Aufpäppel-Versuche scheitern / Über Umwegen gelangt das verletzte Tier zu Experten

Mauersegler strandet in Elze

Ben Bartels aus Elze mit dem verletzten Mauersegler. Vermutlich aufgrund eines Unfalls ist der Vogel flugunfähig.

ELZE Einem tierischen Gast hatte jüngst Familie Bartels aus Elze Unterschlupf gewährt: „Wir haben einen Mauersegler im Garten gefunden, der nicht mehr fliegen konnte“, berichtet Svenja Bartels. Fürsorglich nahm sich die Familie, allen voran Sohn Ben, dem Vogel an. Doch trotz aller Bemühungen, den neuen gefiederten Freund mit Insekten aufzupäppeln – der Mauersegler war weiterhin nicht in der Lage, seine Reise durch die Lüfte fortzusetzen.

„Wir wussten nicht, an wen wir uns wenden können, wer das Tier aufnehmen und versorgen kann“, berichtet Svenja Bartels von einer kleinen Odyssee. Obwohl sie sich qua Beruf als Tierheilpraktikerin viel mit den Sorgen und Nöten von Tieren beschäftigt, sei es schwer gewesen, adäquat Hilfe zu erlangen.

Mehrere Telefonate und etwa einen Tag später konnten sie den verunglückten Vogel in die Obhut von Manfred Weinhold übergeben. Der Gronauer ist Mitglied im Ornithologischen Verein Hildesheim und Ansprechpartner in Sachen Monitoring und Erfassung der Vogelwelt in der hiesigen Region. In der Vergangenheit konnte Meinhold bereits mehrfach verletzten Mauerseglern helfen. „Ich habe mit allen Mitteln versucht, den Vogel wieder aufzupäppeln. Das hatte vor ein paar Jahren schon einmal gut bei einem Mauersegler geklappt. Doch dieses Mal leider nicht“, berichtet der Vogelfreund von seinen Bemühungen.

Um den August herum ziehen die Vögel in der Regel in Richtung Süden los. Denn den größten Teil des Jahres verbringen die rastlosen Meisterflieger im Dauerflug über dem afrikanischen Kontinent. Durch Schwäche und Erschöpfung oder durch Verletzungen aufgrund eines Unfalls – etwa einer Kollision mit Stromleitungen, Glasscheiben, Dachkanten oder Autos – geraten immer wieder Exemplare in Not..

Wenngleich äußerlich am Tier nichts zu erkennen gewesen sei, so sei der Jungvogel wohl verletzt und nicht nur geschwächt gewesen. „Wahrscheinlich ist der Mauersegler nach dem Abflug vom Nistplatz irgendwo dagegengeflogen“, versucht Meinhold zu rekonstruieren. „Ansonsten bewegen sich Mauersegler nicht am Boden. Wenn junge Mauersegler erstmal in der Luft sind, dann fliegen die auch“, weiß er über die meist an hohen Gebäuden, etwa unter Dachziegeln oder Giebeln, nistenden Vögel, zu berichten.

Die Deutsche Gesellschaft für Mauersegler appelliert eindringlich, am Boden gestrandeten Mauerseglern zu helfen. Denn ohne Grund werde kein Mauersegler am Boden gefunden. Falls man einen verunglückten, oder geschwächten Mauersegler versorgt, sei es wichtig, dem Tier Insekten anstatt Würmer zu füttern, merkt Weinhold an. Nichtsdestotrotz: Alle Mühen Weinholds fruchteten beim in Elze gestrandeten Mauersegler nicht. Über den Tierschutzverein Hildesheim konnte das verletzte Tier schließlich an einen Experten für Mauersegler vermittelt werden, der den Vogel weiterversorgt.

Auffangstationen

„Wir sind erleichtert, dass dem Tier geholfen wird“, sagt Svenja Bartels. Wer selbst einmal einem gestrandeten Mauersegler weiterhelfen muss, der findet auf der Internetseite der Gesellschaft für Mauersegler unter www.mauersegler.com umfangreiche Informationen. Eine Liste an Pflegestellen und Auffangsstationen ist auf der Internetseite www.wildvogelhilfe.org abrufbar. Eine Auffangstation für Vögel aller Art bietet beispielsweise das NABU-Artenschutzzentrum in Leiferde bei Gifhorn. Eine Wildtier-Auffangstation, die Vögel aller Art aufnimmt, gibt es auch in Sachsenhagen südlich des Steinhuder Meers.

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