Neun Flüchtlinge finden neue Heimat in Elze / Nach Flucht wichtig: Tagesstruktur und Betreuung

Unterbringung im CJD-Internat

Charlotte Diekmann, Praktikantin an der Christophorusschule, gibt Deutschstunden für die neuen Bewohner des Internats.

ELZE J Welche Schicksalsschläge sie bereits hinter sich haben und wie sie die Reise hierher überstanden haben, darüber kann bis jetzt nur wenig gesagt werden. Die neun jungen Männer, die aus Syrien und Afghanistan geflüchtet sind, haben nun erstmal eine Heimat im CJD Elze gefunden.

Mit Schleppern und ohne Eltern sind die neun Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 Jahren hier angekommen, sind über die diversen Verteilungswege schließlich nach Elze gekommen, wo sie nun in Einzel- oder Doppelzimmern im Internat untergebracht sind. Seit Ende September sind bereits fünf von ihnen permanent da, im Oktober kamen weitere vier hinzu. Sehr schnell und unkompliziert hat das Internat seine Betreuungsriege neu formiert, viele haben zusätzliche Aufgaben übernommen, damit vor allem Ludger Kamphaus, Sozialpsychologe und Betreuer im Internat, sich voll auf die jungen Menschen konzentrieren kann. „Erst einmal müssen die Flüchtlinge hier ankommen, sich einleben und ihnen muss eine sinnvolle Tagesstruktur gegeben werden. Für eine Integration und Zukunft in Deutschland ist die Vermittlung von Sprache und Kultur wie die Bedeutung des Grundgesetzes... entscheidend“, erklärt er – und ergänzt: „Wir dürfen aber vor allem nicht vergessen, dass das Fehlen von Eltern und Geschwistern neben der ohnehin schwierigen Situation für die jungen Menschen eine sehr große psychische Belastung bedeutet.“ Zwei weitere Mitarbeiter sind inzwischen zu seiner Unterstützung abgestellt. Zu ihrer Tagesstruktur gehört insbesondere ein Schulvormittag, den die CJD Christophorusschule gewährleistet. Neben dem wesentlichen Deutschunterricht als Hauptbestandteil bekommen die jungen Männer aber auch schon erste Unterrichtsstunden in Mathematik, Englisch und vielen weiteren Bereichen. Sie stellen sich diesen Herausforderungen mit großem Einsatz.

Susann Ziegler, Lehrerin an der Christophorusschule, hat sich auf dem Gebiet „Deutsch als Fremdsprache“ weitergebildet und ist aktiv an der Arbeit am Schulprogramm für die Flüchtlinge beteiligt. Neben den normalen Unterrichtsstunden plant sie auch weitere Aktivitäten für den Vormittag mit ein, sorgt selbst in den Herbstferien für wenigstens ein paar Unterrichtsstunden am Vormittag, damit die Jungen „neben dem Essen und den Aktivitäten im Internat ihre Tagesstruktur behalten“, so Ziegler.

Wie die Zukunft für die neun Flüchtlinge aussieht, kann niemand vorhersagen. „Ob Verbleib, Rückkehr oder Weiterwanderung schon bei den Jugendlichen feststehen, bezweifle ich – insgesamt hängen diese Entscheidungen auch sehr stark mit den Verhältnissen in ihren Heimatländern zusammen“, erläutert Ludger Kamphaus. bün

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare