Vortrag von Wolfgang Nieschalk über Hermann Löns stößt in der Elzer Stadtbücherei auf reges Interesse

Mehr als nur der „Heide-Dichter“

Unterhaltsam vermittelt Wolfgang Nieschalk einen Eindruck des Charakters und des literarischen Werkes von Hermann Löns.

Elze J Kurz vor Beginn des Vortrages von Wolfgang Nieschalk über Hermann Löns mussten noch etliche Stühle nachgestellt werden. Mit so einem Besucherandrang hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Neben den Zuhörern aus dem kleinen Kreis des Stammpublikums der unregelmäßig stattfindenden Lesungen und Vorträge, die die Stadtbücherei Elze seit vier Jahren anbietet, hatten sich Neugierige aus Elze und anderen Orten eingefunden.

Einige davon sind ausgemachte „Nieschalk-Fans“, andere wollten mal schauen, was die Bücherei so bietet und nicht zuletzt zeigte es sich, dass der Name „Hermann Löns“ immer noch zieht. Nieschalk gehört dem „Calenberger Autorenkreis“ an und ist seit Jahren ein gern gesehener Gast in Elze. Mal liest er eigene Texte, mal referiert er über einen Dichter oder Schriftsteller, in dessen Schriften er sich eingearbeitet hat, denn die Calenberger Autoren haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Werke namhafter Autoren lebendig zu halten. Was Nieschalks Vorträge so unterhaltsam und lebendig macht, ist sein Humor, der auch in seinen Referaten durchblitzt. Sie sind nicht trocken wissenschaftlich, sondern vom interessierten Laien für den interessierten Laien ausgearbeitet und lassen immer einen großen Respekt für sein Objekt spüren.

Anhand von biografischen Daten, kurzen Anekdoten und Werkbeispielen vermittelte Nieschalk einen Eindruck des Charakters und des literarischen Werkes von Hermann Löns (geboren 1866 in Westpreußen, gefallen 1914 in Frankreich).

Dabei zeigte er auf, dass dieser nicht nur der „Heide-Dichter“ war, als der er vielen bekannt ist. Er hatte nie in der Lüneburger Heide gelebt, aber viel Freizeit dort verbracht. Obwohl er nur 48 Jahre alt wurde, ist sein Leben und Schaffen viel zu unruhig gewesen, um es in ein paar kurzen Sätzen zu umreißen. Auch Nieschalk hat sich auf einige exemplarische Beispiele konzentriert und sich nicht ausführlich in dessen Biografie vertieft. Was man wissen sollte, ist, dass Löns sich schon als Kind für alles, was da „kreucht und fleucht“ interessierte. Er wuchs in der wald- und seenreichen Landschaft Westpreußens als ältestes von 14 Kindern auf.

Flora und Fauna

Sein Interesse für die Flora und Fauna ließ ihn nie mehr los. Durch einen Umzug mit seiner Familie kam er nach Münster, studierte verschiedene Fächer an verschiedenen Orten und schmiss nach einigen Jahren alle Universitätsstudien hin. Danach schlug er sich mit zunehmendem Erfolg als Mitarbeiter diverser Tageszeitungen durch, unter anderem bei der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“.

Er galt als schwieriger Charakter, zwar hochintelligent, aber psychisch labil und alkoholabhängig. Als Frauenheld ruinierte er seine zwei Ehen und beruflich wie gesellschaftlich ging sein Leben auf und ab. Aber wenn man von der schwierigen Person Löns absieht und sich seinen schriftstellerischen Arbeiten zuwendet, stößt man auf ein vielfältiges Werk, das besonders durch die Lyrik seiner „Werdezeit“ mit der Vorstellung über Löns aufräumt, die man gemeinhin pflegt.

Nieschalk hatte den Schauspieler Volkmar Eckard aus Hildesheim mitgebracht, der ausdrucksstark die „Segelfahrt“ und das „Wetterleuchten“ deklamierte. Nieschalk stellte unter anderem das Gedicht „Vor dem Absturz“ vor, das ihm als Sinnbild für Löns Individualismus erscheint. Die Erzählung „Der Mörder“, einer drastischen, düsteren Schilderung über einen Schadhirsch und dessen grässlichen Tod, setzte er an das Ende seines Vortrages.

Kein zweiter Tod

In einem ganz frühen Gedicht äußerte Hermann Löns die Befürchtung, dass sein Werk schnell in Vergessenheit geraten könne. Doch den zweiten Tod, den des Vergessens, hat Löns nicht sterben müssen, zitierte Nieschalk Marcel Reich-Ranicki. Noch nach 100 Jahren ist er bekannt. Für die Besucher der Veranstaltung in der Bücherei war es ein aufschlussreicher und anregender Abend.

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