Beschicker prophezeien dem Elzer Wochenmarkt eine düstere Zukunft / Unabhängige Wähler stellen Antrag zur Neuordnung

„Lange macht das keiner mehr mit“

Auch am Delikatessen-Stand hören (von links) Michael Röver, Klaus Janke und Werner Rohde vor allem den Wunsch, dass sich beim Elzer Wochenmarkt grundlegend etwas ändern möge.

Elze „Wenn nichts passiert, dann ist es hier bald aus“: Diese düstere Prognose für den Elzer Wochenmarkt fällt der Imbissstandbetreiber Mattern. Er selbst habe lediglich über die Mittagszeit etwas Kundschaft, „Danach ist es hier tot. Ich könnte um 15 Uhr nach Hause, mache dies aber aus Solidarität gegenüber den anderen Beschickern nicht.“

Das ehrt den Imbissbetreiber zwar, doch angesichts der dünnen Besetzung auf dem Wochenmarkt fragt man sich, welche anderen Beschicker er meint. Außer ihm hoffen an diesem Donnerstag lediglich noch der Betreiber eines Delikatessenstands sowie der Blumenverkauf auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße auf den einen oder anderen Kunden.

Fisch, Käse, Eier, Backwaren, Obst und Gemüse seien früher einmal beim Wochenmarkt angeboten worden, erinnern sich die Kommunalpolitiker der Unabhängigen Wählergruppe (UWE). Gleich zu sechst ist die UWE heute vor Ort erschienen, um sich ein Bild von der Situation des Elzer Wochenmarktes zu machen. Bei einer Tasse Kaffee, Bratwurst und Pommes kommen sie mit den Beschickern ins Gespräch. „Was braucht es denn, damit der Wochenmarkt wieder läuft“, will Fraktionschef Joachim Rathmer vom Mann hinter dem Verkaufstresen wissen. „Ärgerlich ist, dass der Wochenmarkt keinen Anziehungspunkt wie einen Obststand hat. Vernünftiges, frisches Obst läuft immer“, berichtet dieser von seinen Erfahrungen von anderen Märkten in der Region.

Falscher Standort

Generell kritisiert der Beschicker aus Esbeck den Standort an der viel befahrenen Hauptstraße: zu laut, zu gefährlich, zu wenig einladen und keinerlei Markt-Atmosphäre... Sein Vorschlag: „Der Rolandplatz als Standort wäre interessant. Oder noch besser wäre der neue Parkplatz an der Bahnhofstraße“, plädiert Mattern vehement für eine Verlegung des Wochenmarktes.

„Wir werden hier zwar gesehen, aber es fahren allen nur vorbei. Bei ein, zwei Ständen will keiner anhalten“, sagt auch der Delikatessenhändler Ahmadi aus Hannover. Auch er sieht beim Elzer Wochenmarkt dringenden Handlungsbedarf. Insbesondere mit dem Betreiber, der Deutschen Marktgilde, geht der erfahrene Beschicker hart ins Gericht: „Er zeigt keinerlei Interesse und macht nichts. Keine Werbung, einfach nichts. Lange macht das hier keiner mehr von uns so mit“, prophezeit auch der Hannoveraner das baldige Aus für den kärglichen Elzer Wochenmarkt.

„Nichts passiert“

„Aus dem Standgeld, das hier fast schon unverschämt hoch ist und nicht im Verhältnis steht, sollen eigentlich ja auch Maßnahmen für den Wochenmarkt finanziert werden. Aber es passiert nichts“, sieht auch der Beschicker aus Esbeck die Deutsche Marktgilde als Betreiber deutlich mehr in der Bringschuld. Aus den eigenen Beobachtungen sowie den Gesprächen mit den Markttreibenden ziehen die Kommunalpolitiker der UWE ein deutliches Fazit: Das Konzept zum Elzer Wochentag müsse gründlich überarbeitet, vielleicht sogar rigoros neu aufgestellt werden. Einen entsprechenden Antrag für die Bauausschusssitzung am Donnerstag, 4. Februar, haben die Unabhängigen daher eingereicht. In der Begründung verweisen die Unabhängigen auf die Vergabe des Wochenmarktbetriebs an die Deutsche Marktgilde im Jahr 2012. Das Unternehmen hatte damals im Vorfeld ein Konzept vorgestellt, „das eine weitaus höhere Anzahl an Marktbeschickern mit einer größeren Auswahl an Produkten vorsah. Auch von Werbemaßnahmen und Marketingaktionen war die Rede. Nach nun mehr als dreieinhalb Jahren sieht die Realität anders aus“, betonen die Unabhängigen Wähler. „Besonders im Hinblick auf Betreiber, Anzahl der Verkaufsstände, Wochentag und Standort“ müsse das Konzept überarbeitet und neu aufgestellt werden. Entsprechend möge die Verwaltung prüfen, wie schnell eine Neuordnung des Elzer Marktes vorgenommen werden könne und diese Themen in den Gremien zur Diskussion stellen, „mit dem Ziel, durch einen Beschluss eine Verbesserung der Situation herbeizuführen“.

Denn dass die Elzer durchaus für Wochemärkte zu begeistern sind, zeigt sich auch allwöchentlich: Immer wieder freitags trifft man zahlreiche Saalestädter auf dem Gronauer Markt an...

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