Gemischter Chor beschließt Auflösung / Ehepaar Schütz lässt jüngste Geschichte Revue passieren

„90 Jahre Musik in Wülfingen“

Am ersten Advent traten die Sänger aus Betheln, Wülfingen und Groß Escherde gemeinsam mit der Akkordeongruppe aus Wülfingen ein letztes Mal zusammen auf. Jetzt hat sich die Chorgemeinschaft aufgelöst.

WÜLFINGEN Erst Betheln, dann Wülfingen und später Groß Escherde: Vor 30 Jahren haben sich die Chöre aus diesen Orten zur Chorgemeinschaft Marienberg zusammengeschlossen. Doch aufgrund der Altersstruktur und der Kündigung der Chorleiterin lösen sich die Mitgliedschöre nach und nach auf.

1924 wurde der Gemischte Chor in Wülfingen gegründet. „Es gab 90 Jahre Musik in Wülfingen“, erzählt Hanna Schütz. Bei der letzten Jahreshauptversammlung wurde sie für ihre 40-jährige Mitgliedschaft vom Kreischorverband geehrt, ihre Mitsängerin Hanna Katz für 25 Jahre Treue. Doch jetzt geht ihre Chorzugehörigkeit zu Ende. Bereits im September kündigte Chorleiterin Bärbel Sackmann fristlos. „Sie hatte uns angekündigt, dass sie zum Ende des Jahres aufhört, aber das es so schnell ging, hat uns alle überrascht“, bestätigt Fritz Schütz, Vorsitzender des Gemischten Chores von Wülfingen. Geschlossen trat der Vorstand zurück – und fragte bei der Versammlung, ob sich ein neuer Vorstand konstituieren möchte. „Es hat sich keiner für die Posten gemeldet. Da wir das erwartet haben, haben wir anschließend die Mitglieder um ihre Zustimmung zur Auflösung gebeten“, lässt Fritz Schütz diesen für ihn persönlich recht schwierigen Abend Revue passieren. 53 Mitglieder zählt der nicht eingetragene Verein am Ende, davon gehörten aber lediglich 14 aktiv dem Chor an. Obwohl die fröhliche Chormusik nun in Wülfingen nicht mehr erklingen wird, bleibt die Akkordeongruppe rund um Ulla Nettelrodt bestehen.

„Wir hatten noch einen letzten gemeinsamen öffentlichen Auftritt am ersten Advent“, erzählt Hanna Schütz. Ohne Chorleitung mit einer Dirigentin aus den eigenen Reihen haben die Mitglieder der Chorgemeinschaft Marienberg die Stücke gesungen, die sie ohne Schwierigkeiten beherrschen. „Das Singen hat immer viel Spaß gemacht, auch in Begleitung der Akkordeonspieler“, bedauert die längjährige Sängerin zwar das Ende des Gemischten Chores und der Chorgemeinschaft, doch hält sie die Zeit für diesen Schritt für gekommen: „Die meisten Sänger sind um die 80 Jahre alt, wer weiß, wie lange wir noch durchgehalten hätten.“

Bis zur Abwicklung des Vereins bleibt der Vorstand als kommissarische Leitung im Amt. Doch dann endet für viele Vorstandsmitglieder eine langjährige, ehrenamtliche Tätigkeit: Bärbel Schmidt ist als Schriftführerin bereits 31 Jahre aktiv, Ursula Laskowski führt seit 27 Jahren die Kasse und Fritz Schütz blickt auf eine knapp 30-jährige Arbeit als zweiter und erster Vorsitzender des Chores zurück. Auch die derzeitige stellvertretende Vorsitzende, Annelore Hahn, setzte sich fünf Jahre für die Gemeinschaft ein. „Wir haben uns jeden Montag getroffen, um gemeinsam zu singen. Abwechselnd sind wir in Betheln, Groß Escherde und Wülfingen zusammen gekommen“, so Hanna Schütz. Im Laufe ihrer 40-jährigen Zugehörigkeit zum Chor habe sie unter einigen Chorleitern gesungen. „Jeder hat seine eigene Note eingebracht“, denkt sie an das umfangreiche Repertoire deutschsprachiger Lieder, die die Chorgemeinschaft Marienberg beherrscht.

Die zahlreichen Unterlagen, wie beispielsweise Noten aus den Anfängen der zunächst als Männerchor gegründeten Gruppe, sowie die Fahne möchte Fritz Schütz dem Wülfinger Heimatverein zur Verfügung stellen, damit die Gesangstradition nicht ganz in Vergessenheit gerät.

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