektrizität installiert wurde. In den 30er Jahre musste das Unternehmen allerdings Konkurs anmelden. Das Elektrizitätswerk gehört heute zum Überlandwerk Leinetal. Von der einstigen Fabrik ist heute nichts mehr sichtbar, nur die Villa des Fabrikanten Gramann an der Bahnhofstraße ist noch unverändert.

Feinkost, Kolonialwaren, Weine, Liköre, Cognac, Aufschnitt, Tabak und Zigarren konnten die Elzer seit 1889 in Louis Degenhards Delikatessengeschäft an der Bahnhofstraße erwerben. Degenhard war immer um neue Händler bemüht um seinen Kunden nur das Beste zu bieten. So pflegte der Unternehmer auch den Kontakt zum königlichen und kaiserlichen Hoflieferanten F.A. Sarg’s Sohn und Co. in Liesing bei Wien. „Der Laden brummte. 1935 übernahm Walter Tamme, ein Neffe Degenhards, das Geschäft“, erzählte Werner Beermann, der seine Informationen von Christa Kaufhold, der Tochter des Kaufmanns Tamme, und ihrem Mann Dieter Kaufhold erhielt. Nicht ganz so bekannt war die Firma Battermann, die eine Ölmühle betrieb, ihr Nachfolger war die Käsekistenfabrik Battermann. Die benachbarte Firma Büschgens an der Gerberstraße zählte weiterhin zu den wichtigsten damaligen Elzer Unternehmen. Gründer Emil Büschgens wurde im Papierwarenbereich groß. Später gründete er eine Füllfederhalterfabrik und meldete den Vertrieb von Schreibwaren an. „Heute würde man sagen, Emil Büschgens war marketinginteressiert. Er kannte sich sehr gut aus und schützte alle seine Marken sofort. So meldete Büschgens auch die Marke EBECO als sein Warenzeichen an“, berichtete Beermann. Emil Büschgens galt als Ästhet und Designer. Die EBECO-Werke exportierten ihre Kugelschreiber, Füllfederhalter und Minenbleistifte bis zum Produktionsschluss 1960 weltweit sogar bis in den fernen Osten.

In seinem Buch „Industrie, Manufaktur und Handwerk“ beschreibt Werner Beermann die Geschichte der damaligen Elzer Betriebe sehr umfangreich. Das Werk umfasst etwa 150 Seiten und beinhaltet viele alte Fotos. Es ist für zehn Euro erhältlich.

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