Elzer SPD-Ratsherren besichtigen Windkraftanlagen bei Esbeck / Entscheidung fällt am morgigen Dienstag

„... wie ein startender Hubschrauber“

Die Elzer Sozialdemokraten verschaffen sich vor Ort einen Eindruck: Wohin mit Rädern der alternativen Energie?

ESBECK Mehr als 120 Esbecker Bürger nahmen am Informationsabend rund um das Thema Windenergie teil – und sprachen sich mehrheitlich gegen eine Erweiterung aus. Um sich ein genaues Bild von der Lage zu machen und für die wichtige Entscheidung in der morgigen Ratssitzung vorbereitet zu sein, zogen die Elzer Sozialdemokraten nun ins Feld, um Lärm und Schattenwurf der bis zu 200 Meter hohen Anlagen selbst zu erleben. Begleitet wurden sie dabei von Friedhelm Bockholt, Vorsitzender der Bürgerinitiative in Esbeck.

Idyllisch liegt das Haus von Bockholt am Rande von Esbeck. Entschlossen führt er die Elzer Sozialdemokraten durch die Nachbarschaft und macht deutlich, warum er und seine Nachbarn an dieser Stelle ein Haus gebaut haben: „Dort die Marienburg, da der Wald. Das ist ein Ausblick.“ Schwenkt der Blick dann allerdings zur Seite, wird schnell klar, warum Friedhelm Bockholt so engagiert berichtet. Meterhohe Windkrafträder, fünf an der Zahl, drehen sich dort im Herbstwind. „Wenn die Geräte anfangen zu arbeiten, klingt das hier wie ein startender Hubschrauber“, weiß er zu berichten. Auch Mehles Ortsvorsteher Wolfgang Thiesemann hört genau hin: „Ein bisschen hört man etwas“, so sein erstes Fazit vom Wohngrundstück aus. „Wir wollen heute nicht über Mindestabstände reden“, stellte Friedhelm Bockholt jedoch schon vor dem Start der Reise klar. Etwa 1 000 Meter sind die Windräder aktuell von seinem Grundstück entfernt. Nach kurzer Fahrt durch die Feldmark stehen die Genossen unter einem der fünf Kolosse. Steht man direkt daneben, ist es schon deutlich lauter, stellen die Politiker fest.

Deutlich lauter wird es schließlich auf dem Sonnenberg. Die inzwischen veralteten Anlagen geben aus direkter Nähe ein störendes Betriebsgeräusch von sich. Dort angekommen steht Walter Busch Rede und Antwort. Der Vorsitzende der Windkraft Eime GmbH stellt dabei klar: „Ursprünglich wollten wir auf dem Sonnenberg unsere neuen Anlagen installieren.“ Mindestabstände zu bereits bestehenden Anlagen machen diesen Plänen jedoch den Garaus, sodass sich die Eimer Gesellschaft „damit abgefunden hat, das an der B3 gebaut wird“. Dort könnte die bereits vorhandene Anlage auf der Seite des Landkreises Hameln-Pyrmont gespiegelt werden, denn die Abstände zwischen den verschiedenen Parks gelten nur innerhalb der Landesgrenzen. „Unsinnig“, meint unter anderem auch SPD-Ratsherr Christian Schwarze. Der Vorteil: An der B3 könnten insgesamt fünf neue Anlagen gebaut werden, der ursprüngliche Plan am Sonnenberg sieht lediglich vier vor. „Wegen 20 Prozent legen wir uns mit den Esbeckern an“, stellt Wolfgang Thiesemann fest, der betont, dass er in seiner Entscheidung „die Bürger vertreten möchte“. Diese sind in ihrer Haltung zur Esbecker Windkraft jedoch gespalten: Die große Mehrheit der Gegner sieht sich einer Gruppe gegenüber, die von dem Ausbau der Windenergiefläche auch wirtschaftlich profitieren könnte. Auch die kommunale Kassenlage würde davon in erheblichem Maße aufgebessert.

Ratssitzung morgen

Bis Ende des Monats muss beim Landkreis Hildesheim eine Stellungnahme zum vorgelegten Entwurf des Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) vorliegen. Während einer Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche stellte Elzes Bürgermeister klar: „Die Stadt ist nicht Herrin des Verfahrens.“ Am Dienstag soll aber die Empfehlung der Gemeinde an den Landkreis weitergegeben werden. Die öffentliche Sitzung des Elzer Stadtrates beginnt um 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.

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