Der scheidende VHHG-Vorsitzende Holger Hümpel könnte Initiator eines ganz neuen Projektes werden

„Raus aus dem Denkgefängnis“

Bürgermeister Rolf Pfeiffer (links) und VHHG-Chef Holger Hümpel könnten beziehungsweise müssen die Elzer jetzt mitnehmen, um ein Wir-Gefühl zu schaffen. Foto: Mosig

ELZE Am Ende saß Holger Hümpel, der scheidende Vorsitzende des Vereins für Handel, Handwerk und Gewerbe (VHHG), auf seinem Stuhl und wusste nicht, ob er traurig oder fröhlich sein sollte. Er hatte während des vom Vorstand initiierten Infoabends gehofft, dass jemand aufsteht und ihn beerbt oder das andere Vereinsvorsitzende kommen, um die „Kräfte zu bündeln“ und um gemeinsam mehr zur Stadtentwicklung beizutragen. Beides war nicht geschehen – und doch war eine Idee gewachsen, mit der die Elzer zu Vorreitern in der Region werden können.

Die gefühlte Ausgangslage: In Elze ist immer alles Mist. Die Innenstadt ist tot, zur Messe kommt keiner, wo sind eigentlich alle heute abend, alle ducken sich weg. Die LDZ lesen nur 2 000 Leute, also gefühlt niemand, und wenn ein neues Geschäft eröffnet, wetten alle darauf, wann es schließt.

Die wahre Ausgangslage: In Elze gibt es die Messe, das Mühlenfeldfest, das gut besuchte Parkgeflüster. Es gab die 400-Jahr-Feier und Sonderbriefmarken, es gibt den Kalender. Das alles ist Stadtmarketing, das alles ist für die Größenordnung von Elze beachtlich. Die Innenstadt wird sich laut Bürgermeister Rolf Pfeiffer in den kommenden Jahren gut entwickeln, und auch die LDZ lesen 25 Prozent aller Elzer, was ein sehr guter Wert ist. Beim Infoabend waren 25 Teilnehmer, das ist doch ordentlich. Der Südniedersachse meckert halt gern, der Elzer ist Meister darin – schon immer. Ralf Krause, ein interessiertes Nicht-VHHG-Mitglied, betonte: „Die Lage in Elze ist nie so schlecht wie gefühlt.“

Die gefühlten Probleme von Vereinen: In Elze gibt es zu wenig helfende Hände, in den Vorständen und in der Politik sind immer die gleichen Menschen aktiv. Man schafft es kaum, Neue zur Mitarbeit zu motivieren. Die Vereine unterstützen sich nicht genug. Braucht man eigentlich noch die Aktionen des VHHG? Braucht man eigentlich noch den VHHG?

Die wahren Probleme von Vereinen: Jeder Verein kämpft in Südniedersachsen um Mitglieder, doch gerade junge Familienmenschen haben keine Lust mehr, sich in diesen Strukturen zu bewegen. „Alles bröckelt langsam“, sagt Hümpel. Dass es kein Engagement gibt, stimmt so nicht. Die Menschen gehen aus, ins Fitnesstudio, und engagieren sich partiell dort, wo es sie direkt betrifft, siehe TenneT und Schulen. Dass man sich nicht helfe, stimme nicht, meinten Ilse Hurnaus vom Kunst- und Kulturverein „Fundus“ und auch Sabine Kullmann vom „Netzwerk Zukunft“: „Man muss die Leute nur ansprechen.“

Die Lösung? Kullmann ist der Meinung, dass man raus muss aus dem „Denkgefängnis“: „Wir müssen Vereinsstrukturen aufbrechen.“ Man brauche ein Konzept, das Reizpunkte setzen muss, um Menschen zur Zusammenarbeit zu verpflichten. Wie Pfeiffer erläuterte, gab es schon einmal die Idee der „Arena“, einer Art Dachorganisation für alle Vereine. Ebenfalls gab es bei der Verwaltung mal einen Ansprechpartner für Vereine. Pfeiffer: „Der wurde nie angerufen.“ Vielleicht ist die Zeit jetzt erst reif für „Arena“ und Ansprechpartner...

Die nächsten Wochen: Der VHHG braucht ein Konzept. Vielleicht ist der Verein als Aktionsmacher und als Aushängeschild überflüssig, doch die Gewerbetreibenden brauchen sowohl eine vernünftige städtische Entwicklung als auch ein Sprachrohr, damit der Konsum hier stattfindet, oder einfacher: Damit die Kasse klingelt. In sechs Wochen ist allerdings die Hauptversammlung. Das wird knapp.

Tendenz: Hümpel könnte/ müsste ein Jahr verlängern und hat die Chance, in Elze bis zum nächsten Jahr mit allen gemeinsam ein neues Wir-Gefühl zu schaffen – in Elze und auch in der ganzen Region. Ob es den VHHG danach noch gibt, bleibt abzuwarten. Elze und seine Geschäftsleute wird es aber mit Sicherheit noch geben.

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