Michael Koch feiert 25-jähriges Bühnenjubiläum in seiner Heimatstadt

Travestieshow durch alle Nuancen des Genres

Ganz in ihrem Element: Leslie London (links) mit Maria Crohn.

ELZE Als sich die Silhouette von Maria Crohn aus dem farbigen Nebel immer deutlicher abzeichnet und sie im königsblauen Taft ihrer großen Robe schließlich vor ihrem Publikum steht, wird sie von ihren Fans jubelnd empfangen. Schließlich ist Michael Koch, geb. Jünemann, ein waschechter Elzer und kehrt anlässlich seines 25-jährigen Bühnenjubiläums zu einem „Festival der Travestie“ für zwei Abende in seine Heimatstadt zurück.

187 Personen sitzen bei der Premiere am Freitagabend im Publikum in der Aula der Astrid-Lindgren-Schule, für den Folgeabend sind schon 220 Karten vorab verkauft.

„Guten Abend hier in der Stadthalle Elze“, scherzt Maria Crohn schon zur Begrüßung und stellt ihre beiden Begleiterinnen vor: Leslie London aus Hannover und Miss Monique aus der Stadt der Liebe beziehungsweise aus der „Weltstadt“ Gelsenkirchen. O-Ton Leslie London: „Da möchte man nicht tot über dem Zaun hängen“.

Schon die Eingangshalle der Grundschule ist nicht wiederzuerkennen. Mit schwarzem Samt und passendem Mobiliar ist sie zu einem eleganten Foyer umgewandelt worden und deutet mit dem Ambiente an, was den Zuschauer in der zweieinhalbstündigen Vorstellung erwartet: eine Travestieshow durch alle Nuancen des Genres.

Von Einlagen auf hohem Niveau bis zu Gags, die weit unter der Gürtellinie liegen. Auf jeden Fall nicht jugendfrei und nichts für Zimperliche. Dazu eine rasante Bühnenshow mit Glitter, Glamour und Gesang, dicker Schminke, ins Mikrofon gehauchten Seufzern, rauchigen Stimmen, Sektflöten, Publikumsanmache, bösen Witzen und viel Komik.

Maria Crohn produziert mit ihren trockenen Sprüchen einen Lacher nach dem anderen: „Ich bin nicht dick – ich bin nur zu klein“, erläutert sie ihre Kurven und plaudert aus ihrem langweiligen Alltag in einem kleinen Dorf bei Celle, den sie sich mit netten Spielchen unterhaltsamer gestaltet. Aber nicht nur ihr Wohnörtchen kriegt sein Fett weg, auch Elze, Esbeck und Wülfingen werden nicht verschont. Mit ihrer Schlagfertigkeit zieht sie bekannte Soaps und Stars wie Florian Silbereisen und Helene Fischer durch den Kakao.

Leslie London unterhält und überrascht mit immer wieder völlig neuem Outfit: als Countrysängerin Dolly Parton mit Megaoberweite, als bayerisches Trampel mit Deutschlandschärpe, als Mireille - Matthieu - Glitzerverschnitt und in der eindrucksvollen Horrorszene „Das ultimative Böse“.

Miss Monique holt als Stimmungskanone die Leute von den Stühlen, nimmt sich als Domina im schwarzen Glitzerkostüm einzelne Herren aus dem Publikum vor und plaudert im Übrigen ohne Blatt vor dem Mund aus dem Millieu.

Doch Maria Crohn bringt mit ihren Nummern nicht nur den Saal zum Toben, sie schafft auch ruhige, stimmungsvolle Momente, beispielsweise als sie auf ihre 25-jährige Bühnenlaufbahn zurückblickt und Udo Jürgens „Was wirklich wichtig ist“ singt. Während des letzten Liedes entfernt sie auf offener Bühne die Schminke, nimmt die Perücke ab und steht schließlich „nackt“ und verletzlich als der Mensch Michael Koch vor seinem Publikum. Der Applaus hält minutenlang an.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare