Gertrud Zelm aus Elze unterstützt seit Jahren Hilfstransporte in „alte Heimat“

„In Lettland fehlen immer noch Fahrräder“

Klein, aber oho: Das Auto der Elzerin bietet Platz für 20 Kartons oder sechs Fahrräder. Mehrere Male hat die 82-Jährige Hilfsgüter bis nach Hamburg oder sogar direkt nach Lettland gebracht.

ELZE „Uns wurde nach dem Krieg auch geholfen“: In diesem kurzen Satz fasst Gertrud Zelm aus Elze ihre Motivation zusammen, warum sie seit vielen Jahren Hilfstransporte für Lettland unterstützt. Die heute 82-Jährige ist im kleinen Dorf Neuhausen im lettischen Kurland geboren und aufgewachsen, ehe sie der Zweite Weltkrieg nach Deutschland verschlagen hat. Jetzt hilft sie denen, die dageblieben sind – und deren Nachkommen. Die leben, besonders auf dem Land, in ärmlichen Verhältnissen, wie Gertrud Zelm bei ihren jährlichen Besuchen immer wieder feststellt.

„Ich bin schon immer sozial engagiert gewesen“, sagt die aus einer Lehrerfamilie stammende Gertrud Zelm, die beruflich unter anderem als Sozialarbeiterin und Theologin aktiv war, ehe sie vor 17 Jahren in den Ruhestand gegangen ist.

Durch ihre Arbeit als Pfarrerin und auch als Urlauberin ist sie mehrfach in ihre „alte Heimat“ zurückgekehrt. Dabei ist in ihr immer mehr der Entschluss gereift, etwas für die Bevölkerung zu tun.

Als Gernot Mautz 2004 in seiner Funktion als Geschäftsführer der Deutsch-Baltischen Gesellschaft das Projekt „1 000 Fahrräder für Lettland“ auf die Beine stellte, schloss sich Gertrud Zelm der Initiative an – nicht nur, weil sie sich an die Zeit erinnerte, als ihr Vater der Einzige war, der ein Fahrrad besaß, sondern auch, weil Fahrräder immer noch Mangelware in Lettland waren. Gertrud Zelm zögerte nicht, sondern handelte: Sie knüpfte Kontakte zu einer ihrer ehemaligen Gemeinden in Hessen, fragte im Elzer Fundbüro nach und mobilisierte auch die Elzer Bürger. Gemeinsam mit anderen Engagierten sollte das Projekt gelingen. „Innerhalb von drei Jahren hatten wir die 1 000 Fahrräder zusammen“, sagt die Elzerin stolz, die sich noch heute dafür stark macht, dass weitere Fahrräder den Weg nach Lettland finden. „Ich weiß, wie wichtig es auf dem Lande ist, denn die Menschen nutzen es, um zur Arbeit zu kommen oder auch zum Einkaufen“, so Gertrud Zelm. Auch die Gemeindeschwestern würden ein Rad gut gebrauchen können, um den Weg zu ihren Patienten besser zurücklegen zu können. „Klar, Riga ist eine schöne Stadt mit Sehenswürdigkeiten wie dem Schloss, dem Schwedentor, der Lettischen Nationaloper und dem Jugendstilviertel, aber die Armen in den dunklen Gassen sieht keiner“, merkt die Elzerin an, dass Lettland für die Touristen gern mit den angenehmen Dingen vermarktet wird.

Hilfe naht, denn Mitte März startet der nächste Hilfstransport von Hamburg aus nach Lettland, genauer gesagt nach Auce, das südöstlich von Neuhausen liegt. Die Lieferung übernehmen seit 2010 die Johanniter. Bislang hatte Gertrud Zelm viele Fahrten in die norddeutsche Hansestadt mit ihrem privaten PKW selbst übernommen, teilweise mit Hilfe durch ihren Bruder, Dr. Hans-Dieter Zelm oder durch Bekannte. In diesem Jahr bekommt sie Unterstützung vom Technischen Hilfswerk (THW) Elze. Die 82-Jährige hat schon viele Hilfsgüter eingepackt: Kleidungsstücke, Bettwäsche und Hygieneartikel würden besonders benötigt. Dazu kommen Fahrräder, Rollatoren und Rollstühle.

Mehr als 25 Mal hat Gertrud Zelm auch selbst die Lieferungen in das 1 600 Kilometer entfernte Lettland übernommen, dann mit dem eigenen Auto. „Der Weg ist teilweise beschwerlich, aber solange ich das noch kann, werde ich das weiter tun“, sagt Gertrud Zelm, die sich über die strahlenden Augen der Menschen freut, die die Sachspenden entgegennehmen. Im Moment braucht die Elzerin keine Hilfsgüter mehr, denn der Dachboden ist voller Kartons und die Garage voller Fahrräder. Aber der nächste Hilfstransport kommt ...

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