Jeden Donnerstag macht das Einkaufsmobil in Wittenburg Station / Christine Gocht (84) schätzt das Angebot

Supermarkt fährt bis vor die Haustür

Bier und Wein, Brot und Kuchen, Obst und Gemüse – alle Waren sind frisch. In der Kühltruhe gibt es sogar Fleischprodukte.

WITTENBURG Christine Gocht aus Wittenburg gehört zu denjenigen älteren Bürgern, die ein besonderes Einkaufsangebot nutzen: Jeden Donnerstag hält ein „rollender Supermarkt“ direkt vor ihrer Haustür, so dass die 84-Jährige nur wenige Schritte tun muss, um einzukaufen. „Das ist ein echter Luxus“, sagt sie zu der wöchentlichen Aktion.

Der „rollende Supermarkt“ gehört Bernd Rothkamm aus Petze (Samtgemeinde Sibbesse). Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat sich vor fünf Jahren selbstständig gemacht und fährt jetzt „über die Dörfer“, um vor allem älteren Menschen die Chance zu geben, das einzukaufen, wofür sie ansonsten in die Stadt fahren müssten. Da viele aber keine Gelegenheit dazu haben, nutzen sie eben den „rollenden Supermarkt“, der mit allen Waren bestückt ist, den die Menschen für den alltäglichen Bedarf benötigen: Angefangen bei den Nahrungsmitteln wie Milch, Joghurt, Fisch, Butter, Zucker, Brot, Brötchen, Obst, Gemüse, Kekse sowie Wein, Bier und Saft über abgepackte Fleischprodukte (die selbstverständlich eingeschweißt in einem Kühlregal liegen) bis hin zu Zigaretten, Zeitschriften und Illustrierten, aber auch Toilettenpapier, Glückwunschkarten und Zahnpasten. Saisonal bedingt hat Rothkamm sogar Vogelfutter. Natürlich gibt es auch Süßigkeiten für Kinder, unter anderem Schokolade und Lollis. Und: „Was ich nicht da habe, kann ich besorgen“, betont Rothkamm. So habe er beispielsweise schon mal ein Fernsehgerät für einen Stammkunden mitgebracht.

Konkurrenz kennt der Petzer nicht, das seien eher Mitbewerber. „Es gibt eine stumme Absprache, so dass jeder sein Gebiet hat“, so Rathkamm, der sogar bis in den Raum Minden fährt. Donnerstags ist er näher an seiner Basis, dann ist er in Hoyershausen, Esbeck, Wittenburg, Oerie und Hüpede unterwegs. Christine Gocht freut sich, wenn der „rollende Supermarkt“ pünktlich um 14 Uhr um die Ecke biegt und vor dem Haus hält. Beim Einkauf ist immer Zeit für ein nettes Gespräch. „Der Kontakt zu den Menschen macht Spaß“, so Rothkamm. Er ist nicht der einzige mobile Dienstleister in Deutschland: Rund 2 000 Lebensmittelhändler, Banker und Bibliothekare sind bundesweit unterwegs – nicht nur auf dem Land, sondern auch am Rande von Großstädten. Die Branche gilt als Wachstumsmarkt, obwohl in den vergangenen Jahrzehnten Discounter wie Pilze aus dem Boden schossen und Tante-Emma-Läden im Wettbewerb nicht bestehen konnten.

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