Flüchtlinge werden von Elze aus weitergeleitet

Nur ein kurzer Halt

Erschöpft, frierend und hungrig kommen die Flüchtlinge in Elze an.

ELZE Nachdem am Donnerstag 460 Flüchtlinge auf dem Elzer Bahnhofsgelände empfangen wurden, um sie mit Bussen in die jeweiligen Notunterkünfte weiterzuleiten (die LDZ berichtete), traf bereits zwei Tage später die gleiche Zahl an Menschen in Elze ein.

Wieder liefen bei Bürgermeister Rolf Pfeiffer die Fäden zusammen, der erneut auf die tatkräftige Hilfe von Feuerwehr und THW zählen konnte. Auch die DRK-Bereitschaft aus Alfeld rückte an – das Team der Bahnhofsmission war ebenfalls im Einsatz wie zahlreiche Beamte der Landes- und Bundespolizei. Ursprünglich war geplant, dass auch die Bundeswehr unterstützen sollte. „Doch der Einsatz einer Kompanie des Jägerbataillons aus Nienburg war nicht erforderlich“, erklärt Rolf Pfeiffer.

Um 8.35 Uhr fuhr der Sonderzug aus Passau am Sonnabend in den Elzer Bahnhof ein. Nach und nach begaben sich die Flüchtlinge auf den vorbereiteten Platz. Hier bekamen sie ein Verpflegungspaket, heißen Tee oder Kaffee und Wasser.

Um die Sprachbarrieren zu überwinden, waren mehrere Dolmetscher vor Ort. So wie Mohammed Nouali von Asyl e.V. und Ferid Mendi aus Elze, der mit seinen Söhnen Redir und Revin übersetzte. Auch mehrere aus dem arabischen Raum stammende Elzer boten ihre Hilfe an, was auch dankend angenommen wurde. Jeder Dolmetscher hatte gut zu tun, um den Ankömmlingen das weitere Vorgehen zu erläutern. Das Problem: „Viele wissen gar nichts“, stellt Mohammed Nouali fest: „Sie wissen nicht, wohin es geht und was mit ihnen passiert.“ Der Dolmetscher berichtet von einer Gruppe, die in Passau in den falschen Zug gestiegen ist: So ging es nicht nach München, sondern in die Saalestadt.

Im Sanitätszelt versorgte das DRK-Personal mehrere Patienten. Bei einem 14 Monate alten Kind wurden zunächst keine Darmgeräusche festgestellt. Ein herbeigeeilter Arzt konnte jedoch Entwarnung geben, die Eltern konnten mit ihrem Kind weiterfahren. Weniger glimpflich erging es einem Mann, der in das Gronauer Krankenhaus eingeliefert werden musste.

„Häufige Probleme sind aber Zahnschmerzen“, berichtet DRK-Kreisvorsitzender Bernd Beushausen, der mit der Bereitschaft anrückte. „Die können wir aber hier nicht behandeln, da müssen erst einmal Schmerzmittel genügen.“

Hektisch wurde es, als plötzlich drei Männer ausbüxten und auf die Gleise liefen. Die Bundespolizei konnte die Gruppe aber schnell wieder einfangen und zurückbringen. Es stellte sich heraus, dass einer von ihnen zur Fahndung ausgeschrieben ist.

Akribisch wurden die Flüchtlinge schließlich auf neun Busse verteilt, die sie dann nach Celle, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein in die jeweiligen Notunterkünfte fuhren.

Am Nachmittag war der Einsatz für die Helfer beendet. Doch für das Elzer THW stand bereits der nächste Aufbau bevor. In Sarstedt unterstützte es in der Nacht die Einrichtung der Notunterkunft, die gestern eröffnet wurde.

Ob Elze sich als Drehkreuz für die Verteilung von Flüchtlingen etabliert, steht nicht fest. Ausgeschlossen sei das aber nicht. „Die gute Verkehrsanbindung durch Bahnhof, B 1 und B 3 spricht für Elze“, war zu hören.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare