„Ferrari Küßchen“ erntet für ihre freche und schrille A-Capella-Show tosenden Applaus

Tina Turner geht am Krückstock

„Man soll nie in den vorderen Reihen sitzen“: Der Elzer Volker Bruns wird auf der Bühne zum Foxtrott-Tanzen verführt. Fotos: Corcilius

Elze „…und abends in die Küßchenshow“ sagten sich rund 80 Menschen zum Auftakt des Wochenendes, widerstanden den Verlockungen eines gemütlichen Abends auf dem Sofa vor der „Glotze“, und ließen sich stattdessen in der Aula der Astrid-Lindgren-Schule verführen von schrägen Tönen und süßen Pralinen zur neuesten A-Capella-Show des Gesangsquintetts „Ferrari Küßchen“.

Die Gruppe aus Hannover gründete sich vor fast 20 Jahren; im März 2016 soll im Pavillon am Raschplatz Jubiläum gefeiert werden. In Elze gastierte sie nach 2010 und 2012 jetzt zum dritten Mal. Möglich gemacht hatte das Wiedersehen die Stadt Elze als Veranstalter unter Sponsoring des Überlandwerkes Leinetal (ÜWL).

Stargast des Abends war keine geringere als Tina Turner: Kurz vor der Pause unter dem frenetischen Beifall des enthusiastischen Publikums hinter dem Vorhang hervorgelockt, sorgte ihr Auftritt schnell für viel Gelächter, denn die Arme war arg gealtert und musste unter Zuhilfenahme eines Gehstockes ihren Part absolvieren, der allerdings gegen ihre beginnende Demenz auch keine Hilfe bot. „I’m gonna sing a song for you tonight“, versprach die Diva, warf ihren Stock zur Seite und legte los. Spätestens da vermisste niemand mehr sein heimisches Sofa. Mit ihrer Tina-Turner-Karikatur brachte Irina Schröder-Fröhlich (Alt) Stimmung in den Saal. Neben Tina Turners „Proud Mary“ haben die drei Sängerinnen und zwei Sänger weitere Schlager, Pop-und Rocksongs von Udo Jürgens, Nena, Steppenwolf, Ulla Meinecke, Rita Pavone, Heintje, Ulla Meinecke, Abba und weiteren bekannten Interpreten zu einem abwechslungsreichen Repertoire zusammengestellt.

Nicht brav

Allerdings singen sie die bekannten Hits nicht brav nach, sondern geben ihnen ihr eigenes Profil: Frech, schräg und schrill parodieren sie die großen Vorbilder und verzerren Texte und Melodien mit großer Komik. Pfeifend, klatschend, schnipsend, zungenschlagend und lautmalend erzeugen sie die Töne a capella, die sonst das Orchester spielen würde.

Heide Manns (Mezzosopran) ist mit Ilse Werner auf der Suche nach einem Mann: „Geld ist nicht wichtig, aber scheen muss er sein“, singt sie, und meint damit sicher nicht Rio Reisers „König von Deutschland“, der in Volker Bublitz’ (Tenor) Interpretation zum Antifrauenheld wird, der „jede Nacht um halb drei“ den Inhalt seiner Bierdose über seinen gestreiften Bademantel verschüttet. Deshalb ist Olga Graser (Sopran) auch gar nicht traurig, als sie mit Georg Kreislers Gassenhauer jauchzend bekennt „Mein Mann will mich verlassen“. Gilberts Bécauds „Nathalie“ verkommt durch Ulli Meier-Limbergs Bass zu einem respektlosen, aber gekonnten Geknarze, bei dem die Zuhörer selber in a-capella-Manier die Hintergrundgeräusche des eisigen Moskauer Winterwindes erzeugen. Wie die Sirenen den Odysseus locken die drei Sängerinnen einen Herrn aus dem Publikum auf die Bühne: „Du hast Glück bei den Frau’n, bel ami“ versichern sie dem Elzer Volker Bruns und verführen ihn auf offener Bühne zum Foxtrott-Tanzen. Der meistert die überraschende Situation mit Humor und darstellerischem Talent, nimmt den tosenden Applaus gutmütig entgegen und beendet seinen Auftritt schmunzelnd mit der Bemerkung: „Man soll nie in den vorderen Reihen sitzen.“

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