Blick hinter die Kulissen des THW Elze / Seit 25 Jahren eigenständiger Ortsverband

Technik und Wissen, um zu helfen

Vom größten Fahrzeug bis zum kleinsten Kabel – die Ehrenamtlichen des THW prüfen alle Ausrüstungsgegenstände regelmäßig auf mögliche Defekte.

ELZE Menschen in Not zu helfen. Das ist für Holger Hümpel mit ein Antrieb für sein ehrenamtliches Engagement. Klar, da gibt es das Gemeinschaftsgefühl und den persönlichen Willen, sich gesellschaftlich einzubringen – das ist beim Technischen Hilfswerk (THW) nicht anders als bei beliebigen Vereinen. Doch ein gravierender Unterschied ist der Einsatz in Krisengebieten, die Erfahrung, welchem Elend und welchen Gefahren Menschen ausgesetzt sein können.

„Die nicht ganz einfachen Erfahrungen in Ruanda haben mich geprägt“, blickt Holger Hümpel, Ortsbeauftragter des THW in Elze, auf seinen Auslandseinsatz im vom Bürgerkrieg geschundenen afrikanischen Land Mitte der 1990er-Jahre zurück. Bleibende Eindrücke habe es hinterlassen, die Flüchtlinge mit Trinkwasser zu versorgen und so ein klein wenig das Elend zu mindern.

Humanitäre Einsätze und Hilfseinsätze bei großen Naturkatastrophen im Ausland – das sind die Bilder aus dem Fernsehen, die jeder mit dem THW verbindet. Wenngleich die Männer und Frauen ihr technisches Know-How und Material auch bei vielen Gelegenheiten vor Ort zur Verfügung stellen, die im öffentlichen Leben jedoch selten wahrgenommen werden.

So wagt die LDZ anlässlich des 64. Geburtstags, den das Hilfswerk vor wenigen Tagen feierte, einen Blick hinter die Kulissen des Ortsverbands Elze an der Albert-Einstein-Straße. „Die Technik, das ist unser Gebiet“, bringt Hümpel das wesentliche Merkmal der von ehrenamtlich getragenen Bundesanstalt, die dem Innenministerium untersteht, auf den Punkt. Menschen zu retten, zu bergen und zu versorgen – das war von Beginn an das Hauptaugenmerk des THW. Die Notwendigkeit des nicht-militärischen Schutzes der Zivilbevölkerung vor Kriegseinwirkungen und deren Beseitigung waren die hauptsächlichen Gründe für die Schaffung des THW. Nach dem Kalten Krieg ist der Gedanke des Schutzes im Falle der Verteidigung nach hinten gerückt. Der Katastrophenschutz im In- und Ausland und ein breites Spektrum an technischer und humanitärer Hilfe sind das Hauptaufgabenfeld der „blauen Engel“.

„Wir sind ausgebildet, Menschen zu retten beispielsweise bei Erdbeben. Aber auch die Bereitsstellung von Infrastruktur, beispielsweise Strom, Gas und Wasser, ist ein großes Thema“, umreißt Hümpel nur einen Auszug der Einsatzmöglichkeiten. Entsprechend zu Hause fühlen sich beim THW Menschen aus handwerklichen Berufen –etwa aus den holzverarbeiteten Gewerken, aus Branchen der Gas- und Wasserinstallation oder auch des Baus. „Aber im Grund kann sich jedermann engagieren“, betont Hümpel, dass Helfer ebenso für den Bereich Verwaltung willkommen sind. Rund 50 Ehrenamtliche zählt der Ortsverband Elze, der bis 1989 Stützpunkt de Ortsverbandes Sarstedt war und seit 1989, sprich seit 25 Jahren, ein eigenständiger Ortsverband mit einem technischen Zug und einer Fachgruppe „Räumen“ ist.

Spezialisten im Räumen

Der Spezialisierung auf das Räumen entsprechend umfasst das Arbeitsgerät neben der umfassenden Grundausstattung und zahlreichen Transportfahrzeugen auch einen Mehrzweckbagger (einer von nur zweien des THW in Niedersachsen).

Auftraggeber des THW sind vor allem Behörden, die mit der Gefahrenabwehr zu tun haben, aber auch jeder Privatmann kann die Hilfe der „blauen Engel“ in Anspruch nehmen. „Weil wir als Hilfsorganisation ausschließlich Betriebskosten brechnen, sind wir billiger als jedes Unternehmen“, erklärt Hümpel. „Die Kosten dürften eigentlich kein Grund sein, uns nicht zu alarmieren“, sagt Hümpel.

Durch den Wegfall der Wehrpflicht – Männer wurden von der Wehrpflicht freigestellt, wenn sie sich ersatzweise beim THW verpflichteten – und den Faktor demografischer Wandel ist auch das THW verstärkt gefordert, Nachwuchs, aber auch Bevölkerungsgruppen wie Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund für sich zu gewinnen.

Auf immerhin derzeit rund 40 Jugendliche blicken die technischen Helfer der Saalestadt, die altersgerecht an die Arbeit des THW herangeführt werden und zudem bei Aktionen wie Jugendlagern und Freizeiten Gemeinschaft erleben.

Und wie ist das nun mit den medienwirksamen Auslandseinsätzen? Eine Weltkarte im THW-Gebäude zeigt an, welcher Helfer aus Elze wo auf der Erdkugel bereits zum Einsatz kam. Von Russland bis Afrika stecken die kleine Nadeln in der Karte. „Wir sind aber nicht ständig im Ausland unterwegs“, erklärt Hümpel augenzwinkernd. Dafür aber in Niedersachsen und ganz Deutschland. Auch, wenn dies nicht so oft auf den Fernsehbildschirmen zu sehen ist.

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