Polizei warnt vor Nutzung von Handy und Smartphone hinterm Steuer / Ablenkung erhöht Unfallrisiko

Telefonieren ist tödliche Gefahr

Auto plus Handy gleich trauriger Smiley: Mit Postkarten wie diesen versuchen Polizeihauptkommissar Thomas Walter und seine Kollegen, Autofahrer über die Gefahren der Handynutzung hinterm Steuer aufzuklären. Foto: Appel

ELZE Wer fünf Sekunden lang bei Tempo Hundert auf sein Handy schaut, fährt fast 140 Meter blind. Selbst bei einer überschaubaren Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern legt das Fahrzeug in nur einer Sekunde eine Strecke von acht Metern im „Blindflug“ zurück. „Wenn da ein Kind auf die Straße läuft, dann würde ich das gar nicht wahrnehmen“, warnt Polizeihauptkommissar Thomas Walter eindringlich.

Ob im Auto oder auf dem Fahrrad: Viele Menschen lassen sich durch ihr Smartphone massiv vom Straßenverkehr ablenken. Die Folge: viele schwere Unfälle. „Mit der steigenden Nutzung der Mobiltelefone ist es auch mehr geworden, dass wir Verkehrsteilnehmer feststellen, die während der Fahrt telefonieren oder durch ihr Smartphone abgelenkt sind“, berichtet Walter, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes beim Polizeikommissariat Elze. Dabei ist das Schreiben von SMS oder das Fahren mit dem Handy in der Hand alles andere als eine Bagatelle. „Viele machen sich keine Gedanken, wie gefährlich das eigentlich ist und wie schnell es zu Unfällen kommen kann“, so Walter.

Zunehmendes Problem

Eine Aussage, die von Zahlen bekräftigt wird: Nach Angaben des Automobilclubs spielt die Ablenkung durch moderne Kommunikationsgeräte im Auto inzwischen bei jedem zehnten Verkehrsunfall eine entscheidende Rolle. Beim Kraftfahrzeug-Bundesamt wurden vor zehn Jahren 288 000 Verstöße gegen das Handyverbot am Steuer registriert. 2011 waren es schon 450 000. Und die Dunkelziffer ist enorm hoch ist. Schon deshalb, weil es für die Polizei nach wie vor schwierig ist, einen Verstoß nachzuweisen. „Die Kollegen blicken während der Streifenfahrt in die Autos oder beobachten den durchgehenden Fahrzeugverkehr“, berichtet Walter. Viele Verstöße stellten die Beamten außerorts, beispielsweise auf der B 3 fest. Verkehrsteilnehmer, die so abgelenkt sind, dass sie Schlangenlinien fahren etwa. „Ein gravierender Fall war, dass jemand freihändig gefahren ist: eine Hand am Handy und die andere an der Schaltung. Einfach unverantwortlich!“ Dabei droht den Sündern nicht nur die Gefahr, im Straßenverkehr zu verunglücken, sondern auch ein saftiges Bußgeld. Kosten für Fahren mit Handy am Ohr: 60 Euro plus einer Verwaltungsgebühr und einem Punkt in Flensburg. Radfahrer werden mit 25 Euro Verwarngeld zur Kasse gebeten.

Unfälle aufzuklären, bei denen ein Smartphone eine Rolle gespielt haben könnte, ist schwer – wenn das Handy nicht noch angeschaltet im Fußraum liegt oder Zeugen den Verursacher eines Unfalls etwa beim Telefonieren beobachtet haben. „Wenn man gar keine Anhaltspunkte für das Abkommen von der Fahrbahn hat, kann man theoretisch der Handynutzung nachgehen“, erwähnt Walter. Doch das Beste sei sowieso, den Unfall zu verhindern bevor er passiert: durch Prävention und Aufklärung. In Zusammenarbeit mit dem Bundesland und der Verkehrswacht verteilt die Polizei bei Kontrollen Postkarten, um für das Thema zu sensibilisieren: Auto plus Handy gleich trauriger Smiley.

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