Dr. Hannelore Brümmerloh hält im Johanniter-Stift Elze einen Vortrag zur Herausforderung Demenz

Über das Leben mit dem Vergessen

Risikofaktor Alter: Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, nimmt mit dem Alter zu. In der Altersgruppe der über 90-Jährigen ist einer von drei Menschen demenzkrank. Auf Grund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft nehmen immer mehr Menschen mit Demenz aktiv in allen Bereichen des täglichen Lebens teil. Grafik: Alzheimer-Gesellschaft

ELZE  Die alte Dame an der Supermarktkasse ist sich ganz sicher, dass sie die Waren bereits bezahlt hat. Trotz jeglichen Protestes der Kassiererin besteht sie vehement darauf. Eine mehr als unangenehme Situation für die Supermarktangestellte an der Kasse, die weiß, dass die alte Dame im Unrecht ist. Womöglich auch für die Umstehenden, die nicht wissen, wie sie helfen können. Denn die alte Dame handelt nicht etwa aus Geiz und wider besseren Wissens so. Vielmehr führt die Frau ein Leben mit dem Vergessen. Sie ist an Demenz erkrankt.

Die Situation im Supermarkt ist keine frei erfundene. Sie stammt aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz von Dr. Hannelore Brümmerloh. „Demenzkranke kommen immer mehr im öffentlichen Leben vor“, weiß sie zu berichten. Menschen mit Demenz sind Teil unserer Gesellschaft und in allen Bereichen des täglichen Lebens aktiv: sie gehen zur Bank, sie kaufen ein, machen Sport, nehmen am Straßenverkehr teil oder genießen kulturelle Angebote wie Kino- oder Theatervorstellungen. Aufgrund der zunehmenden Alterung der Gesellschaft wird der Anteil an Menschen mit Demenz weiter zunehmen.

Viele Menschen haben keine genauen Vorstellungen davon, was eine Demenzerkrankung für die Betroffenen im Alltag bedeutet. Aus Angst, etwas falsch zu machen, meiden viele den Umgang mit Menschen mit Demenz. Begegnungen mit Demenzkranken stellt für viele eine echte Herausforderung dar. „Demenz kennt keine gesellschaftlichen Regeln mehr. Entsprechend wissen viele nicht, wie sie mit der Situation und mit den erkrankten Menschen umgehen sollen“, weiß Brümmerloh aus Erfahrung.

Aus diesem Grund gibt es beispielsweise Schulungen für Betriebe und Institutionen wie etwa Supermärkte, Taxiunternehmen und die Polizei für den richtigen Umgang mit Menschen mit Demenz. Um aber auch in der breiten Bevölkerung Verständnis für die Betroffenen zu erreichen, organisiert die Alzheimer Gesellschaft Hildesheim neben Schulungen auch Vorträge. Hierbei gibt es neben allgemeinen Informationen zur Krankheit Demenz auch Hinweise und Hintergrundwissen, wie unangenehme Situationen im Alltag oft vermieden oder aufgelöst werden.

Einen solchen Vortrag zur Herausforderung Demenz hält Brümmerloh am Donnerstag, 28. August, ab 19 Uhr im Johanniter-Stift Elze. Die Elzerin schöpft aus einem großen Fundus an Erfahrungen im Bereich Demenz, arbeitete unter anderem in der Beratungsstelle des Landkreises und unterrichtete an Schulen für Pflegeberufe. Ihr Vortrag richtet sich nicht nur beispielsweise an Angehörige von Demenzkranken. „Der Vortrag ist für alle gedacht“, sieht sie die Notwendigkeit, dass Berührungsängste abgebaut werden. Entsprechend verspricht sie augenzwinkernd, den Vortrag nicht zu sehr mit medizinischen Fakten zu spicken.

Nicht abhauen

Neben Antworten auf Fragen der Besucher und Informationsmaterial gibt sie Besuchern auch den einen oder anderen lebenspraktischen Tipp für den Umgang mit Demenzkranken Menschen mit. Ein Hinweis für Situationen wie etwa die an der Supermarktkasse, ist Brümmerloh jedoch so wichtig, dass er nicht bis zum Vortrag warten soll: „Auf keinen Fall sollte man einfach abhauen. Sofern man nicht die Familienangehörige informieren kann, findet man Hilfe bei Institutionen wie dem JohanniterStift, Pflegediensten und der Polizei.“

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